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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 15.01.1981 – 8 O 382/77

ECLI:DE:LGDO:1981:0115.8O382.77.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar für den Beklagten gegen Sicherheitsleistung

In Höhe von 2.450.—DM.

**Rn. 1**

Tat b e s t a n d :

**Rn. 2**

Die Klägerin hat mit der am 16.12.1977 eingegangenen und

**Rn. 3**

am 4. Februar 1978 zugestellten Klage den Pflichtteilsanspruch

**Rn. 4**

gegen den Beklagten geltend gemacht. Der

**Rn. 5**

Beklagte ist der Sohn des Erblassers aus erster Ehe und von

**Rn. 6**

diesem durch Testament zum alleinigen Erben eingesetzt. Die

**Rn. 7**

Klägerin ist die zweite Ehefrau des Erblassers.

**Rn. 8**

Das Testament wurde am 06.10.1975 eröffnet. Die Klägerin hat

**Rn. 9**

das ihr danach zustehende Vermächtnis ausgeschlagen.

**Rn. 10**

Der Beklagte hatte bereits vor Erhebung der Klage der Klägerin

**Rn. 11**

insgesamt 78.000,- DM auf den Pflichtteil gezahlt.

**Rn. 12**

Mit Schriftsatz vom 23.06.1980 ändert die Klägerin den Klagegrund

**Rn. 13**

und stützt den Anspruch auf Ausgleich des Zugewinns.

**Rn. 14**

Zunächst hatten die Parteien über den Wert des Nachlasses gestritten,

**Rn. 15**

insbesondere über den Wert von Grundstücken. Seit der

**Rn. 16**

Geltendmachung des Zugewinnausgleichsanspruchs durch die Klägerin

**Rn. 17**

streiten die Parteien außerdem über das Anfangsvermögen

**Rn. 18**

des Erblassers sowie darüber, mit welchen Mitteln Verbindlichkeiten

**Rn. 19**

während der Dauer der Ehe getilgt worden sind.

**Rn. 20**

Wegen der Einzelheiten des Parteivortrags wird auf die Schriftsätze

**Rn. 21**

Bezug genommen.

**Rn. 22**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 23**

den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin

**Rn. 24**

51.656,23 DM nebst 4 % Zinsen seit dem 25.08.1977

**Rn. 25**

zu zahlen.

**Rn. 26**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 27**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 28**

Der Beklagte beruft sich darauf, daß der Anspruch der Klägerin

**Rn. 29**

auf Zugewinnausgleich verjährt sei.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 31**

Die Klage war abzuweisen, weil der Pflichtteilsanspruch der

**Rn. 32**

Klägerin erfüllt ist und der Anspruch auf Zugewinnausgleich verjährt

**Rn. 33**

ist.

**Rn. 34**

Der Klägerin steht nach der Ausschlagung des Vermächtnisses als

**Rn. 35**

Pflichtteilsanspruch 1/8 vom Wert des Nachlasses zu. Dieser

**Rn. 36**

beträgt nach ihrem eigenen Vortrag 553.566,95 DM, so daß nach

**Rn. 37**

der Zahlung von 78.000,-- DM durch den Beklagten an die Klägerin

**Rn. 38**

der Pflichtteilsanspruch erfüllt ist.

**Rn. 39**

Gegenüber dem mit der zulässigen Klageänderung geltend gemachten

**Rn. 40**

Zugewinnausgleichsanspruch hat sich der Beklagte mit Erfolg auf

**Rn. 41**

Verjährung berufen.

**Rn. 42**

Der Anspruch der Klägerin auf Zugewinnausgleich ist nach den

**Rn. 43**

§§ 1378 Abs. 4 i.V.m. 2332 BGB 3 Jahre nach der Eröffnung des

**Rn. 44**

Testaments vom Oktober 1975 verjährt, d.h. im Oktober 1978.

**Rn. 45**

Die Verjährung des Zugewinnausgleichsanspruchs ist nicht nach

**Rn. 46**

§ 209 BGB durch die Erhebung der Klage unterbrochen worden, weil

**Rn. 47**

mit der Klage ein anderer Anspruch geltend gemacht worden ist,

**Rn. 48**

nämlich der Anspruch auf Zahlung des Pflichtteils.

**Rn. 49**

Die klageweise Geltendmachung des Pflichtteilsanspruchs

**Rn. 50**

unterbricht nicht die Verjährung des Anspruchs auf Zugewinnausgleich,

**Rn. 51**

weil es sich um zwei verschiedenartige Ansprüche aus

**Rn. 52**

unterschiedlichem Rechtsgrund handelt.

**Rn. 53**

Der Pflichtteilsanspruch ist ein erbrechtlicher Anspruch, während

**Rn. 54**

der Zugewinnausgleichsanspruch aus dem Familienrecht stammt.

**Rn. 55**

Zwar gibt es Berührungspunkte zwischen beiden Ansprüchen, wie

**Rn. 56**

sich aus den §§ 1371 und 1378 Abs. 4 BGB ergibt.

**Rn. 57**

Diese Berührungspunkte reichen jedoch nicht aus, um eine Unterbrechung

**Rn. 58**

der Verjährung des Zugewinnausgleichsanspruchs durch

**Rn. 59**

die klageweise Geltendmachung des Pflichtteilsanspruchs anzunehmen.

**Rn. 60**

Bei der Geltendmachung des Pflichtteilsanspruchs steht in der

**Rn. 61**

Regel der Streit um den Wert des Nachlasses im Mittelpunkt.

**Rn. 62**

Bei einem Rechtsstreit um den Zugewinnausgleich geht es darüberhinaus

**Rn. 63**

um das Anfangsvermögen des Erblassers sowie um die Frage,

**Rn. 64**

ob der überlebende Ehegatte seinerseits einen Zugewinn hat.

**Rn. 65**

Die Geltendmachung des Anspruchs auf Zugewinnausgleich ist auch

**Rn. 66**

unabhängig von der Geltendmachung des Pflichtteilsanspruchs. Es

**Rn. 67**

liegt deshalb keine Konstellation vor, die mit der Regelung in

**Rn. 68**

den §§ 477 Abs. 3, 639 BGB vergleichbar wäre.

**Rn. 69**

Zwar finden beide Ansprüche ihren Ausgang im Tod des Erblassers Ehegatten

**Rn. 70**

und diesem Umstand hat § 1378 Abs. 4 BGB Rechnung getragen,

**Rn. 71**

indem der Beginn der Verjährung beider Ansprüche aufeinander

**Rn. 72**

abgestimmt wird. Im übrigen aber bleibt es dabei, daß es

**Rn. 73**

sich um verschiedenartige Ansprüche aus unterschiedlichem Rechtsgrund

**Rn. 74**

handelt, die unabhängig voneinander geltend zu machen sind.

**Rn. 75**

Deshalb hat die Erhebung der Klage auf Zahlung des Pflichtteils

**Rn. 76**

die Verjährung des Zugewinnausgleichsanspruches nicht unterbrochen.

**Rn. 77**

Der Zugewinnausgleichsanspruch ist erstmals mit dem

**Rn. 78**

Schriftsatz der Klägerin vom 23.06.1980 geltend gemacht worden.

**Rn. 79**

Zu diesem Zeitpunkt war die drei jährige Verjährungsfrist seit

**Rn. 80**

der Eröffnung des Testaments im Oktober 1975 abgelaufen.

**Rn. 81**

Die Klage war deshalb mit der Kostenfolge aus § 91 ZPO abzuweisen.

**Rn. 82**

Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht

**Rn. 83**

auf den §§ 708 Ziff. 11, 709 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 15.01.1981 – 8 O 382/77, ECLI:DE:LGDO:1981:0115.8O382.77.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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