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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 23.10.1980 – 17 S 163/80

ECLI:DE:LGDO:1980:1023.17S163.80.00

## Tenor

Die Berufung der Kläger gegen das Urteil

des Amtsgerichts Dortmund vom 28. April 1980

wird auf Ihre Kosten zurückgewiesen.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Parteien sind Grundstücksnachbarn.

**Rn. 3**

In Jahre 1971 setzte der Kläger auf seinem Grundstück eine

**Rn. 4**

ca. 13 m lange, 2 m hohe Mauer entlang der Grundstücks-

**Rn. 5**

grenze zum Beklagten in einem Abstand von einigen Zentimetern

**Rn. 6**

zur Grenze. Auf den Lageplan (Bl. 4 der Akten) wird Bezug

**Rn. 7**

genommen,

**Rn. 8**

Zwischen den Parteien herrscht seit Jahren Streit

**Rn. 9**

um nachbarliche Rechte und Pflichten, insbesondere wegen

**Rn. 10**

dieser Mauer. In dem Verfahren 7 O 80/74 verlange der

**Rn. 11**

Kläger unter anderem vom Beklagten, zu dulden, daß das

**Rn. 12**

Grundstück des Beklagten zum Zwecke der Durchführung von

**Rn. 13**

Putzarbeiten an der Mauer von dem Kläger betreten werde.

**Rn. 14**

Die Parteien schlossen in diesen Verfahren am 17.2.1977

**Rn. 15**

folgenden Vergleich bezüglich der Mauer:

**Rn. 16**

"Der Beklagte ist damit einverstanden, daß der

**Rn. 17**

Kläger durch eine solvente Anstreicherfirma die

**Rn. 18**

zum Grundstück des Beklagten gelegene Wand der

**Rn. 19**

Grenzmauer im hinteren Teil des Grundstücks mit

**Rn. 20**

einer nicht pflanzenschädIichen Wetterschutzfarbe

**Rn. 21**

in weiß anstreichen läßt."

**Rn. 22**

Der Kläger nahm seine Rechte aus diesem Vergleich nicht

**Rn. 23**

wahr, so daß die Wand, die aus grauen Hohlblocksteinen

**Rn. 24**

errichtet wurde, zum Grundstück des Beklagten hin noch

**Rn. 25**

nicht gestrichen worden ist.

**Rn. 26**

Mit Schreiben vom 5.2.1980 wies der Beklagte den KIäger

**Rn. 27**

auf diesen Sachverhalt hin und erklärte:

**Rn. 28**

"Bis heute haben Sie in dieser Richtung nichts

**Rn. 29**

getan. Damit ich nicht unendlich auf Ihre häßliche

**Rn. 30**

Wand sehen muß, gebe ich Ihnen nunmehr acht Wochen

**Rn. 31**

Zeit, diese , ach, so notwendigen Arbeiten zu er-

**Rn. 32**

ledigen. Wenn bis dahin Ihre Mauer nicht entsprechend

**Rn. 33**

bearbeitet worden ist, setze ich eine Verblendung von

**Rn. 34**

wenigen Zentimetern davor."

**Rn. 35**

Daraufhin hat der Kläger Unterlassungsklage erhoben.

**Rn. 36**

Im Termin vom 28 .4.1980 hat der Beklagte erklärt, er

**Rn. 37**

wolle zur Verblendung der Mauer einen Holzflechtzaun

**Rn. 38**

errichten, in einem solchen Abstand von der Mauer,

**Rn. 39**

daß Laub usw. durch den Zwischenraum entfernt werden

**Rn. 40**

könne und die Mauer ausreichend belüftet werde.

**Rn. 41**

Der Kläger ist der Auffassung, die Verblendung der

**Rn. 42**

Mauer sei rechtswidrig. Der Beklagte müsse einen größeren

**Rn. 43**

Abstand wahren, damit das Hammerschlag-und Leiterrecht

**Rn. 44**

des Klägers nicht erschwert und verteuert werde.

**Rn. 45**

Er ist weiter der Auffassung, es handele sich bei der

**Rn. 46**

Mauer um eine Grenzwand im Sinne von § 19 Nachbarrechts-

**Rn. 47**

gesetz NRW. Der Beklagte sei daher verpflichtet, den Zwischen-

**Rn. 48**

raum so zu schließen, daß Schäden im Bereich des Zwischenraums

**Rn. 49**

vermieden würden.

**Rn. 50**

Der Kläger hat beantragt,

**Rn. 51**

1. den Beklagten zu verurteilen, es zu unterlassen,

**Rn. 52**

die östliche Seite der auf dem Grundstück der Kläger

**Rn. 53**

von Norden nach Süden verlaufenden Grenzwert zwischen

**Rn. 54**

den Grundstücken der Parteien mit einer Verblendung

**Rn. 55**

zu versehen.

**Rn. 56**

2. Den Beklagten zu verurteilen, für den Fall der

**Rn. 57**

Anbringung einer Zierverblendung auf seinem eigenen

**Rn. 58**

Grundstück in einem geringen Abstand vor der vorhan-

**Rn. 59**

denen Mauer auf dem Grundstück der Kläger den ent-

**Rn. 60**

standenen Zwischenraum so zu schließen, daß Schäden

**Rn. 61**

im Bereich des Zwischenraumes insbesondere durch Ge-

**Rn. 62**

bäudebewegungen und Witterungseinflüsse an der zuerst

**Rn. 63**

errichteten baulichen Anlage der Kläger vermieden werde .

**Rn. 64**

Der Beklagte hat Klageabweisung beantragt.

**Rn. 65**

Er vertritt die Auffassung, die Mauer sei nicht eine

**Rn. 66**

Grenzwand sondern eine Einfriedungsmauer.

**Rn. 67**

Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Zur Begründung

**Rn. 68**

hat es ausgeführt,, ein Unterlassungsanspruch gemäß

**Rn. 69**

§ 104 Abs. 1 Satz 2 BGB hinsichtlich des Klageantrags zu

**Rn. 70**

1. stehe dem Kläger nicht zu. Der Klageantrag zu 2. sei

**Rn. 71**

nicht begründet, weil die Mauer keine Grenzwand im Sinne

**Rn. 72**

des § 19 Nachbarrechtsgesetz NRW sei.

**Rn. 73**

Mit der form- und fristgerecht eingelegten Berufung

**Rn. 74**

trägt der Kläger zum Antrag zu 1. erneut vor, sein

**Rn. 75**

Hammerschlag und Leiterrecht werde durch die Verblendung

**Rn. 76**

beeinträchtigt. Bezüglich des Antrages zu 2. wiederholt

**Rn. 77**

er seine Auffassung, es handele sich bei der Mauer um

**Rn. 78**

eine Grenzwand.

**Rn. 79**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 80**

unter Aufhebung des angefochtenen Urteils nach den

**Rn. 81**

in der letzten mündlichen Verhandlung erster Instanz

**Rn. 82**

gestellten Anträgen zu entscheiden.

**Rn. 83**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 84**

die Berufung zurückzuweisen.

**Rn. 85**

Er verteidigt das angefochtene Urteil.

**Rn. 86**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Inhalt der

**Rn. 87**

gewechselten Schriftsätze und deren Anlagen Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 89**

Die Berufung ist unbegründet,

**Rn. 90**

Zu Recht hat das Amtsgericht die Klage bezüglich des

**Rn. 91**

Antrages zu 1. abgewiesen, denn dem Kläger steht ein Unter-

**Rn. 92**

lassungsanspruch aus keinem rechtlichen Gesichtspunkt zu.

**Rn. 93**

Die Voraussetzungen der vorbeugenden Unterlassungsklage

**Rn. 94**

gemäß § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB sind nicht gegeben. Durch

**Rn. 95**

die bevorstehende Errichtung eines Flechtzaunes wird ein

**Rn. 96**

Recht des Klägers nicht verletzt. Das Eigentum des Klägers

**Rn. 97**

an der Mauer wird nicht unmittelbar beeinträchtigt, denn

**Rn. 98**

der Beklagte wird die Verblendung nicht an der Mauer selbst

**Rn. 99**

anbringen.

**Rn. 100**

Der Kläger kann den Unterlassungsanspruch auch nicht aus

**Rn. 101**

einem etwa bestehenden Hammerschlag- und Leiterrecht gemäß

**Rn. 102**

§24 Nachbarrechtsgesetz von Nordrhein-Westfalen herleiten.

**Rn. 103**

§24 gibt die Befugnis, das Grundstück des Nachbarn zu be-

**Rn. 104**

treten, um an der eigenen baulichen Anlaqe Bau-, Instand-

**Rn. 105**

setzungs- und Verschönerungsarbeiten vorzunehmen bzw. vor-

**Rn. 106**

nehmen zu lassen sowie die Befugnis, auf den Nachbargrund-

**Rn. 107**

stück Leitern und Gerüste aufzustellen und Materialien zu

**Rn. 108**

lagern. Das Hammerschlag- und Leiterrecht besteht jedoch

**Rn. 109**

nur, soweit die tatsächlichen Verhältnisse seine Ausübung

**Rn. 110**

zulassen. Der Kläger hat mithin keinen Anspruch darauf, daß

**Rn. 111**

der Beklagte eine Möglichkeit, das besagte Recht auszuüben,

**Rn. 112**

nicht durch die Anbringung eines Flechtzaunes beeinträchtigt

**Rn. 113**

oder vereitelt. (vgl. Schäfer Kommentar zum Nachbarrechts-

**Rn. 114**

gesetz von Nordrhein-Westfalen, 4. Auflage, 1978, Seite 91 ).

**Rn. 115**

Im übrigen hat der Kläger schon nicht substantiiert vor-

**Rn. 116**

getragen, daß die Mauer irgendeiner Pflege bedarf, für die

**Rn. 117**

er sich auf das Hammerschlag- und Leiterrecht berufen müßte.

**Rn. 118**

Vielmehr trägt er selbst vor, daß die Mauer im Rohzustand

**Rn. 119**

praktisch und rentabel sei.

**Rn. 120**

Dem Kläger steht ein Unterlassungsanspruch auch nicht wegen

**Rn. 121**

einer bevorstehenden Verletzung nachbarrechtlicher Vor-

**Rn. 122**

schriften über die Einhaltung von Grenzabständen zu.

**Rn. 123**

Der Flechtzaun ist eine Anlage, die nicht fest mit dem

**Rn. 124**

Grundstück verbunden und nicht über 2 m hoch ist.

**Rn. 125**

(vql. Schäfer, a.a.O., Seite 109: Gerüst als "Anlage" ;

**Rn. 126**

Zimmermann-Steinke, Kommentar zum Nachbarrechtsgesetz

**Rn. 127**

von Nordrhein-Westfalen, 1969,, Seite 132: Holzgerüst

**Rn. 128**

als "Anlage") . Ihr Abstand zum Nachbargrundstück richtet

**Rn. 129**

sich nach § 31 Nachbarrechtsgesetz von Nordrhein-Westfalen.

**Rn. 130**

Zwar ist gemäß § 31 Abs. 1 ein Mindestabstand von

**Rn. 131**

0,50 m einzuhalten. In vorliegenden Fall gilt jedoch die

**Rn. 132**

Ausnahmevorschrift des § 31 Abs. 2 b aa, denn der Flecht-

**Rn. 133**

zaun wird die Mauer nicht überragen. Die Einhaltung eines

**Rn. 134**

Abstandes ist hier nicht erforderlich.

**Rn. 135**

Die Berufung war insoweit unbegründet.

**Rn. 136**

Dem Kläger steht auch ein Anspruch auf Schließung des

**Rn. 137**

Zwischenraumes nicht zu, denn die Mauer ist- wie das

**Rn. 138**

Amtsgericht zutreffend ausgeführt hat- keine Grenz-

**Rn. 139**

wand im Sinne des § 19 Nachbarrechtsgesetz von Nordrhein-

**Rn. 140**

Westfalen, so daß die Voraussetzungen für einen Anspruch

**Rn. 141**

nach § 22 fehlen.

**Rn. 142**

Die Grenzwand dient, ebenso wie die Nachbarwand, dem

**Rn. 143**

Abschluß einer baulichen Anlage. Das ergibt sich bereits

**Rn. 144**

aus dem Wortlaut. Die Verbindung zur baulichen Anlage

**Rn. 145**

wird sowohl in der Definition der Nachbarwand in § 7

**Rn. 146**

als auch in § 20 bezüglich der Grenzwand hergestellt.

**Rn. 147**

Das die Grenzwand sich lediglich dadurch von der Nach-

**Rn. 148**

barwand unterscheidet, daß sie ganz auf dem Grundstück

**Rn. 149**

des Erbauers unmittelbar an der Nachbargrenze errichtet

**Rn. 150**

wird, ist im Schrifttum anerkannt (vgl. Schäfer, a.a.0. Seite 77) .

**Rn. 151**

Da die Mauer entlang der Grundstücksgrenze des Klägers nicht

**Rn. 152**

dem Abschluß einer baulichen Anlage dient, sind die Vorschriften

**Rn. 153**

über die Grenzwand nicht anwendbar.

**Rn. 154**

Die Berufung war nach alledem zurückzuweisen.

**Rn. 155**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 23.10.1980 – 17 S 163/80, ECLI:DE:LGDO:1980:1023.17S163.80.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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