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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 09.07.1980 – 10 O 9/80

ECLI:DE:LGDO:1980:0709.10O9.80.00

## Tenor

Die einstweilige Verfügung der I. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Dortmund vom

17. Januar 1980 (10 O 9/80) wird aufrechterhalten.

Die weiteren Kosten des Verfahrens werden der Verfügungsbeklagten auferlegt.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d :

**Rn. 2**

Durch Vertrag vom 29. April 1975 verpflichtete sich

**Rn. 3**

die Verfügungsklägerin, an die Kaiserlich-Iranische-Regierung-

**Rn. 4**

Hafen- und Schiffahrtsorganisation (= Ports

**Rn. 5**

and Shipping Organisation = PSO) 7 Dieselmotor-Seitenstapler

**Rn. 6**

für 822.963, -- DM zu liefern. Der Vertrag umfaßte

**Rn. 7**

die Herstellung, die Lieferung, den Transport und die

**Rn. 8**

Auslieferung der Ersatzteile nach den Häfen Khorramshahr

**Rn. 9**

bzw. nach Bandar Shahpour. Gemäß den Ausschreibungsbedingungen

**Rn. 10**

fungierte für die Verfügungsklägerin als

**Rn. 11**

im Lande ansässiger Partner, also als "Register-Office",

**Rn. 12**

die Firma H.

**Rn. 13**

Die Verfügungsklägerin verpflichtete sich ferner, eine

**Rn. 14**

zunächst bis zum 31. Dezember 1975 befristete Leistungs - und

**Rn. 15**

Lieferungsgarantie (= performance garantee) in Höhe von 10% des Auftragwertes

**Rn. 16**

zu stellen. Mit Erstellung dieser Garantie zugunsten der PSO beauftragte die

**Rn. 17**

Verfügungsklägerin die Verfügungsbeklagte. Diese beauftragte durch Schreiben vom

**Rn. 18**

11. September 1975 unter Übernahme einer entsprechenden Rückgarantie die

**Rn. 19**

Bank Melli Iran in Teheran, eine entsprechende Garantie gegenüber dem Besteller,

**Rn. 20**

nämlich der PSO, zu übernehmen.

**Rn. 21**

Die Bank Melli Iran schrieb daraufhin am 13. September 1975 an die PSO u.a.

**Rn. 22**

wie folgt: "Bezüglich des Vertrages… zwischen H…. und der Kaiserlich-Iranischen-Marine, Teheran,

**Rn. 23**

übernimmt die Bank die Garantie für die ordnungsgemäße

**Rn. 24**

Erfüllung der Verpflichtungen, und wird, falls diese

**Rn. 25**

nach Meinung und Urteil der Kaiserlich-Iranischen-Marine,

**Rn. 26**

Teheran, den Verpflichtungen aus dem obigen Vertrag nicht

**Rn. 27**

nachkommen, an die Kaiserlich-Iranische-Marine, Teheran,

**Rn. 28**

jeden Betrag bis zu 82.297,- Rs (DM 82.297,-- in Rs), der

**Rn. 29**

von der Kaiserlich-Iranischen-Marine, Teheran, aus irgendwelchem

**Rn. 30**

Grund verlangt wird, sofort bei erster schriftlicher

**Rn. 31**

Anforderung zahlen, ohne daß irgendein Verschulden oder

**Rn. 32**

eine Verletzung nachgewiesen werden muß und ohne daß eine

**Rn. 33**

förmliche Zustellung oder gerichtliche Maßnahme oder die

**Rn. 34**

Angabe irgend-eines Grundes notwendig sind. Diese Bankgarantie

**Rn. 35**

ist gültig bis zum Ende der Geschäftszeit am

**Rn. 36**

31 .12.1975 und kann auf Anforderung der Kaiserlich-iranischen

**Rn. 37**

Marine, Teheran, um jeden beliebigen Zeitraum verlängert

**Rn. 38**

werden ".

**Rn. 39**

Nach Lieferung der Gabel-Stapler wurden diese am 19. Mai

**Rn. 40**

1976 "als ordnungsgemäß" abgenommen. Es wurden lediglich

**Rn. 41**

geringfügige Transportschäden und das Fehlen kleinerer

**Rn. 42**

Teile - durch Diebstahl - festgestellt, die in dem AbnahmeProtokoll

**Rn. 43**

vom 19. Mai 1976 als Transport-Versicherungsfall

**Rn. 44**

aufgeführt wurden. Für derartige Schäden war von der

**Rn. 45**

PSO bei der Firma Iranian F Company eine Transportversicherung

**Rn. 46**

abgeschlossen worden, der die Schäden auch

**Rn. 47**

gemeldet wurden. Auf die Bitte der Firma H vom 2. November

**Rn. 48**

1976 unterbreitete die Verfügungsklägerin im Hinblick

**Rn. 49**

auf diese Schäden durch Schreiben vom 1. Dezember 1976 ein

**Rn. 50**

Angebot im Wert von ca. 650, -- DM, damit eine entsprechende

**Rn. 51**

Summe gegenüber der Transportversicherung geltend gemacht

**Rn. 52**

werden konnte. Eine weitere Rüge irgendwelcher Mängel bzw.

**Rn. 53**

eine Aufforderung, solche abzustellen, erfolgte nicht.

**Rn. 54**

Kurz vor Ablauf der seit dem 19. Mai 1976 laufenden Garantiezeit

**Rn. 55**

von 12 Monaten zahlte die PSO am 10. Mai 1977 den

**Rn. 56**

restlichen Kaufpreis für die Gabel-Stapler in Höhe von

**Rn. 57**

10 % der Kaufsumme.

**Rn. 58**

In der Folgezeit wurde die Leistungsgarantie mehrfach auf

**Rn. 59**

die Dauer von 6 Monaten, zuletzt am 15. September 1979

**Rn. 60**

bis zum 20. März 1980 verlängert. Mehrfache Versuche der

**Rn. 61**

Firma H in Teheran auf Rückgabe der Leistungsgarantie

**Rn. 62**

blieben ohne Erfolg.

**Rn. 63**

Durch Fernschreiben vom 14. Januar 1980 nahm die Bank

**Rn. 64**

Melli Iran die Verfügungsbeklagte aus der Leistungsgarantie

**Rn. 65**

wegen "Nichterfüllung der vereinbarten Verpflichtungen"

**Rn. 66**

in Anspruch. Die Verfügungsbeklagte teilte der Verfügungsklägerin

**Rn. 67**

mit, daß sie dieser Zahlungsanforderung nachkommen

**Rn. 68**

werde, sofern ihr das nicht durch eine einstweilige Verfügung

**Rn. 69**

untersagt werde.

**Rn. 70**

Die Verfügungsklägerin ist der Auffassung, daß die Inanspruchnahme

**Rn. 71**

der Leistungsgarantie rechtsmißbräuchlich ist.

**Rn. 72**

Weder die Bank Melli Iran noch die Verfügungsbeklagte

**Rn. 73**

könnten aus derselben in Anspruch genommen werden. Deshalb

**Rn. 74**

verstoße eine Überweisung der Garantiesumme in diesem

**Rn. 75**

extrem rechtsmißbräuchlichen Einzelfall trotz des Wortlautes

**Rn. 76**

der Leistungsgarantie gegen eine dem Geschäftsbesorgungsvertrag

**Rn. 77**

zwischen den Parteien innewohnende Nebenpflicht.

**Rn. 78**

Sie habe deshalb einen Anspruch auf Unterlassung der

**Rn. 79**

Überweisung der Garantiesumme gegen die Verfügungsbeklagte.

**Rn. 80**

Eine Überweisung der Garantiesumme würde auch angesichts

**Rn. 81**

der gegenwärtigen Verhältnisse im Iran zu einem irreparablen

**Rn. 82**

Schaden führen. Dazu trägt die Verfügungsklägerin im

**Rn. 83**

einzelnen vor:

**Rn. 84**

Die Verlängerungen der Leistungsgarantie, die Formularmäßig

**Rn. 85**

wie AGB vereinbart worden sei, seien jeweils erzwungen

**Rn. 86**

worden. Andernfalls wäre die Inanspruchnahme der Garantie

**Rn. 87**

schon früher erfolgt. Die Verfügungsbeklagte wisse seit

**Rn. 88**

Ende des Geschäftsjahres 1978/79, daß sie ihren vertraglichen

**Rn. 89**

Pflichten ordnungsgemäß nachgekommen sei. Zur Vermeidung

**Rn. 90**

einer Inanspruchnahme habe die Verfügungsbeklagte selbst

**Rn. 91**

zu den Verlängerungen der Leistungsgarantie geraten. Im

**Rn. 92**

übrigen habe die PSO nach dem Vertrag die Möglichkeit gehabt,

**Rn. 93**

eventuelle Mängel für ihre Rechnung durch Dritte beseitigen

**Rn. 94**

zu lassen und diesen Betrag in Rechnung zu stellen. Das

**Rn. 95**

sei nicht geschehen. Bei dem Transportschaden pp. den sie

**Rn. 96**

nicht zu vertreten habe, und der wertmäßig nur bei ca.

**Rn. 97**

650,-- DM liege, sei die Inanspruchnahme der Garantie von

**Rn. 98**

über 80.000,-- DM auch aus diesem Grunde rechtsmißbräuchlich.

**Rn. 99**

Eine Leistungsgarantie soll im übrigen lediglich bezwecken,

**Rn. 100**

den Verpflichteten zu einer fristgerechten Lieferung zu

**Rn. 101**

veranlassen. Wegen irgendwelcher Mängel stehe dem Besteller

**Rn. 102**

dagegen das Recht zu, den Kaufpreis zu mindern.

**Rn. 103**

Ihr Unterlassungsanspruch sei ein Individualanspruch auf

**Rn. 104**

eine gegenständliche Leistung aus, einem bestehenden Rechtsverhältnis,

**Rn. 105**

so daß die Voraussetzungen für den Erlaß einer

**Rn. 106**

einstweiligen Verfügung gem. § 935 ZPO zur Sicherung ihres

**Rn. 107**

Unterlassungsanspruches vorlägen. Ihr sei es auch nicht

**Rn. 108**

zuzumuten, den Ausgang eines normalen Prozesses über das

**Rn. 109**

Bestehen eines Unterlassungsanspruches abzuwarten. Nach

**Rn. 110**

der Einlösung der Rückgarantie würde dieser jedenfalls ins

**Rn. 111**

Leere gehen. Das Prozeßrisiko reiche im übrigen für die

**Rn. 112**

Bejahung eines Vermögensschadens aus.

**Rn. 113**

Obwohl nach dem Wortlaut der Garantien, sowohl Verpflichtungen

**Rn. 114**

der Verfügungsbeklagten als auch der Bank Melli Iran beständen,

**Rn. 115**

entfalle ein Anspruch, weil niemand verpflichtet

**Rn. 116**

sei, arglistiges Verhalten eines Dritten zu unterstützen.

**Rn. 117**

Das ergebe sich sowohl nach dem Deutschen Recht wie auch

**Rn. 118**

aus verschiedenen internationalen Rechtsvorschriften. Das

**Rn. 119**

müsse auch für das islamische Recht gelten, dem die

**Rn. 120**

Beziehungen der Bank Melli Iran zu dem Begünstigten unterlägen.

**Rn. 121**

Sollte das nicht der Fall sein, käme jedenfalls

**Rn. 122**

Artikel 30 EGBGB zur Anwendung, wonach die Anwendung

**Rn. 123**

eines ausländischen Gesetzes ausgeschlossen ist, wenn

**Rn. 124**

die Anwendung gegen die guten Sitten oder gegen den

**Rn. 125**

Zweck eines deutschen Gesetzes verstoßen würde. Ein

**Rn. 126**

Exporteur sei insbesondere im außereuropäischen Raum auf

**Rn. 127**

die besondere Hilfe des Garantiegebers angewiesen. Dieses

**Rn. 128**

besondere Vertrauensverhältnis verlange, daß der Garantiegeber

**Rn. 129**

einer rechtsmißbräuchlichen Anspruchnahme der

**Rn. 130**

Garantie nicht entsprechen dürfe, da der Exporteur in einem

**Rn. 131**

solchen Fall nicht auf das Grundverhältnis und einen

**Rn. 132**

langwierigen Regreßprozeß verwiesen werden dürfe, in dem

**Rn. 133**

ihn noch die Beweislast treffe. Ein solches Verhalten der

**Rn. 134**

Banken in derartigen extremen Einzelfällen berühre auch

**Rn. 135**

deren Reputation nicht. Im übrigen müsse die Sicherheit der

**Rn. 136**

ausländischen Kundschaft der Exportwirtschaft auch eine

**Rn. 137**

Grenze an den Grundsätzen von Treu und Glauben haben, die den

**Rn. 138**

gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten im übrigen nicht ent-

**Rn. 139**

gegen ständen.

**Rn. 140**

Auf Antrag der Verfügungsklägerin ist der Verfügungsbeklagten

**Rn. 141**

durch einstweilige Verfügung der I. Kammer für Handelssachen

**Rn. 142**

des Landgerichts Dortmund vom 17. Januar 1980 kostenpflichtiguntersagt

**Rn. 143**

worden, an die Bank Melli Iran oder an

**Rn. 144**

deren Niederlassung aus der Garantie Nr. #-### ### Westdeutsche

**Rn. 145**

Landesbank und Garantie-Nr. ## ### D (Bank Melli

**Rn. 146**

Iran) DM 82.297,--DM oder irgendwelche Teilbeträge darauf

**Rn. 147**

zu zahlen.

**Rn. 148**

Dagegen richtet sich der Widerspruch der Verfügungsbeklagten.

**Rn. 149**

Die Verfügungsklägerin beantragt,

**Rn. 150**

die einstweilige Verfügung vom 17. Januar 1980 aufrechtzuerhalten.

**Rn. 151**

Die Verfügungsbeklagte beantragt,

**Rn. 152**

die einstweilige Verfügung vom 17. Januar 1980 aufzuheben

**Rn. 153**

und den Antrag auf Erlaß der einstweiligen

**Rn. 154**

Verfügung zurückzuweisen, hilfsweise Vollstreckungsnachlaß.

**Rn. 155**

Die Verfügungsbeklagte trägt vor;

**Rn. 156**

Zwischen den Parteien bestehe kein streitiges Rechtsverhältnis.

**Rn. 157**

Der Erlaß einer einstweiligen Verfügung sei daher

**Rn. 158**

nicht zulässig. Die Leistungsgarantie der Bank Melli lran

**Rn. 159**

wie auch ihre Rückgarantie seien abstrakt und von dem

**Rn. 160**

Grundvertrag strikt zu trennen. Ihre rechtlichen Verpflichtungen

**Rn. 161**

ergäben sich unmittelbar aus den abstrakten

**Rn. 162**

Garantie-Erklärungen. Einwände aus dem Grundgeschäft seien

**Rn. 163**

dadurch abgeschnitten. Das gelte auch, wenn der Begünstigte

**Rn. 164**

die garantierende Bank ohne Rechtsgrund in Anspruch nehme.

**Rn. 165**

Sie als Bank solle nämlich aus den Streitigkeiten des

**Rn. 166**

Liefervertrages herausgehalten werden. Sie könne und wolle

**Rn. 167**

kein Urteil über die Berechtigung oder Nichtberechtigung

**Rn. 168**

des Begehrens des Begünstigten abgeben. Sie sei auch

**Rn. 169**

prinzipiell außer Stande, irgendwelche Absprachen aus dem

**Rn. 170**

Grundgeschäft zu übersehen. Ob andere Maßstäbe in äußerst

**Rn. 171**

seltenen Ausnahmefällen, in denen eine rechtsmißbräuchliche

**Rn. 172**

Inanspruchnahme offen zutage liege, zu gelten hätten, könne

**Rn. 173**

dahinstehen. Derartige Voraussetzungen lägen in diesem

**Rn. 174**

Fall nicht vor. Die Bank Melli Iran habe in dem Telex vom

**Rn. 175**

14. Januar 1980 die Berechtigung der Inanspruchnahme bestätigt.

**Rn. 176**

Die wiederholte Verlängerung der Garantie auf Wunsch der

**Rn. 177**

Verfügungsklägerin deute darauf hin, daß zwischen den

**Rn. 178**

Parteien des Liefervertrages noch nicht alles endgültig

**Rn. 179**

geregelt gewesen sei, so daß ein Zahlungsanspruch des

**Rn. 180**

Begünstigten ohne weiteres angenommen werden könne. Obwohl

**Rn. 181**

der Vertrag schon am 19. Mai 1976 erfüllt gewesen sein

**Rn. 182**

solle, habe die Verfügungsklägerin die Garantie nicht zurückgefordert

**Rn. 183**

und Avalprovision gezahlt. Die Verfügungsklägerin

**Rn. 184**

habe auch geringfügige Transportschäden und das

**Rn. 185**

Fehlen von Teilen anerkannt und sich bereit erklärt, Ersatzteile

**Rn. 186**

zu liefern. Hilfsweise müsse daher bestritten werden,

**Rn. 187**

daß die Verfügungsklägerin ihren Vertrag gegenüber ihrem

**Rn. 188**

Vertragspartner erfüllt habe.

**Rn. 189**

Selbst im Falle einer offensichtlich rechtsmißbräuchlichen

**Rn. 190**

oder treuwidrigen Inanspruchnahme durch den iranischen

**Rn. 191**

Besteller könne das gleichwohl nicht zu einer Verneinung

**Rn. 192**

ihrer Zahlungspflicht führen. Im Falle der Verweigerung der

**Rn. 193**

Zahlung bestehe nämlich die Gefahr, daß die Bank Melli Iran

**Rn. 194**

in ihrem oder einem dritten Land entsprechende Schritte

**Rn. 195**

gegen sie unternehme, zumal sie als international operieren-

**Rn. 196**

des Institut über Vermögenswerte in den in Betracht kommenden

**Rn. 197**

Ländern verfüge. Das sei ihr ebenso wie eine eventuelle Einleitung gerichtlicher Maßnahmen, insbesondere im Iran,nicht zumutbar.

**Rn. 198**

Durch eine einstweilige Verfügung werde in das Rechtsverhältnis zwischen ihr und der Bank Melli Iran eingegriffen, also in Rechte Dritter. Dafür ergäben die §§ 935, 940 ZPO keine Rechtsgrundlage. Eine einstweilige Verfügung dürfe niemals Dritte entrechten.

**Rn. 199**

Zur Darstellung der weiteren Einzelheiten des Vortrags der Parteien wird auf deren Schriftsätze nebst Anlagen sowie auf die in der mündlichen Verhandlung überreichten Unterlagen verwiesen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 201**

Die einstweilige Verfügung vom 17. Januar 1980 hat sich auch

**Rn. 202**

nach mündlicher Verhandlung als gerechtfertigt erwiesen.

**Rn. 203**

Die Verfügungsklägerin hat aufgrund des von ihr glaubhaft

**Rn. 204**

gemachten Sachverhaltes gegen die Verfügungsbeklagte einen

**Rn. 205**

Anspruch, daß diese aufgrund der Leistungsgarantie keine

**Rn. 206**

Zahlungen an die Bank Melli Iran leistet.

**Rn. 207**

Durch den von der Verfügungsbeklagten angenommenen Auftrag

**Rn. 208**

der Verfügungsklägerin, die in dem Lieferungsvertrag vom

**Rn. 209**

29. April 1975 geforderte Leistungsgarantie zu stellen, ist

**Rn. 210**

zwischen den Parteien ein Geschäftsbesorgungsvertrag nach

**Rn. 211**

§§ 631, 675 BGB zustande gekommen. Aufgrund dieses Vertrages

**Rn. 212**

hat sich die Verfügungsbeklagte in ihrer bedingungslosen

**Rn. 213**

Rückgarantie vom 11. September 1975 gegenüber der Melli

**Rn. 214**

Bank Iran verpflichtet, auf erstes Anfordern die Garantiesumme

**Rn. 215**

von 82.297,-- DM zu zahlen. Trotz dieser bedingungslosen

**Rn. 216**

Garantie ist die Verfügungsbeklagte als Garant im

**Rn. 217**

Verhältnis zur Verfügungsklägerin als Garantieauftraggeber

**Rn. 218**

nicht berechtigt, an dieBank Melli Iran als den Garantie -

**Rn. 219**

begünstigten zuzahlen, wenn sich die Inanspruchnahme der

**Rn. 220**

Garantie für sie als Garanten als rechtsmißbräuchlich darstellt.

**Rn. 221**

Das ergibt sich aus einer dem Geschäftsbesorgungsvertrag

**Rn. 222**

innewohnende Nebenpflicht. Es ist in der Literatur

**Rn. 223**

unbestritten, daß der Garant dem Begünstigten gegenüber die

**Rn. 224**

Einrede der unzulässigen Rechtsausübung nach § 242 BGB erheben

**Rn. 225**

kann, wenn die Inanspruchnahme der Garantie offensichtlich

**Rn. 226**

unbegründet ist (Liesecke, Rechtsfragen der

**Rn. 227**

Bankgarantie, Wertpapier-Mitteilungen IV., 1968, Seite 27).

**Rn. 228**

Das hat der BGH für die ähnlich gelagerten Fälle der

**Rn. 229**

Akkreditive mehrfach entschieden (BGH in BB 1955, 463; BB 1958,

**Rn. 230**

541; JZ 1959, 361). Aufgrund des Geschäftsbesorgungsvertrages

**Rn. 231**

zwischen Garant und Garantieauftraggeber ist der

**Rn. 232**

Garant im Falle einer rechtsmißbräuchlichen Inanspruchnahme

**Rn. 233**

der Garantie durch den Garantiebegünstigten sogar verpflichtet,

**Rn. 234**

diesen Einwand zu erheben und die Leistung zu verweigern

**Rn. 235**

(vgl. Pleyer, Die Bankgarantie im zwischenstaatlichen Handel,

**Rn. 236**

in Sonderbeilage Nr. 2/1973 zu Wertpapier- Mitteilungen,

**Rn. 237**

Teil IV Nr. 27- Fußnote 2- Seite 18, 19; Finger, Formen

**Rn. 238**

und Rechtsnatur der Bankgarantie, BB 1969, 206-208-; OLG

**Rn. 239**

Hamburg in RIW/AWD 1978/615 ff).

**Rn. 240**

Im Falle der rechtsmißbräuchlichen Inanspruchnahme einer

**Rn. 241**

Garantie hat der Garantieauftraggeber darüber hinaus gegen

**Rn. 242**

den Garanten einen Unterlassungsanspruch, aus der Garantie

**Rn. 243**

nichts zu zahlen. Dieser Anspruch ergibt sich aus einer

**Rn. 244**

Schutz- oder Treuepflicht, die sich als Nebenverpflichtung

**Rn. 245**

auch aus dem Geschäftsbesorgungsvertrag ergibt (vgl. Urteil

**Rn. 246**

des Landgerichts Frankfurt vom 14. Dezember 1979 -3/10 0

**Rn. 247**

123/79; Pleyer, a.a.O. Seite 25). Wie bereits das Land-

**Rn. 248**

gericht Frankfurt zutreffend ausgeführt hat, entspringt

**Rn. 249**

eine solche Schutzpflicht zunächst dem Grundatz, daß

**Rn. 250**

niemand berechtigt und verpflichtet ist, arglistiges Verhalten

**Rn. 251**

Dritter zu unterstützen. Jede Partei hat auch

**Rn. 252**

alles zu unterlassen, was mit der Verpflichtung aus einem

**Rn. 253**

Vertrag zu einer positiven Leistung nicht vereinbart ist.

**Rn. 254**

Nach § 242 BGB hat sich vielmehr jeder Vertragspartner so

**Rn. 255**

zu verhalten, daß er unter Beachtung der gebotenen Sorgfaltspflicht

**Rn. 256**

nicht wesentliche schutzwürdige materielle und

**Rn. 257**

immaterielle Schutzgüter des anderen verletzt. Auch aufgrund

**Rn. 258**

des besonderen Vertrauensverhältnisses, das sich aus den

**Rn. 259**

Geschäftsbesorgungsverträgen dieser Art ergibt, kann es

**Rn. 260**

nicht im Belieben der Bank stehen, ob die Summe aufgrund

**Rn. 261**

des Wortlautes der Garantie ausgezahlt wird und es dem

**Rn. 262**

Exporteur überlassen bleibt, zunächst einen Erstattungsprozeß

**Rn. 263**

gegen die Bank führen zu müssen und im Unterliegensfalle

**Rn. 264**

oder sofort zu versuchen, sein Geld über einen oft

**Rn. 265**

aussichtslosen und kostspieligen Regreßprozeß zurückzuholen,

**Rn. 266**

der meistens im Ausland zu führen ist. Daß im Einzelfall ,

**Rn. 267**

auch berechtigte Interessen der Bank zur Vermeidung von

**Rn. 268**

Schäden bei einer Verweigerung der Zahlung aus einer bedingungslosen

**Rn. 269**

Garantie zu berücksichtigen sind, kann nicht

**Rn. 270**

Zur Verneinung eines Unterlassungsanspruches schlechthin

**Rn. 271**

bei einer rechtsmißbräuchlichen Inanspruchnahme führen.

**Rn. 272**

Derartige Gesichtspunkte können gegebenenfalls nur zur

**Rn. 273**

Verneinung der Unterlassungspflicht im Einzelfall führen.

**Rn. 274**

Diese Grundsätze gelten auch im Verhältnis der Verfügungs-

**Rn. 275**

beklagten zur Bank Melli Iran. Nach dem Schreiben vom

**Rn. 276**

11. September 1975,aufgrund dessen die Bank Melli Iran

**Rn. 277**

widerspruchslos die Garantie gegeben hat, sollte die

**Rn. 278**

Garantie in Übereinstimmung mit den in der Bundesrepublik

**Rn. 279**

Deutschland geltenden Gesetzen erteilt werden. Auch nach

**Rn. 280**

dem hypothetischen Parteiwillen und der gegenseitigen

**Rn. 281**

Interessenabwägung findet unter Berücksichtigung aller

**Rn. 282**

Umstände deutsches Recht Anwendung. Falls zwischen der

**Rn. 283**

Bank Melli Iran und dem persischen Garantiebegünstigten

**Rn. 284**

ein wirksamer Garantievertrag abgeschlossen sein sollte,

**Rn. 285**

würde dieser zwar dem persischen Recht unterliegen, da beide

**Rn. 286**

Parteien ihren Sitz im Iran haben. Aber auch nach dem

**Rn. 287**

islamischen Recht ist ein eventueller Mißbrauch -wie

**Rn. 288**

in verschiedenen anderen Rechtsordnungen- zu berücksichtigen

**Rn. 289**

(vgl. Saudingers Kommentar zum BGB, 11. Auflage, 1961,§ 242

**Rn. 290**

Rand-Nr. D 769). Sollten sich aus dem persischen Recht

**Rn. 291**

andere Grundsätze ergeben, wären diese unbeachtlich. Nach

**Rn. 292**

Artikel 30 EGBGB ist die Anwendung eines ausländischen

**Rn. 293**

Gesetzes nämlich ausgeschlossen, wenn die Anwendung gegen

**Rn. 294**

die guten Sitten oder den Zweck eines deutschen Gesetzes

**Rn. 295**

verstoßen würde. Diese Voraussetzung liegt im Fall der

**Rn. 296**

Rechtsmißbräuchlichkeit vor.

**Rn. 297**

Nach dem unstreitigen und von der Verfügungsklägerin glaubhaft

**Rn. 298**

gemachten Sachverhalt ist die Inanspruchnahme der Leistungs-

**Rn. 299**

garantie durch die Bank Melli Iran rechtsmißbräuchlich.

**Rn. 300**

Die Kammer hat sich schon nicht davon überzeugen können,

**Rn. 301**

l daß die Bank Melli Iran auf den Auftrag der Verfügungsbeklagten

**Rn. 302**

vom 11. September 1975 hin eine auftragsgemäße

**Rn. 303**

Garantie an den iranischen Garantiebegünstigten gegeben hat.

**Rn. 304**

Nach dem Schreiben der Verfügungsbeklagten vom 11. September

**Rn. 305**

1975 sollte die Bank Melli Iran eine Garantie in Höhe von

**Rn. 306**

82.297,-- DM "zugunsten von Ports and Shipping Organization,

**Rn. 307**

Shah Reza Ave., Teheran" erstellen. Das Schreiben der

**Rn. 308**

Bank Melli Iran vom 13. September 1975, mit dem diese

**Rn. 309**

Garantie übernommen werden sollte, ist zwar an die Ports

**Rn. 310**

and Shipping Organization gerichtet. In dem Text heißt es

**Rn. 311**

aber, daß bezüglich des Vertrages zwischen der Firma

**Rn. 312**

H und der Kaiserlich-Iranischen-Marine die

**Rn. 313**

Garantie übernommen werde und daß nach Meinung und Urteil

**Rn. 314**

der Kaiserlich-Iranischen-Marine gegebenenfalls gezahlt

**Rn. 315**

werde. Der erwähnte Vertrag bezieht sich zwar auch auf

**Rn. 316**

7 Dieselmotor-Seitenstapler. Die Kaiserlich-Iranische-Marine

**Rn. 317**

war aber nicht Vertragspartner. Nach dem Schreiben der

**Rn. 318**

Verfügungsbeklagten sollte dieser gegenüber auch nicht

**Rn. 319**

die Garantie abgegeben werden bzw. sollte es nicht von

**Rn. 320**

dieser abhängen, ob die Garantie in Anspruch genommen werden

**Rn. 321**

sollte. Vertragspartner der Verfügungsklägerin bzw. der

**Rn. 322**

Firma H war die Ports and Shipping Organization zu

**Rn. 323**

deren Gunsten die Garantie mit entsprechender Rückgarantie

**Rn. 324**

der Verfügungsbeklagten abgegeben werden sollte. Bei der

**Rn. 325**

eingehenden Erörterung dieser Frage in der mündlichen Verhandlung

**Rn. 326**

konnte die Verfügungsbeklagte keine Erklärung

**Rn. 327**

darüber abgeben bzw. glaubhaft machen, ob es sich eventuell

**Rn. 328**

nur um die verschiedene Bezeichnung ein- und desselben

**Rn. 329**

Rechtsträgers handelt. Auch in ihrer ergänzenden und

**Rn. 330**

abschließenden Stellungnahme nach dem Scheitern der Bemühungen

**Rn. 331**

zu einer außergerichtlichen Übereinkunft unter

**Rn. 332**

Einschluß der Bank Melli Iran hat die Verfügungsbeklagte

**Rn. 333**

dazu keine Stellung genommen. Die gegebenen Anhaltspunkte

**Rn. 334**

reichen nicht aus, eine ordnungsgemäße Inanspruchnahme der

**Rn. 335**

Verfügungsbeklagten aus einer Garantie mit hinreichender

**Rn. 336**

Sicherheit festzustellen, die diese aufgrund des Geschäftsbesorgungsvertrages

**Rn. 337**

mit der Verfügungsklägerin erteilt hat.

**Rn. 338**

Aber selbst wenn diese Frage zu bejahen wäre, liegt eine

**Rn. 339**

rechtsmißbräuchliche Inanspruchnahme der Garantie seitens

**Rn. 340**

der Bank Melli Iran bzw. des Bestellers vor, so daß der

**Rn. 341**

Unterlassungsanspruch der Verfügungsklägerin gegen die

**Rn. 342**

Verfügungsbeklagte im Hinblick auf die Zahlung der Garantiesumme

**Rn. 343**

auch in diesem Fall glaubhaft gemacht ist.

**Rn. 344**

Die Verfügungsklägerin hat glaubhaft gemacht, daß die

**Rn. 345**

Seitenstapler "als ordnungsgemäß" abgenommen worden sind.

**Rn. 346**

Das ergibt sich vor allem aus dem Abnahmeprotokoll vom

**Rn. 347**

19. Mai 1976, das sich auf die Abnahme im Iran bezieht und

**Rn. 348**

neben dem Abnahmeprotokoll vom 24. Februar 1976 über die

**Rn. 349**

Abnahme in Deutschland vorgelegt worden ist. Nach dem

**Rn. 350**

Abnahmeprotokoll vom 19. Mai 1976 war der Test mit den

**Rn. 351**

Gabelstaplern zufriedenstellend. Das vorgelegte Exemplar

**Rn. 352**

des Protokolls ist zwar nicht beglaubigt, und trägt keine

**Rn. 353**

Unterschriften. Nach der Darlegung der Verfügungsklägerin

**Rn. 354**

handelt es sich auch nur um die englische Übersetzung des

**Rn. 355**

in persischer Sprache abgefaßten Protokolls. Die Kammer hat

**Rn. 356**

aufgrund weiterer Anhaltspunkte jedoch keine Bedenken, daß

**Rn. 357**

dieses Schriftstück den Inhalt des Abnahmeprotokolls zutreffend

**Rn. 358**

wiedergibt. In diesem Schreiben des Repräsentanten der

**Rn. 359**

Firma H vom 3. April 1980, L, der nunmehr in London residiert, ist dargelegt, daß auch nach Auffassung

**Rn. 360**

der Firma H die Lieferung ordnungsgemäß erfolgt ist.

**Rn. 361**

Die Verfügungsklägerin hat durch eidesstattliche Versicherung

**Rn. 362**

ihres Geschäftsführers T ferner glaubhaft gemacht,

**Rn. 363**

daß keinerlei Mängel seitens des Bestellers gerügt worden

**Rn. 364**

sind. Es ist auch keine Aufforderung zur Nachbesserung

**Rn. 365**

irgendwelcher Fehler oder zur Durchführung irgendwelcher

**Rn. 366**

Reparaturen erfolgt. Mit der Abnahme am 19. Mai 1976 begann

**Rn. 367**

die einjährige Garantiezeit, die auf Seite 13 Artikel XII

**Rn. 368**

Ziffer 3 des Vertrages festgelegt worden war. Das ergibt

**Rn. 369**

sich nicht zuletzt daraus, daß die PSO kurz vor Ablauf dieser

**Rn. 370**

einjährigen Frist am 10. Mai 1977 die restlichen 10 % des

**Rn. 371**

Kaufpreises an die Verfügungsklägerin gezahlt hat. Auch

**Rn. 372**

das ist von der Verfügungsklägerin glaubhaft gemacht worden.

**Rn. 373**

Trotz des insoweit unsubstantiierten Bestreitens der

**Rn. 374**

Verfügungsbeklagten hat die Kammer an der Richtigkeit der

**Rn. 375**

Restzahlung keinen Zweifel. Daß diese erfolgt ist, ergibt

**Rn. 376**

sich nämlich ebenfalls aus dem Schreiben der Firma H

**Rn. 377**

vom 3. April 1980. In diesem Zusammenhang wird von der

**Rn. 378**

Firma H aufgrund ihrer Kenntnisse im Iran darauf hingewiesen,

**Rn. 379**

daß die Zahlung des Restkaufpreises seitens des

**Rn. 380**

Bestellers nicht erfolgt wäre, wenn die Lieferung nicht

**Rn. 381**

ordnungsgemäß erfolgt wäre. Ferner konnte angesichts der

**Rn. 382**

Tatsache, daß nach dem glaubhaft gemachten Sachverhalt

**Rn. 383**

keine Mängelrüge erfolgt ist, Seite 14 Artikel XIV Ziffer

**Rn. 384**

2 des Liefervertrags nicht unbeachtet bleiben. Danach wird

**Rn. 385**

der Verkäufer am Ende der Garantieperiode von seinen Verpflichtungen

**Rn. 386**

frei, falls keine schriftliche Nachricht von

**Rn. 387**

irgendwelchen Mängeln vom Käufer oder deren Vertretern in

**Rn. 388**

dieser Zeit gegeben worden ist. Da das nicht geschehen ist,

**Rn. 389**

lassen die Gegebenheiten nur den Schluß zu, daß die

**Rn. 390**

Verfügungsklägerin im Mai 1977 von ihren Verpflichtungen

**Rn. 391**

frei geworden ist. Im übrigen hätte der Besteller nach

**Rn. 392**

Seite 15 Artikel XIV § 4 des Liefervertrages die Möglichkeit

**Rn. 393**

gehabt, eventuelle Reparaturen im Namen und für Rechnung

**Rn. 394**

der Verfügungsklägerin von anderen Unternehmen durchführen

**Rn. 395**

zu lassen und die hieraus entstandenen Kosten "abzuziehen

**Rn. 396**

und einzukassieren von der Liefergarantie des Verkäufers".

**Rn. 397**

Auch in dieser Richtung ist nichts geschehen. Vielmehr

**Rn. 398**

hat der Besteller nach Ablauf der Garantiezeit den vollen

**Rn. 399**

Restkaufpreis bezahlt, und zwar nicht etwa im Wege eines

**Rn. 400**

bestehenden Akkreditivs. Die Zahlung ist im übrigen auch

**Rn. 401**

geschehen, obwohl schon spätestens seit dem Abnahmeprotokoll

**Rn. 402**

vom 19. Mai 1976 die Transport- und Diebstahlsschäden bekannt

**Rn. 403**

waren. Das Protokoll enthält aber auch den Hinweis, daß

**Rn. 404**

diese der Versicherungsgesellschaft gemeldet worden sind.

**Rn. 405**

Der glaubhaft gemachte Vortrag der Verfügungsklägerin insoweit

**Rn. 406**

für die Schäden nicht verantwortlich zu sein, wird dadurch

**Rn. 407**

ebenfalls bestätigt. Das ergibt sich auch aus dem Schreiben

**Rn. 408**

vom 2. November 1976 der Firma H, in dem um ein Angebot,

**Rn. 409**

im Hinblick auf diese Schäden durch die Verfügungsklägerin

**Rn. 410**

gebeten wird, um die Schäden auch der Höhe nach gegenüber

**Rn. 411**

der Transportversicherung, nämlich der Iranian F

**Rn. 412**

Company, deren Policen-Nr. ebenfalls benannt worden ist,

**Rn. 413**

beziffern zu können. Selbst wenn die Inanspruchnahme der

**Rn. 414**

Bankgarantie mit diesen Schäden im Zusammenhang stehen sollte

**Rn. 415**

besteht zwischen der Höhe derselben von ca. 650,-- DM und

**Rn. 416**

der Höhe der in Anspruch genommenen Garantie von über

**Rn. 417**

82.000,-- DM ein ekIatantes Mißverhältnis, was jedenfalls

**Rn. 418**

die Inanspruchnahme der Garantie schlechthin nicht rechtfertigen

**Rn. 419**

würde. Dazu sind seit der Abnahme und der Restzahlung

**Rn. 420**

4 bzw. 3 Jahre vergangen.

**Rn. 421**

Der Besteller hat trotz der mehrfachen Versuche der Firma

**Rn. 422**

H, die Garantie nach Mai 1975 zurückzuerhalten,

**Rn. 423**

keinerlei Gründe für die Nichtherausgabe genannt. Insoweit

**Rn. 424**

wird auch auf das Schreiben vom 3. April 1980 verwiesen.

**Rn. 425**

Auch das Begehren, die Garantie jeweils zu verlängern, ist ebenfalls

**Rn. 426**

nicht spezifiziert begründet worden. Auch die Verfügungsbeklagte

**Rn. 427**

war nicht in der Lage, dazu nähere Angaben zu machen,

**Rn. 428**

obwohl sie nach Beginn dieses Verfahrens auch mit der Bank

**Rn. 429**

Melli Iran intensive Verhandlungen über die Berechtigung

**Rn. 430**

der Inanspruchnahme der Garantie geführt hat, die die Bank

**Rn. 431**

Melli Iran mit der "Nichterfüllung der vereinbarten Verpflichtungen"

**Rn. 432**

begründet hat.

**Rn. 433**

Aufgrund der dargelegten und glaubhaft gemachten Umstände

**Rn. 434**

ist nicht der geringste Anhaltspunkt dafür vorhanden, daß

**Rn. 435**

die Inanspruchnahme der Garantie auch im Hinblick auf die

**Rn. 436**

zugrundeliegenden Rechtsgeschäfte berechtigt sein könnte.

**Rn. 437**

Weder die an sich formelle Berechtigung aus der bedingungslosen

**Rn. 438**

Garantie noch die von der Verfügungsbeklagten befürchteten

**Rn. 439**

Folgen für die Abwicklung von Exportgeschäften

**Rn. 440**

schlechthin und ihre eigene Reputation gerechtfertigen im

**Rn. 441**

übrigen bei einem derart eklatant rechtsmißbräuchlichen

**Rn. 442**

Verhalten der Garantiebegünstigten bzw. des Bestellers

**Rn. 443**

die Verneinung der Rechtsmißbräuchlichkeit im Verhältnis

**Rn. 444**

der Parteien zueinander. Nach unbestrittener Auffassung

**Rn. 445**

in der Literatur sind die sich aus dem Grundgeschäft ergebenden

**Rn. 446**

Gesichtspunkte auch für eine bedingungslose Garantie

**Rn. 447**

bezüglich der Geltendmachung von Einwendungen nicht unbeachtlich.

**Rn. 448**

Auf der anderen Seite ist die Verfügungsklägerin

**Rn. 449**

als Garantieauftraggeber ebenso Geschäftspartner der

**Rn. 450**

Verfügungsbeklagten wie die Bank Melli Iran. Es ist kein

**Rn. 451**

Grund dafür ersichtlich, daß die Verfügungsbeklagte

**Rn. 452**

solchen Sachverhalt die berechtigten Interessen der

**Rn. 453**

Verfügungsklägerin weniger zu beachten hat als die

**Rn. 454**

der Bank Melli Iran, wenn sich daraus für sie auch

**Rn. 455**

nachteiligere Folgen ergeben können. Die Verweigerung

**Rn. 456**

der Zahlung aus der Bankgarantie ist bei einem derart

**Rn. 457**

rechtsmißbräuchlichen Verhalten auch weder geeignet,

**Rn. 458**

die Reputation der Verfügungsbeklagten zu beeinträchtigen

**Rn. 459**

noch irgendeinen negativen Einfluß auf das System der

**Rn. 460**

Abwicklung von derartigen Exportgeschäften auszuüben.

**Rn. 461**

Die Kammer verkennt nicht, daß die Bank Melli Iran möglicherweise

**Rn. 462**

die Vermögenswerte der Verfügungsbeklagten im Iran

**Rn. 463**

wegen der Nichtzahlung aus der Garantie durch Aufrechnung

**Rn. 464**

in Anspruch nehmen kann und daß sich dadurch für die Verfügungsbeklagte,

**Rn. 465**

die Notwendigkeit ergeben könnte, gegen

**Rn. 466**

die Bank Melli Iran, eventuell sogar im Iran, gerichtlich

**Rn. 467**

vorzugehen. Wie sich aufgrund der mündlichen Verhandlung

**Rn. 468**

durch entsprechende Erklärung der Verfügungsbeklagten er-

**Rn. 469**

geben hat, besteht diese Gefahr der einseitigen Inanspruchnahme

**Rn. 470**

durch Aufrechnung deswegen, weil die Bank Melli Iran

**Rn. 471**

ihrerseits derzeit keine Guthaben mehr bei der Verfügungs-

**Rn. 472**

beklagten unterhält. Diese Konstellation beruht auf einer

**Rn. 473**

Ausnahmesituation und kann daher bei der Beurteilung des

**Rn. 474**

vorliegenden Einzelfalles, der möglicherweise in derselben

**Rn. 475**

Ausnahmesituation seine Ursache hat, allein kein anderes

**Rn. 476**

Ergebnis rechtfertigen. Dafür ist die glaubhaft gemachte

**Rn. 477**

Rechtsmißbräuchlichkeit bei der Inanspruchnahme der Garantie

**Rn. 478**

zu schwerwiegend.

**Rn. 479**

Die Verfügungsklägerin ist auch berechtigt, ihren Unterlassungsanspruch

**Rn. 480**

gegen die Verfügungsbeklagte im Wege der

**Rn. 481**

einstweiligen Verfügung durchzusetzen (§§ 935, 940 ZPO). Es

**Rn. 482**

handelt sich bei ihrem Unterlassungsanspruch um einen

**Rn. 483**

Individualanspruch aus dem zwischen den Parteien bestehenden

**Rn. 484**

Geschäftsbesorgungsvertrag (vgl. LG Frankfurt a.a.O., Pleyer,

**Rn. 485**

a.a.O. Seite 25; Finger, a.a.O.). Zwar stellt sich ein

**Rn. 486**

solcher Unterlassungsanspruch auch als ein Eingriff in die

**Rn. 487**

Rechte des Begünstigten dar. Andererseits können auch Veräußerungsverbote

**Rn. 488**

Gegenstand einer einstweiligen Verfügung

**Rn. 489**

sein, obwohl sie unter Umständen das obligatorische Recht

**Rn. 490**

eines Dritten auf Erwerb beeinträchtigen (Pleyer, a.a.O.).

**Rn. 491**

Ein Auszahlungsverbot ist deshalb nicht schlechthin ausgeschlossen.

**Rn. 492**

Dieses ist jedenfalls bei glaubhaft gemachter

**Rn. 493**

offensichtlicher Unbegründetheit und bei Rechtsmißbrauch

**Rn. 494**

zu bejahen. (vgl. auch Liesecke, a.a.O.). Daß ein

**Rn. 495**

solcher Ausnahmefall vorliegt, ist bereits dargelegt worden.

**Rn. 496**

Es liegt aber auch ein entsprechender Verfügungsgrund vor.

**Rn. 497**

Zwischen den Parteien ist unstreitig, daß die Verfügungs-

**Rn. 498**

beklagte gewillt ist, aufgrund der Inanspruchnahme der

**Rn. 499**

Bankgarantie durch die Bank Melli Iran bei Nichtbestehen

**Rn. 500**

eines gerichtlichen Verbotes zu zahlen. Im Falle einer

**Rn. 501**

Zahlung ist aber eine Erfüllung des Unterlassungsanspruches

**Rn. 502**

nicht mehr möglich. Ein mögliches Obsiegen bei einer späteren

**Rn. 503**

Feststellung des Unterlassungsanspruches würde dann ins Leere

**Rn. 504**

gehen (vgl. auch LG Frankfurt, a.a.O.). Ferner besteht

**Rn. 505**

die Gefahr, daß die Verfügungsklägerin im Falle, der Zahlung

**Rn. 506**

in einen langwierigen Regreßprozeß verwickelt würde. Das

**Rn. 507**

ist ihr unter Abwägung der gegenseitigen Interessen bei

**Rn. 508**

der gegebenen Sachlage und dem glaubhaft gemachten Grad

**Rn. 509**

der Rechtsmißbräuchlichkeit nicht zuzumuten. Darüber hinaus

**Rn. 510**

kann auch nicht ausgeschlossen werden, daß ein eventueller

**Rn. 511**

Rückforderungsanspruch unter den gegebenen Umständen gefährdet

**Rn. 512**

ist . Das gilt insbesondere deshalb, weil es sich

**Rn. 513**

bei dem Begünstigten der Garantie um eine ausländische,

**Rn. 514**

und zwar iranische staatliche Stelle mit dem Sitz im Iran handelt.

**Rn. 515**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 09.07.1980 – 10 O 9/80, ECLI:DE:LGDO:1980:0709.10O9.80.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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