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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 06.09.1979 – 15 S 82/79

ECLI:DE:LGDO:1979:0906.15S82.79.00

## Tenor

Unter Aufhebung des Urteils des Amtsgerichts

Hamm vom 15.3.1979 werden die Beklagten

verurteilt, an die Klägerin als Gesamt-

Schuldner 438,89 DM ( i. W. vierhundert-

achtunddreißig 89/100 Deutsche Mark)

nebst 4 v. H. Zinsen seit dem 1. März 1977

zu zahIen.

Die Kosten des 1. Rechtszuges tragen

die Klägerin zu 2/3 und die Beklagten

zu 1/3.

Die Kosten der Berufung tragen die

Klägerin zu 1/3 und die Beklagten zu 2/3.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Parteien streiten wegen der Folgen eines Verkehrs-

**Rn. 3**

Unfalls, der sich am 5.2.1977 gegen 16.15 Uhr auf dem

**Rn. 4**

Parkplatz des M - Einkaufs-Zentrums in I ereignet

**Rn. 5**

hat.

**Rn. 6**

Die Klägerin befuhr am Unfalltag mit ihrem PKW den oben

**Rn. 7**

genannten Parkplatz und beabsichtigte, diesen zu ver-

**Rn. 8**

lassen. Zu diesem Zweck begab sie sich mit ihrem PKW/

**Rn. 9**

nachdem sie den inne gehabten Einstellplatz verlassen

**Rn. 10**

hatte, auf den in nördlicher Richtung verlaufenden

**Rn. 11**

Fahrstreifen, welcher beidseitig von Einstellplätzen

**Rn. 12**

eingegrenzt ist. Der von der Klägerin befahrene Fahrstreifen

**Rn. 13**

mündet in die den ganzen Parkplatz des M-Einkaufs-

**Rn. 14**

Zentrums umführende Ein- und Ausfahrt. Zum gleichen

**Rn. 15**

Zeitpunkt befuhr die Beklagten zu 1. mit dem PKW des

**Rn. 16**

Beklagten zu 2. die Ein- bzw. Ausfahrt des Parkplatzes

**Rn. 17**

in ostwärtiger Richtung. An der Einmündung des von der

**Rn. 18**

Klägerin befahrenen Fahrstreifens in die Parkplatzein-

**Rn. 19**

und ausfahrt kam es zu einem Zusammenstoß beider Fahrzeuge.

**Rn. 20**

Die Klägerin verlangt nun den Ersatz des Ihr unfallbedingt

**Rn. 21**

entstandenen Schadens in Höhe von insgesamt 1400, 90 DM.

**Rn. 22**

Die Klägerin hat behauptet, die Beklagte zu 1. sei in ihr

**Rn. 23**

bereits stehendes Fahrzeug hineingefahren. Dabei habe die

**Rn. 24**

Beklagte zu 1. ihr Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit

**Rn. 25**

geführt.

**Rn. 26**

Die Klägerin hat beantragt,

**Rn. 27**

die Beklagte zu verurteilen, als Gesamtschuldner

**Rn. 28**

an sie 1700, 90 DM nebst 4 % Zinsen von 839,40 DM

**Rn. 29**

seit dem 1.4.1979 zuzüglich 4 % Zinsen von

**Rn. 30**

561, 50 DM seit Zustellung der Klageschrift zu

**Rn. 31**

zahlen.

**Rn. 32**

Die Beklagten haben beantragt,

**Rn. 33**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 34**

Die Beklagten haben behauptet, die Klägerin habe unmittel-

**Rn. 35**

bar nach dem Unfall gegenüber dem herbeigerufenen Polizei-

**Rn. 36**

beamten angegeben, daß sie einem ihr vorausfahrenden PKW

**Rn. 37**

ohne anzuhalten gefolgt sei. Die Beklagten haben die An-

**Rn. 38**

sicht vertreten, die von der Beklagten zu 1. befahrene

**Rn. 39**

Straße sei bevorrechtigt, da diese eindeutig Straßencharakter

**Rn. 40**

habe.

**Rn. 41**

Das Gericht erster Instanz hat über den Unfallhergang Beweis

**Rn. 42**

erhoben. Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf das

**Rn. 43**

Sitzungsprotokoll des Amtsgerichts Hamm vom 4.4.1978 -Bl. 34

**Rn. 44**

und 35 der Akten- verwiesen.

**Rn. 45**

Sodann hat es der Klage mit Urteil vom 15.4.1979 in Höhe von

**Rn. 46**

658, 34 DM stattgegeben. Das Gericht erster Instanz hat die

**Rn. 47**

Ansicht vertreten, beide Parteien treffe ein Verursachungs-

**Rn. 48**

beitrag in Höhe von 50 %.

**Rn. 49**

Gegen dieses am 2.4.1979 zugestellte Urteil haben die Beklagen

**Rn. 50**

am 27.4.1979 Berufung eingelegt und sie am 17.5.1979 begründet.

**Rn. 51**

Die Beklagten sind der Ansicht, es könne nicht generell gesagt

**Rn. 52**

werden, welche Vorfahrtsregel auf einem Parkplatz gelte. Die

**Rn. 53**

Entscheidung dieser Frage richte sich vielmehr nach den jeweili-

**Rn. 54**

gen Gegebenheiten des Einzelfalles. Da die Zu- und Abfahrt

**Rn. 55**

zu bzw. von den einzelnen Stellplätzen des M - Einkaufs-

**Rn. 56**

Zentrums nur über die von der Beklagten zu 2. befahrenen Straße

**Rn. 57**

möglich sei, müsse davon ausgegangen werden, daß die Beklagte

**Rn. 58**

zu 2. vorfahrtberechtigt gewesen sei.

**Rn. 59**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 60**

nach ihrem In erster Instanz gestellten Antrag

**Rn. 61**

zu erkennen.

**Rn. 62**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 63**

die Berufung zurückzuweisen.

**Rn. 64**

Die Klägerin ist der Ansicht, zwischen den Parteien habe

**Rn. 65**

eine Verständigungspflicht, gegen die von beiden Seiten

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gleich schwer verstoßen worden sei, bestanden.

**Rn. 67**

Das Berufungsgericht hat die Akte 30/8-4265/77 des Ober-

**Rn. 68**

stadtdirektors der Stadt I zu Informationszwecken bei-

**Rn. 69**

gezogen. Wegen des weiteren Vorbringens der Parteien wird

**Rn. 70**

auf den vorgetragenen Inhalt Ihrer Schriftsätze erster und

**Rn. 71**

zweiter Instanz verwiesen.

**Rn. 72**

Entscheidungsgründe;

**Rn. 73**

Die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Amtsgerichts

**Rn. 74**

Hamm vom 15.4.1979 ist zwar zulässig, aber nur teilweise

**Rn. 75**

begründet.

**Rn. 76**

Die Zulässigkeit der Berufung ergibt sich aus § 511 a ZPO.

**Rn. 77**

Da die Beklagten entgegen ihrem in erster Instanz gestellten

**Rn. 78**

Antrag auf Klageabweisung durch das Urteil des Amtsgerichts

**Rn. 79**

Hamm zur Zahlung von 658, 34 DM verurteilt wurden, ist ins-

**Rn. 80**

besondere die für die Zulässigkeit des Rechtsmittels

**Rn. 81**

erforderliche Beschwerde in Höhe von mindestens 500,- DM

**Rn. 82**

gegeben.

**Rn. 83**

In sofern die Beklagten sich zur Begründung ihres Rechtsmittels

**Rn. 84**

darauf berufen haben, die Klägerin sei gegenüber der Beklagten

**Rn. 85**

vermag die Kammer dem nicht zu folgen. Das Berufungsgericht

**Rn. 86**

ist der Ansicht, daß es sich bei dem von der Klägerin befahrenen

**Rn. 87**

Stichweg nicht um einen anderen Straßenteil im Sinne des

**Rn. 88**

10 StVO handelt. Nach dem Regelungsgehalt des § 10 StVO

**Rn. 89**

gehören nämlich zu den anderen Straßenteilen im Sinne der

**Rn. 90**

genannten Vorschrift nur solche Plätze und Wege, die

**Rn. 91**

sich in ihrer Zweckbestimmung eindeutig von der den fließenden

**Rn. 92**

Kraftfahrzeugverkehr dienenden Fahrbahn abgrenzen lassen.

**Rn. 93**

Von einer derartigen Unterschiedlichkeit der Zweckbestimmung

**Rn. 94**

kann aber bei dem von der Klägerin befahrenen Stichweg nicht

**Rn. 95**

ausgegangen werden. Zwar stimmt die Kammer der von den Be-

**Rn. 96**

klagten geäußerten Rechtsansicht insofern zu, als daß die von

**Rn. 97**

den ankommenden Parkplatzbenutzern befahrenen Stichwege primär

**Rn. 98**

der Suche nach einem Stellplatz dienen. Die Kammer hat aber

**Rn. 99**

auch berücksichtigt, daß diejenigen Autofahrer, die den Park

**Rn. 100**

platz verlassen wollen und sich zu diesem Zweck bereits auf

**Rn. 101**

einem der Stichwege befinden, bereits wieder am fließenden

**Rn. 102**

Verkehr teilnehmen, bzw. als solcher anzusehen sind.

**Rn. 103**

Ein anderes Ergebnis vermag auch die Meinung der Beklagten,

**Rn. 104**

ein reibungsloser Verkehrsablauf auf dem Parkplatz des M -

**Rn. 105**

Einkaufs-Zentrums erfordere die Überordnung des von der

**Rn. 106**

Beklagten zu 1. befahrenen Weges, nicht zu rechtfertigen.

**Rn. 107**

Die Überlassung eines Parkplatzes kann nämlich ebenso gut

**Rn. 108**

darauf beruhen, daß dem von den einzelnen Stichwegen abfließen-

**Rn. 109**

den Fahrzeugverkehr keine Möglichkeit gegeben wird, von den

**Rn. 110**

Parkbuchten auf die den Parkplatz umfassende Zu- und Abfahrt

**Rn. 111**

aufzufahren.

**Rn. 112**

Die Kammer geht des weiteren auch davon aus, daß die Regelung

**Rn. 113**

des § 8 Abs. 1 StVO nicht anwendbar ist. Es ist anerkannt, daß

**Rn. 114**

die Grundregel "rechts vor links" nur auf solchen Parkplätzen

**Rn. 115**

Anwendung finden kann, deren Fahrbahnen im wesentlichen gleich-

**Rn. 116**

artige Merkmale hinsichtlich Markierung, Breite und Verkehrs-

**Rn. 117**

führung aufweisen. Nach der von den Beklagten vorgelegten und

**Rn. 118**

von der Klägerin unwidersprochen gebliebenen Skizze kann von

**Rn. 119**

einer Gleichordnung der von den Parteien jeweils benutzten

**Rn. 120**

Fahrbahnen aber nicht die Rede sein. Dies wird ebenfalls

**Rn. 121**

durch die in der Bußgeldakte des Oberstadtdirektors der Stadt I

**Rn. 122**

auf Blatt 4 der Akte befindliche Skizze und die von dem Be-

**Rn. 123**

klagten zu den Akten gereichten Lichtbilder bestätigt. Auf

**Rn. 124**

Grund des den Parkplatz umschließenden Charakters der von

**Rn. 125**

der Beklagten zu 1. befahrenen Zu- und Abfahrt, sowie wegen

**Rn. 126**

der durch die Markierung der einzelnen Stellplätze geschaffenen

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systematischen Abgrenzung der jeweiligen Parkbuchten, geht

**Rn. 128**

die Kammer davon aus, daß eine Abstufung der einzelnen Stich-

**Rn. 129**

wege rein tatsächlicher Art im Verhältnis zu der dem Parkplatz,

**Rn. 130**

umfassenden Zu- und Abfahrt erfolgt ist. Dieser Abstufung führt

**Rn. 131**

allerdings, wie auch das Gericht erster Instanz richtig fest-

**Rn. 132**

gestellt hat, nicht zu einer Bevorrechtigung der von der Be-

**Rn. 133**

klagten zu 1. befahrenen Straße. Es verbleibt gleichwohl bei

**Rn. 134**

der Anwendung der allgemeinen Regelung des § 1 StVO. Das

**Rn. 135**

Berufungsgericht ist aber der Auffassung, daß sich die Ab-

**Rn. 136**

stufung rein tatsächlicher Art in dem unter Verstoß gegen

**Rn. 137**

§1 StVO begründeten Verursachungsbeitrag beider Parteien

**Rn. 138**

niederschlagen muß. Es hält deshalb eine Schadensquote von

**Rn. 139**

einem Drittel zu zwei Dritteln zum Nachteil der Klägerin

**Rn. 140**

für gerechtfertigt.

**Rn. 141**

Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 92 und 97 Abs. 1

**Rn. 142**

StPO. Da die Klägerin lediglich in Höhe von einem Drittel

**Rn. 143**

der Klageforderung obsiegt hat, trägt sie die Kosten des

**Rn. 144**

Rechtsstreits in erster Instanz zu zwei Dritteln. Insoweit

**Rn. 145**

die Beklagten auch in der Berufungsinstanz bei ihrem Antrag

**Rn. 146**

auf uneingeschränkte Klageabweisung geblieben sind, tragen

**Rn. 147**

sie die Kosten der Rechtsmittelinstanz zu 2/3.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 06.09.1979 – 15 S 82/79, ECLI:DE:LGDO:1979:0906.15S82.79.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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