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# Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.02.1979 – 1 S 261/78

ECLI:DE:LGDO:1979:0214.1S261.78.00

## Tenor

Die Berufung des Klägers gegen das am 6. Juni 1978 verkündete Urteil des Amtsgerichts Dortmund wird auf seine Kosten zurückgewiesen.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger - Immobilienmakler - verlangt von den Beklagten

**Rn. 3**

Zahlung der vereinbarten Maklerprovision.

**Rn. 4**

Im Jahre 1975 wandten sich die Beklagten aufgrund einer

**Rn. 5**

Zeitungsannonce, in der ein Grundstück angeboten wurde

**Rn. 6**

an den Kläger. Der Kläger bot ihnen ein Grundstück an,

**Rn. 7**

welches er im Alleinauftrag gegen Provision für die

**Rn. 8**

vermeintliche Eigentümerin Frau T veräußern sollte.

**Rn. 9**

Mit dieser hatte er einen Verkaufspreis von 100,-- DM

**Rn. 10**

pro qm vereinbart. Der von ihm darüber hinaus erzielte

**Rn. 11**

Mehrerlös sollte ihm und dem mit ihm arbeitenden Architekten L zufließen.

**Rn. 12**

Die Beklagten gingen aufgrund der Zeitungsannonce davon

**Rn. 13**

aus, daß der Kläger eine "Doppeltätigkeit" als Makler

**Rn. 14**

ausübt. Sie wurden jedoch von dem, Kläger ,nicht über

**Rn. 15**

die "Mehrerlösklausel" unterrichtet. Sie selbst verpflichteten

**Rn. 16**

sich aufgrund schriftlichen Vertrages,

**Rn. 17**

3 % des Kaufpreises als Maklerprovision zu zahlen.

**Rn. 18**

Am 10. Dezember 1975 schlossen die Beklagten und die

**Rn. 19**

vermeintliche Eigentümerin Frau T einen notariellen

**Rn. 20**

Kaufvertrag über das Grundstück. Der Kaufpreis betrug

**Rn. 21**

115,-- DM pro qm.

**Rn. 22**

Bei der Durchführung des Kaufvertrages stellte sich heraus,

**Rn. 23**

daß nicht Frau T, sondern deren Sohn alleinverfügungsberechtigt

**Rn. 24**

war. Der notarielle Vertrag wurde

**Rn. 25**

daraufhin als gegenstandslos betrachtet.

**Rn. 26**

In der Folgezeit erfuhren die Beklagten von der "Mehrerlösklausel.

**Rn. 27**

Sie waren empört, daß sie einen um 15,-- DM

**Rn. 28**

pro qm überhöhten Kaufpreis zahlen sollten. Sie teilten

**Rn. 29**

dies unter dem 18. Mai 1976- wobei sie sich auf eine bereits mündlich erledigte Kündigung vom 19.4.1976 beriefen - dem Architekten L, der

**Rn. 30**

bis dahin auch die Verhandlungen für den Kläger geführt

**Rn. 31**

hatte, mit. Unter dem 18. Mai 1976 kündigten sie den

**Rn. 32**

Maklervertrag gegenüber dem Kläger.

**Rn. 33**

Am 21. Mai 1976 schlossen sie mit dem Grundstücksver-

**Rn. 34**

fügungsberechtigten T2 einen neuen

**Rn. 35**

notariellen Kaufvertrag und erwarben das Grundstück

**Rn. 36**

zu einem Kaufpreis von 104,-- DM pro qm.

**Rn. 37**

Von dem Gesamtkaufpreis in Höhe von 48.800,-- DM verlangt

**Rn. 38**

der Kläger 3 % als vereinbarte Maklerprovision + 11 % Mehrwertsteuer.

**Rn. 39**

Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Zur Begründung

**Rn. 40**

hat es im wesentlichen ausgeführt: Zwar sei dem Makler

**Rn. 41**

eine Doppeltätigkeit erlaubt. Er habe jedoch vorliegend

**Rn. 42**

treuwidrig gehandelt, weil er sowohl seine Doppelltätigkeit

**Rn. 43**

als auch die Vereinbarung der Mehrerlösklausel verschwiegen

**Rn. 44**

habe.

**Rn. 45**

Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung des Klägers.

**Rn. 46**

Der Kläger rügt, der Amtsrichter habe übersehen, daß die

**Rn. 47**

Beklagten von seiner Doppeltätigkeit gewußt hätten.

**Rn. 48**

Er beantragt dementsprechend,

**Rn. 49**

das angefochtene Urteil aufzuheben und

**Rn. 50**

die Beklagten zu verurteilen, ihm 1.629,.17 DM

**Rn. 51**

nebst 9 % Zinsen seit dem 8. September 1977

**Rn. 52**

zu zahlen.

**Rn. 53**

Die Beklagten beantragen,

**Rn. 54**

die Berufung zurückzuweisen.

**Rn. 55**

Sie halten das angefochtene Urteil für richtig. Im-übrigen

**Rn. 56**

haben sie in der mündlichen Verhandlung eingeräumt, von der

**Rn. 57**

Doppeltätigkeit des Klägers - jedoch nicht von der Mehrerlösklausel-

**Rn. 58**

gewußt zu haben.

**Rn. 59**

Wegen der weiteren Einzelheiten des beiderseitigen Parteivorbringens

**Rn. 60**

wird auf den Inhalt der in der Berufungsinstanz,

**Rn. 61**

gewechselten Schriftsätze Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 63**

Die Berufung ist zulässig, jedoch nicht begründet.

**Rn. 64**

Dem Kläger steht keine Maklerprovision zu.

**Rn. 65**

a) Aufgrund des zwischen den Parteien geschlossenen Makler-

**Rn. 66**

vertrages waren die Beklagten zunächst grundsätzlich verpflichtet,

**Rn. 67**

die vereinbarte Maklerprovision zu zahlen.

**Rn. 68**

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß trotz des Wechsels

**Rn. 69**

auf der Verkäuferseite die Bemühungen des Klägers für

**Rn. 70**

das endgültige Zustandekommen des Kaufvertrages ursächlich

**Rn. 71**

-zumindest mitursächlich- waren. Es ist anerkannte Rechtsprechung,

**Rn. 72**

daß eine Mitursächlichkeit ausreicht (z.B. BGH

**Rn. 73**

in WPM 74, 257).

**Rn. 74**

b) Der Anspruch auf den Mäklerlohn ist auch nicht etwa

**Rn. 75**

gemäß § 654 BGB deswegen verwirkt, weil der Kläger zugleich

**Rn. 76**

als Nachweis-und als Vermittlungsmakler aufge-

**Rn. 77**

treten ist. Diese sogenannte Doppeltätigkeit des Maklers

**Rn. 78**

ist grundsätzlich erlaubt (BGH in NJW 1970,1076, Glaser

**Rn. 79**

in MDR1971 Seite 271). Hier bestehen schon deswegen

**Rn. 80**

keine Bedenken, weil die Beklagten- wie sie eingeräumt

**Rn. 81**

haben - von der Doppeltätigkeit des Klägers wußten.

**Rn. 82**

c) Bedenken könnten allenfalls deswegen bestehen, weil

**Rn. 83**

- was unstreitig ist - der Kläger die mit der Verkäuferin

**Rn. 84**

Getroffene "Mehrerlösklausel" verschwiegen hat. Der BGH

**Rn. 85**

hat in der bereits zitierten Entscheidung (BGH 70,

**Rn. 86**

1075) ausgeführt, daß der Makler, der für den Verkäufer

**Rn. 87**

als Vermittlungsmakler und für den Käufer als Nachweismakler

**Rn. 88**

tätig wird, dem Käufer, der von der Vermittlungs-

**Rn. 89**

tätigkeit für den Verkäufer weiß, nicht mitzuteilen braucht,

**Rn. 90**

daß er sich vom Verkäufer den über einen bestimmten Kauf-

**Rn. 91**

preis erzielten Übererlös als Provision hat versprechen,

**Rn. 92**

lassen. Die Kammer folgt dieser Entscheidung, da die

**Rn. 93**

Beklagten als Kaufinteressenten grundsätzlich damit rechnen

**Rn. 94**

mußten, daß der als Vermittlungsmakler, eines Verkäufers

**Rn. 95**

auftretende Kläger bestrebt sein werde, im Rahmen, der

**Rn. 96**

Marktlage einen möglichst hohen Kaufpreis zu erzielen.

**Rn. 97**

Ob dieser allgemeine Satz allerdings auch dann noch gilt,

**Rn. 98**

wenn - wie hier- eine Mehrerlösklausel von 15 % in Frage

**Rn. 99**

steht, erscheint der Kammer bedenklich. Wenn die Beklagten

**Rn. 100**

aufgrund der dargelegten Umstände auch von vornherein die

**Rn. 101**

mit dem Kläger getroffene Vereinbarung nicht dahin ver-

**Rn. 102**

stehen konnten, daß dieser bei den Bemühungen um das Zustandekommen

**Rn. 103**

des Grundstückkaufvertrages ihre Interessen

**Rn. 104**

als Käufer, insbesondere an einem möglichst niedrigen

**Rn. 105**

Kaufpreis, wahrzunehmen und sich in diesem Sinne einzu-

**Rn. 106**

setzen hätte, durftensie doch zumindest darauf

**Rn. 107**

vertrauen, daß der Kläger ihre Interessen im eigenen Provisionsinteresse nicht völlig außer Betracht lassen würde.

**Rn. 108**

Ob unter diesen Gesichtspunkten bereits eine Verwirkung

**Rn. 109**

des Anspruchs nach § 654 BGB angenommen werden kann, kann

**Rn. 110**

jedoch dahingestellt bleiben, da die Beklagten den Maklervertrag

**Rn. 111**

wirksam gekündigt haben.

**Rn. 112**

d) Unter dem 18. Mai 1976 haben die Beklagten den Maklervertrag

**Rn. 113**

schriftsätzlich gekündigt. Die Kündigung ist zulässig.

**Rn. 114**

Sie ist weder vertraglich noch gesetzlich ausgeschlossen.

**Rn. 115**

Sie wäre allenfalls dann unzulässig, wenn sie ein treuwidriges

**Rn. 116**

Verhalten der Beklagten darstellen würde, nämlich

**Rn. 117**

dann, wenn sie die Kündigung lediglich deswegen ausgesprochen

**Rn. 118**

hätten, um dem Provisionsanspruch des Klägers

**Rn. 119**

zu entgehen, obwohl dieser bereits alles- oder fast alles-

**Rn. 120**

für das Zustandekommen des Grundstückskaufes getan hatte.

**Rn. 121**

Dass dieses das Motiv der Beklagten war, hat der Kläger

**Rn. 122**

nicht zu beweisen vermocht. Die gesamten Umstände sprechen

**Rn. 123**

vielmehr dafür, daß die Beklagten den Vertrag lediglich

**Rn. 124**

deshalb gekündigt haben, weil ihnen der Kläger die Mehrerlösklausel

**Rn. 125**

verschwiegen hatte.

**Rn. 126**

Die Kammer sieht dieses Verhalten des Klägers im vorliegenden

**Rn. 127**

Falle als so treuwidrig an, daß die darauf gestützte

**Rn. 128**

Kündigung der Beklagten ihrerseits nicht als treu-

**Rn. 129**

widrig bezeichnet werden kann. Es kann dahinstehen, ob

**Rn. 130**

in Anlehnung an die bereits zitierte Rechtsprechung des

**Rn. 131**

BGH (BGH in NJW 1970, 1075 f) das Verschweigen der Mehrerlösklausel

**Rn. 132**

grundsätzlich als Kündigungsgrund angesehen werden

**Rn. 133**

kann, das eine Treuwidrigkeit der Kündigenden ausschließt.

**Rn. 134**

Im vorliegenden Fall ist die Besonderheit, daß der angestrebte

**Rn. 135**

Mehrerlös mit 15 % nach Ansicht der Kammer derart

**Rn. 136**

hoch ist, daß den Kaufinteressenten die Gelegenheit,

**Rn. 137**

gegeben werden muß, nach Kenntnis der Mehrerlösklausel

**Rn. 138**

- unabhängig, davon in welchem Stadium sich die Verkaufsverhandlungen

**Rn. 139**

befinden - den Maklervertrag aufzukündigen.

**Rn. 140**

Die Kammer setzt sich damit nicht in Widerspruch zu der

**Rn. 141**

oben zitierten Entscheidung des BGH (BGH a.a.O.). Dort

**Rn. 142**

ist lediglich darüber entschieden worden, ob ein bereits

**Rn. 143**

entstandener Provisionsanspruch gemäß § 654 BGB als

**Rn. 144**

verwirkt anzusehen ist. Es ist jedoch in dieser Ent-

**Rn. 145**

scheidung nicht darüber entschieden worden, ob die Kauf-

**Rn. 146**

interessenten bei einer späteren Kenntnis einer Mehr-

**Rn. 147**

erlösklausel berechtigt sind, sich vom Vertrage loszusagen.

**Rn. 148**

Im ersteren Falle gehen die Kaufinteressenten bewußt

**Rn. 149**

das Risiko ein, einen "überhöhten" Kaufpreis zu zahlen.

**Rn. 150**

Es darf ihnen jedoch nicht die Möglichkeit genommen

**Rn. 151**

werden, dieses Risiko auszuschalten,wenn sie erst nachträglich

**Rn. 152**

davon erfahren, insbesondere dann nicht, wenn

**Rn. 153**

ein derartig überhöhter Mehrerlös - wie hier-erzielt

**Rn. 154**

werden soll.

**Rn. 155**

Die Kündigung der Beklagten ist infolgedessen zulässig,

**Rn. 156**

so daß der Kläger keinen Provisionsanspruch hat .

**Rn. 157**

e) Mögliche Schadensersatzansprüche -wie sie das Landgericht

**Rn. 158**

Aachen in seiner Entscheidung (NJW 1951 Seite 657 f) prüft-

**Rn. 159**

sind schon deshalb nicht gegeben, weil die Beklagten aufgrund

**Rn. 160**

der obigen Ausführungen berechtigt waren, den Maklervertrag

**Rn. 161**

zu kündigen.

**Rn. 162**

Die Berufung war daher mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO

**Rn. 163**

zurückzuweisen.

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Zitiervorschlag: Landgericht Dortmund, Urteil vom 14.02.1979 – 1 S 261/78, ECLI:DE:LGDO:1979:0214.1S261.78.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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