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# Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 20.06.1995 – 11 (12) Sa 181/95

ECLI:DE:LAGK:1995:0620.11.12SA181.95.00

## Tenor

Das Urteil des Arbeitsgerichts Köln vom

17.08.1994 - 3 Ca 5703/93 - wird abge-

ändert:

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der

Kläger.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Der Kläger ist bei der Beklagten seit dem

**Rn. 3**

01.10.1978 beschäftigt.

**Rn. 4**

Auf das Arbeitsverhältnis der Parteien findet

**Rn. 5**

der Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) und die die-

**Rn. 6**

sen ändernden und ergänzenden tarifvertraglichen Be-

**Rn. 7**

stimmungen der für den Bereich der kommunalen Arbeit-

**Rn. 8**

geber (VKA) geltenden Fassung Anwendung.

**Rn. 9**

Der Kläger ist diplomierter Sozialarbeiter und

**Rn. 10**

bei der Beklagten im sog. Allgemeinen Sozialen Dienst

**Rn. 11**

(ASD) tätig.

**Rn. 12**

Eingruppierung und Vergütung bestimmen sich

**Rn. 13**

nach dem Tarifvertrag für die Angestellten im Sozial-

**Rn. 14**

und Erziehungsdienst in der Fassung vom 24.04.1991

**Rn. 15**

(TV SED VKA).

**Rn. 16**

Der Kläger ist in Vergütungsgruppe IV b Fall-

**Rn. 17**

gruppe 17 nach dem TV SED VKA eingruppiert und wird

**Rn. 18**

entsprechend vergütet.

**Rn. 19**

Mit der vorliegenden Klage macht der Kläger

**Rn. 20**

nach Rücknahme weitergehender Ansprüche geltend, er

**Rn. 21**

sei im ASD als Sozialarbeiter in Aufgaben mit schwie-

**Rn. 22**

rigen Tätigkeiten eingesetzt.

**Rn. 23**

Hieraus ergebe sich, daß eine Eingruppierung zu

**Rn. 24**

erfolgen habe nach Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16

**Rn. 25**

TV SED VKA. Aus dieser gebotenen tariflichen Eingrup-

**Rn. 26**

pierung resultiere die Verpflichtung der Beklagten zur

**Rn. 27**

Zahlung einer sog. Vergütungsgruppenzulage, die im

**Rn. 28**

vorliegenden Rechtsstreit geltend gemacht werde.

**Rn. 29**

Die von dem Kläger zu erbringenden Leistungen

**Rn. 30**

im Rahmen des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) sei-

**Rn. 31**

en deshalb als schwierig einzuordnen, weil der Kläger

**Rn. 32**

mit Multiproblemlagen befaßt sei. Seine Aufgabe beste-

**Rn. 33**

he darin, geeignete Kompetenzen der Hilfesuchenden und

**Rn. 34**

Bedürftigen zu fördern und zu entwickeln, sowie zur

**Rn. 35**

Schaffung geeigneter Bedingungen beizutragen, die es

**Rn. 36**

den Betroffenen ermöglichten, sich in Familie und/oder

**Rn. 37**

Gesellschaft zu integrieren, einen Beitrag zur Verbes-

**Rn. 38**

serung der Lebenschancen von Menschen zu leisten und

**Rn. 39**

damit die Voraussetzungen zu schaffen, die es ihnen

**Rn. 40**

gestatteten, ihre Anlagen und Fähigkeiten so gut als

**Rn. 41**

möglich zu entwickeln.

**Rn. 42**

Es bestehe somit eine ganzheitliche Zielset-

**Rn. 43**

zung, die es erfordere, im Rahmen eines Hilfefalles

**Rn. 44**

nicht nur ein akutes und konkretes Detailproblem des

**Rn. 45**

Hilfsbedürftigen bzw. seiner Familie anzugehen, son-

**Rn. 46**

dern das gesamte Lebensumfeld einzubeziehen. Häufig

**Rn. 47**

stünden dabei zwischen den Problemen gegenseitige

**Rn. 48**

Wechselbeziehungen. Die Schwierigkeit der Tätigkeit

**Rn. 49**

bestehe darin, daß am Ausgangspunkt jeweils eine um-

**Rn. 50**

fangreiche eingehende Fallanamnese und Problemanalyse

**Rn. 51**

zu erstellen sei, aufgrund derer überlegt und ggf.

**Rn. 52**

durch den Kläger zu entscheiden sei, welche Hilfe not-

**Rn. 53**

wendig, angebracht und gerechtfertigt sei. Hieran

**Rn. 54**

schließe sich eine Vielzahl weiterer Arbeitsschritte

**Rn. 55**

an, die sich nach Art und Reihenfolge jeweils indivi-

**Rn. 56**

duell ergeben könnten. Es seien zu gewährleisten er-

**Rn. 57**

zieherische, wirtschaftliche, familiäre, persönliche

**Rn. 58**

oder gesundheitliche Hilfen.

**Rn. 59**

Im Rahmen der Eingriffsverwaltung wie bei-

**Rn. 60**

spielsweise bei Verwahrlosung von Kindern sei über

**Rn. 61**

Hilfsangebote oder zwangsweise Hilfsmaßnahmen zu ent-

**Rn. 62**

scheiden. Dabei sei abzuwägen, ob im Rahmen der Kri-

**Rn. 63**

senintervention Beratung, Hausbesuche, ggf. Kontrolle

**Rn. 64**

z.B. durch den Kinderarzt oder die Einschaltung ande-

**Rn. 65**

rer beratender Institutionen wie beispielsweise Erzie-

**Rn. 66**

hungsberatungsstelle, Kinderschutzbund ausreichten

**Rn. 67**

oder ob sich die Krisensituation so zugespitzt habe,

**Rn. 68**

daß eine vorübergehende Fremdunterbringung angeboten

**Rn. 69**

werden müsse wie beispielsweise Unterbringung in einer

**Rn. 70**

Kinderwohngruppe des Kinderschutzbundes oder sogar die

**Rn. 71**

Voraussetzungen dafür vorliegen, das Vormundschaftsge-

**Rn. 72**

richt einzuschalten.

**Rn. 73**

Zur Durchführung der Aufgaben seien Kenntnisse

**Rn. 74**

aller Formen von Hilfeleistungen notwendig, genaueste

**Rn. 75**

Kenntnis der sozialen Struktur des Bezirks sei gebo-

**Rn. 76**

ten, um alle dort tätigen Institutionen und Gruppen in

**Rn. 77**

den Hilfeprozeß einbeziehen zu können. Hinzukomme um-

**Rn. 78**

fangreiche Gesetzeskenntnis und die Kenntnis des Ge-

**Rn. 79**

samtorganisationsgefüges der sozialen Dienste, um

**Rn. 80**

schwierige Kompetenzstreitigkeiten zu vermeiden und

**Rn. 81**

für den zu betreuenden Personenkreis sofort die rich-

**Rn. 82**

tige Entscheidungsebene zu finden. Die Multiproblemla-

**Rn. 83**

gen und unterschiedlichsten Entscheidungssituationen

**Rn. 84**

ergäben sich daraus, daß zum Kreis der Hilfebedürfti-

**Rn. 85**

gen sowohl Minderjährige wie ebenso Alte, Aidsinfi-

**Rn. 86**

zierte, Überschuldete, Menschen mit persönlichen oder

**Rn. 87**

familiären Problemen, akut psychisch Erkrankte, son-

**Rn. 88**

stige Kranke und Rekonvaleszente gehörten. In diesen

**Rn. 89**

unterschiedlichen Problemsituationen seien Entschei-

**Rn. 90**

dungen zu treffen; insbesondere dann, wenn sie vom

**Rn. 91**

Hilfebedürftigen nicht als notwendig erachtet und mehr

**Rn. 92**

oder weniger abgelehnt würden. Zwar treffe der Kläger

**Rn. 93**

als Mitarbeiter des ASD die anstehenden Entscheidungen

**Rn. 94**

nicht endgültig alleine, ihm obliege aber die Ent-

**Rn. 95**

scheidung des Erkennens und Veranlassens von Hand-

**Rn. 96**

lungsbedarf in Entscheidungssituationen, die über rei-

**Rn. 97**

ne Hilfestellung hinausgingen.

**Rn. 98**

Auf konkrete Fallbeispiele könne und wolle der

**Rn. 99**

Kläger nicht eingehen, da die Fälle bei den einzelnen

**Rn. 100**

Sozialarbeitern in wechselnder Form und Häufigkeit

**Rn. 101**

eingingen, jede(r) Sozialarbeiter(in) vergleichbare

**Rn. 102**

Kompetenzen und Fähigkeiten aufzubringen habe und

**Rn. 103**

durch die Darstellung und Begrenzung der Darstellung

**Rn. 104**

auf die schwierigen Fälle eine Konkurrenzsituation

**Rn. 105**

zwischen den einzelnen Sozialarbeitern herbeigeführt

**Rn. 106**

werden könnte, daß einzelne ausschließlich "als

**Rn. 107**

schwierig" zu bezeichnende Konstellationen an sich zö-

**Rn. 108**

gen. Gerade auch der Kläger erbringe in seinem allge-

**Rn. 109**

meinen Tätigkeitsfeld des ASD schwierige Tätigkeiten,

**Rn. 110**

die die Eingruppierung in Vergütungsgruppe IV b Fall-

**Rn. 111**

gruppe 16 bedingten.

**Rn. 112**

Der Kläger hat beantragt

**Rn. 113**

festzustellen, daß die Beklagte

**Rn. 114**

verpflichtet ist, dem Kläger ab

**Rn. 115**

01.01.1991 unter Anrechnung der

**Rn. 116**

tatsächlich gewährten Vergütung

**Rn. 117**

den Vergütungsgruppenzuschlag in

**Rn. 118**

Höhe von 6 % der Anfangsvergütung

**Rn. 119**

der Vergütungsgruppe IV b BAT ein-

**Rn. 120**

schließlich anteiliger Zuwendung

**Rn. 121**

nebst 4 % auf die jeweils anfallen-

**Rn. 122**

den Nettobeträge ab Rechtshängigkeit

**Rn. 123**

zu zahlen.

**Rn. 124**

Die Beklagte hat beantragt,

**Rn. 125**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 126**

Die Beklagte hat geltend gemacht, die Klage er-

**Rn. 127**

weise sich als nicht schlüssig. Der Kläger habe nicht

**Rn. 128**

in ausreichender Form zu einzelnen Arbeitsvorgängen

**Rn. 129**

vorgetragen. Die von dem Kläger allgemein geschilder-

**Rn. 130**

ten Tätigkeiten gehörten zum normalen Aufgabenbereich

**Rn. 131**

eines Sozialarbeiters entsprechend des Berufsbilds für

**Rn. 132**

einen Sozialarbeiter. Aufgaben in diesem Bereich seien

**Rn. 133**

grundsätzlich vielfältig und mehrschichtig und auf

**Rn. 134**

Hilfeleistung in sozialen Problemfällen ausgerichtet.

**Rn. 135**

In vielen Fällen erfordere die Tätigkeit Einfühlungs-

**Rn. 136**

vermögen. Dazu sei schon die Ausbildung angelegt. Auch

**Rn. 137**

die Kenntnis der Gesetzeslage sei eine in der Ausbil-

**Rn. 138**

dung vermittelte Kenntnis.

**Rn. 139**

Soweit der Kläger als besondere Schwierigkeit

**Rn. 140**

seiner Tätigkeit die Allgemeinzuständigkeit des ASD,

**Rn. 141**

die Multiproblemlagen und die Breite des Fachwissens

**Rn. 142**

darstelle, reiche dieses für die Anerkennung schwieri-

**Rn. 143**

ger Tätigkeiten i.S.d. Vergütungsgruppe IV b Fallgrup-

**Rn. 144**

pe 16 BAT nicht aus.

**Rn. 145**

Hilfen, die Geld kosteten, würden von dem Klä-

**Rn. 146**

ger im übrigen nicht alleine entschieden; Gruppenlei-

**Rn. 147**

ter bzw. Fachbereichsleiter müßten zustimmen. Das Ein-

**Rn. 148**

beziehen der Vorgesetzten gelte gerade auch im Rahmen

**Rn. 149**

von Tätigkeiten der Eingriffsverwaltung.

**Rn. 150**

Das Beraten zu Problem- und Konfliktlösungen,

**Rn. 151**

zu Fragen der persönlichen Lebensführung, der Erlan-

**Rn. 152**

gung von Unterstützungen, der Bewältigung gesundheit-

**Rn. 153**

licher und wirtschaftlicher Schwierigkeiten ein-

**Rn. 154**

schließlich der damit einhergehenden Information und

**Rn. 155**

Aufklärung, das Vermitteln von Hilfsangeboten mate-

**Rn. 156**

rieller und persönlicher Art, Anregungen an den be-

**Rn. 157**

troffenen Personenkreis, um diese zu animieren, zu ak-

**Rn. 158**

tivieren und zu motivieren, dies alles werde bereits

**Rn. 159**

mit der Eingruppierung in Vergütungsgruppe IV b Fall-

**Rn. 160**

gruppe 17 BAT abgedeckt.

**Rn. 161**

In diesem Zusammenhang sei insbesondere zu be-

**Rn. 162**

rücksichtigen, daß die Beklagte eine Vielzahl von Spe-

**Rn. 163**

zialdiensten vorhalte, an die sich der ASD bei schwie-

**Rn. 164**

rigen Fällen zu wenden habe. Die auch von dem Kläger

**Rn. 165**

zitierte "Allzuständigkeit" des ASD besage nämlich

**Rn. 166**

nur, daß der ASD erste Anlaufstation für Hilfesuchende

**Rn. 167**

sei. Die besonderen sozialen Dienste entschieden - so-

**Rn. 168**

fern eingeschaltet - eigenständig.

**Rn. 169**

Das Arbeitsgericht hat mit Urteil vom

**Rn. 170**

17.08.1994 festgestellt, daß die Beklagte verpflichtet

**Rn. 171**

sei, dem Kläger ab 01.01.1993 unter Anrechnung der

**Rn. 172**

tatsächlich gewährten Vergütung den Vergütungsgruppen-

**Rn. 173**

zuschlag in Höhe von 6 % der Anfangsvergütung der Ver-

**Rn. 174**

gütungsgruppe IV b BAT einschließlich anteiliger Zu-

**Rn. 175**

wendungen nebst 4 % auf die jeweiligen Nettodifferenz-

**Rn. 176**

beträge ab 29.06.1993 (Rechtshängigkeit) zu zahlen.

**Rn. 177**

Das Arbeitsgericht hat hierzu ausgeführt, daß

**Rn. 178**

entgegen der Auffassung der Beklagten die Tätigkeiten

**Rn. 179**

eines Sozialarbeiters im ASD einen einheitlichen Ar-

**Rn. 180**

beitsvorgang darstellten. Der Arbeitsvorgang sei die

**Rn. 181**

konkrete Beratung einzelner Hilfesuchender. In einem

**Rn. 182**

jeden solchen Einzelfall müsse ohne weiteres anhand

**Rn. 183**

des ersten Beratungsgesprächs festgestellt werden, ob

**Rn. 184**

und in welchem Umfang weitere Beratung erforderlich

**Rn. 185**

und Hilfe veranlaßt werden müsse.

**Rn. 186**

Für die geltend gemachte Vergütungsgruppenzula-

**Rn. 187**

ge komme es nicht darauf an, in welchem Umfang Tätig-

**Rn. 188**

keiten des Klägers als schwierige Tätigkeiten zu be-

**Rn. 189**

werten seien.

**Rn. 190**

Der von dem Kläger zuletzt geltend gemachte An-

**Rn. 191**

spruch finde zwar seine Stütze nicht in den tarifli-

**Rn. 192**

chen Bestimmungen des BAT für den Bereich der kommuna-

**Rn. 193**

len Arbeitgeber (VKA). Ein Vergleich zu den Regelungen

**Rn. 194**

des BAT für den Bereich des Bundes und den Bereich der

**Rn. 195**

Tarifgemeinschaften Deutscher Länder (B/L) erweise al-

**Rn. 196**

lerdings, daß dort der geltend gemachte Vergütungs-

**Rn. 197**

gruppenzuschlag gewährt werde. Im Hinblick darauf kön-

**Rn. 198**

ne der Kläger gestützt auf den Gleichbehandlungsgrund-

**Rn. 199**

satz den ihm günstigeren Zuschlag verlangen.

**Rn. 200**

Im übrigen wird auf die Entscheidungsgründe des

**Rn. 201**

erstinstanzlichen Urteils Bl. 87 - 93 d.A. Bezug ge-

**Rn. 202**

nommen.

**Rn. 203**

Gegen dieses der Beklagten am 26.01.1995 zuge-

**Rn. 204**

stellte Urteil hat die Beklagte am 23.02.1995 Berufung

**Rn. 205**

eingelegt und die Berufung am 17.03.1995 begründet.

**Rn. 206**

Die Beklagte rügt zunächst, daß das erstin-

**Rn. 207**

stanzliche Urteil den Anspruch des Klägers zuerkenne,

**Rn. 208**

obwohl im für den Kläger anzuwendenden Tarifvertrag

**Rn. 209**

hierfür sich keine Anspruchsgrundlage finde.

**Rn. 210**

Ein "Vergütungsgruppenzuschlag" sei dem für das

**Rn. 211**

Arbeitsverhältnis der Streitparteien anzuwendenen Ta-

**Rn. 212**

rifvertrag unbekannt. Auf das Arbeitsverhältnis der

**Rn. 213**

Parteien seien kraft beiderseitiger Organisationszuge-

**Rn. 214**

hörigkeit die Bestimmungen des BAT (VKA) anzuwenden.

**Rn. 215**

Das Arbeitsverhältnis des Klägers gestalte sich nach

**Rn. 216**

dem Tarifvertrag für die Angestellten im Sozial- und

**Rn. 217**

Erziehungsdienst (TV SED) in der Fassung vom 24.04.91.

**Rn. 218**

Diese tarifvertraglichen Bestimmungen sähen eine sog.

**Rn. 219**

Vergütungsgruppenzulage (nicht Zuschlag) bei einer

**Rn. 220**

Eingruppierung in Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16

**Rn. 221**

BAT vor.

**Rn. 222**

Der Kläger sei allerdings nicht nach Vergü-

**Rn. 223**

tungsgruppe IV b Fallgruppe 16 BAT einzugruppieren, da

**Rn. 224**

er schwierige Tätigkeiten nicht ausübe. Die Beklagte

**Rn. 225**

macht nach wie vor geltend, daß die Klage sich hierzu

**Rn. 226**

als nicht schlüssig erweise.

**Rn. 227**

Der vom Arbeitsgericht dem Kläger zuerkannte

**Rn. 228**

Vergütungsgruppenzuschlag lasse sich insbesondere

**Rn. 229**

nicht unter Gesichtspunkten der Gleichbehandlung

**Rn. 230**

rechtfertigen. Die Tarifvertragsparteien hätten auf-

**Rn. 231**

grund ihrer Tarifautonomie (Art. 9 GG) unterschiedlich

**Rn. 232**

ausgestaltete Fußnotenzulagen vereinbart. Es könne da-

**Rn. 233**

her nicht in Betracht kommen, im Wege der Gleichbe-

**Rn. 234**

handlung Regelungen des BAT (B/L) auf den Tarifbereich

**Rn. 235**

des BAT (VKA) zu übertragen.

**Rn. 236**

Darüber hinaus bestehe aber überhaupt keine Un-

**Rn. 237**

gleichbehandlung.

**Rn. 238**

Der Umstand, daß im Bereich B/L prozentual

**Rn. 239**

höhere Vergütungsgruppenzulagen gewährt werden, als im

**Rn. 240**

Bereich der VKA - 7,5 % statt 6 % bei der Vergütungs-

**Rn. 241**

gruppe IV b Fallgruppe 16 und 6 % statt 5 % bei der

**Rn. 242**

Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 17 - habe seine Ursa-

**Rn. 243**

che ganz schlicht in dem Umstand, daß an unterschied-

**Rn. 244**

liche Bezugsgrößen angeknüpft werde. Im Bereich B/L

**Rn. 245**

sei Bezugsgröße die (niedrigere) Anfangsvergütung, im

**Rn. 246**

Bereich VKA die (höhere) Grundvergütung der Stufe 4.

**Rn. 247**

Im Ergebnis liefen daher die unterschiedlichen Rege-

**Rn. 248**

lungen B/L im Verhältnis VKA annähernd auf gleich hohe

**Rn. 249**

Vergütungsgruppenzulagen hinaus.

**Rn. 250**

Unter Berücksichtigung der letztgenannten Ge-

**Rn. 251**

sichtspunkte hat der Kläger zu Protokoll der Kammer-

**Rn. 252**

sitzung vor dem Landesarbeitsgericht am 20.06.1995

**Rn. 253**

sein Klagebegehren dahin klargestellt, daß mit der

**Rn. 254**

Klage beantragt werde festzustellen, daß die Beklagte

**Rn. 255**

verpflichtet ist, rückwirkend ab dem 01.01.1993 an den

**Rn. 256**

Kläger eine monatliche Vergütungsgruppenzulage in Höhe

**Rn. 257**

von 6 % der Grundvergütung der Stufe 4 der Vergütungs-

**Rn. 258**

gruppe IV b zu zahlen entsprechend der Fußnote I der

**Rn. 259**

Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16 der Anlage 1 - An-

**Rn. 260**

gestellte im Sozial- und Erziehungsdienst - zum BAT

**Rn. 261**

VKA und nachzuzahlende Beträge ab dem 05.10.1993 mit

**Rn. 262**

4 % zu verzinsen.

**Rn. 263**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 264**

das Urteil des Arbeitsgerichts Köln

**Rn. 265**

vom 17.08.1994 - 3 Ca 5703/93 -

**Rn. 266**

abzuändern und die Klage abzuweisen.

**Rn. 267**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 268**

die Berufung zurückzuweisen.

**Rn. 269**

Der Kläger geht nach wie vor davon aus, daß die

**Rn. 270**

Beklagte verpflichtet sei, dem Kläger rückwirkend die

**Rn. 271**

geltend gemachte Vergütungsgruppenzulage zu zahlen.

**Rn. 272**

Aus den im einzelnen dargestellten Multipro-

**Rn. 273**

blemlagen des ASD ergebe sich gleichzeitig, daß es

**Rn. 274**

sich hierbei um Aufgaben eines Sozialarbeiters in

**Rn. 275**

schwierigen Tätigkeiten handele. Danach sei die Ein-

**Rn. 276**

gruppierung in Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16 BAT

**Rn. 277**

geboten; dies führe zur Zahlungsverpflichtung der Ver-

**Rn. 278**

gütungsgruppe nach Fußnote I zu Vergütungsgruppe IV b

**Rn. 279**

Fallgruppe 16 BAT VKA.

**Rn. 280**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Vorbringens

**Rn. 281**

der Parteien wird auf die in beiden Instanzen gewech-

**Rn. 282**

selten Schriftsätze verwiesen.

**Rn. 283**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 284**

I. Die Berufung der Beklagten ist nach dem Wert

**Rn. 285**

des Beschwerdegegenstandes statthaft (§ 64 Abs. 1 u. 2

**Rn. 286**

ArbGG) und zulässig; die Berufung wurde form- und

**Rn. 287**

fristgerecht eingelegt (§ 66 Abs. 1 ArbGG i.V.m.

**Rn. 288**

§§ 518, 519 ZPO).

**Rn. 289**

II. Die Berufung hatte auch in der Sache Erfolg.

**Rn. 290**

1. Die Klage ist zulässig.

**Rn. 291**

Die zu Protokoll der mündlichen Verhandlung vom

**Rn. 292**

20.06.1995 gemachten Angaben stellen das Klagebegehren

**Rn. 293**

eindeutig klar im Hinblick auf die Konkretisierung der

**Rn. 294**

geltend gemachten Vergütungsgruppenzulage nach den

**Rn. 295**

einschlägigen Bestimmungen zum BAT VKA. Die Zulässig-

**Rn. 296**

keit dieses Antrags folgt aus § 256 ZPO. Es entspricht

**Rn. 297**

ständiger Rechtsprechung des BAG, Feststellungsklagen

**Rn. 298**

betreffend wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen des

**Rn. 299**

Arbeitgebers öffentlicher Hand zuzulassen, da erwartet

**Rn. 300**

werden kann, daß einer rechtskräftig werdenden fest-

**Rn. 301**

stellenden Verurteilung Folge geleistet wird. Die

**Rn. 302**

Feststellungsklagen erweisen sich damit als zulässig

**Rn. 303**

und zur Vermeidung wiederholender Zahlungsklagen pro-

**Rn. 304**

zeßökonomisch.

**Rn. 305**

2. Der geltend gemachte Anspruch steht dem

**Rn. 306**

Kläger in der Sache nicht zu.

**Rn. 307**

Auf das Arbeitsverhältnis der Parteien findet

**Rn. 308**

kraft beiderseitiger Organisationszugehörigkeit der

**Rn. 309**

Streitparteien der BAT Anwendung.

**Rn. 310**

Für das Arbeitsverhältnis des Klägers zur Be-

**Rn. 311**

klagten ergibt sich damit die Anwendbarkeit der tarif-

**Rn. 312**

vertraglichen Bestimmungen des BAT für den Bereich der

**Rn. 313**

kommunalen Arbeitgeber (VKA).

**Rn. 314**

3. Die streitbefangene Vergütungsgruppenzulage be-

**Rn. 315**

stimmt sich demnach nach dem Tarifvertrag für die An-

**Rn. 316**

gestellten im Sozial- und Erziehungsdienst (TV SED

**Rn. 317**

VKA) in der Fassung vom 24.04.1991.

**Rn. 318**

Damit kommt es für die Eingruppierung und die

**Rn. 319**

aus einer Eingruppierung resultierende Verpflichtung

**Rn. 320**

zur Zahlung einer Zulage zunächst auf die Bewertung

**Rn. 321**

der ausgeübten Tätigkeit an. Die Eingruppierung rich-

**Rn. 322**

tet sich dabei nach § 22 Abs. 2 Unterabsatz 2 S. 1

**Rn. 323**

BAT. Danach bestimmt sich die Eingruppierung nach der

**Rn. 324**

Tätigkeit, die der Arbeitnehmer zeitlich mindestens

**Rn. 325**

zur Hälfte anfallender Arbeitsvorgänge verrichtet.

**Rn. 326**

Diese Arbeitsvorgänge müssen die Anforderungen eines

**Rn. 327**

Tätigkeitsmerkmals oder mehrerer Tätigkeitsmerkmale

**Rn. 328**

der in Anspruch genommenen Vergütungsgruppe erfüllen.

**Rn. 329**

a) Die Kammer schließt sich zunächst der Auffas-

**Rn. 330**

sung des Klägers an, daß die von dem Kläger wahrgenom-

**Rn. 331**

menen Tätigkeiten im sog. ASD als einheitlicher Ar-

**Rn. 332**

beitsvorgang anzusehen sind.

**Rn. 333**

Im Sinne der ständigen Rechtsprechung des Bun-

**Rn. 334**

desarbeitsgerichts ist unter einem Arbeitsvorgang eine

**Rn. 335**

unter Hinzuziehung von Zusammenhangstätigkeiten und

**Rn. 336**

bei Berücksichtigung einer sinnvollen, vernünftigen

**Rn. 337**

Verwaltungsübung nach tatsächlichen Gesichtspunkten

**Rn. 338**

abgrenzbare und rechtlich selbständig zu bewertende

**Rn. 339**

Arbeitseinheit der zu einem bestimmten Arbeitsergebnis

**Rn. 340**

führenden Tätigkeit eines Angestellten zu verstehen

**Rn. 341**

(BAG, Urt. v. 19.06.1993 - 4 AZR 642/84 - AP Nr. 116

**Rn. 342**

zu § 22, 23 BAT).

**Rn. 343**

Dabei ist eine tarifwidrige "Atomisierung" zu

**Rn. 344**

vermeiden; jedoch dürfen tariflich verschieden zu be-

**Rn. 345**

wertende Aufgaben nicht zu einem Arbeitsvorgang zusam-

**Rn. 346**

mengefaßt werden.

**Rn. 347**

Für die Darlegungs- und Beweislast eines Klä-

**Rn. 348**

gers gelten dabei auch in sog. Eingruppierungsklagen

**Rn. 349**

die allgemeinen Grundsätze des materiellen und des

**Rn. 350**

Verfahrensrechts: Danach hat ein Kläger einer solchen

**Rn. 351**

Klage die Einzelheiten seiner Tätigkeit sowie sämtli-

**Rn. 352**

che Tatsachen vorzutragen, die das Gericht zur recht-

**Rn. 353**

lichen Bestimmung der "Arbeitsvorgänge" kennen muß.

**Rn. 354**

Jedoch hat der Kläger nicht die Pflicht, seine Tätig-

**Rn. 355**

keit bereits nach "Arbeitsvorgängen" vorgegliedert den

**Rn. 356**

Tatsachengerichten zu schildern (BAG, Urt. v.

**Rn. 357**

28.02.1979 - 4 AZR 427/77 - EzA § 22 - 23 BAT Nr. 22).

**Rn. 358**

Die von dem Kläger dargestellten "Multiproblem-

**Rn. 359**

lagen", die jeweilige Aufgabenstellung des ASD Lö-

**Rn. 360**

sungsansätze für die vielfältigen Problemlagen der zu

**Rn. 361**

betreuenden Personen zu finden, rechtfertigen es, mit

**Rn. 362**

dem Kläger die anfallenden Aufgaben im ASD als einen

**Rn. 363**

nicht zu atomisierenden gemeinsamen großen Arbeitsvor-

**Rn. 364**

gang zu bewerten.

**Rn. 365**

b) Die Eingruppierung des Klägers bestimmt sich

**Rn. 366**

sodann gem. §§ 22, 23 BAT danach, ob in diesem Ar-

**Rn. 367**

beitsvorgang, der die gesamte Tätigkeit des Klägers

**Rn. 368**

umfaßt und somit mindestens die Hälfte der dem Kläger

**Rn. 369**

übertragenen Aufgaben ausmacht, die Anforderungen der

**Rn. 370**

Tätigkeitsmerkmale der in Anspruch genommenen Vergü-

**Rn. 371**

tungsgruppe erfüllt sind.

**Rn. 372**

Für die Eingruppierung des Klägers sind nach-

**Rn. 373**

folgende Vergütungsgruppen und Tarifvorschriften zu

**Rn. 374**

berücksichtigen:

**Rn. 375**

Vergütungsgruppe V b Fallgruppe 10 BAT (VKA):

**Rn. 376**

Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit

**Rn. 377**

staatlicher Anerkennung und ent-

**Rn. 378**

sprechender Tätigkeit sowie sonstige

**Rn. 379**

Angestellte, die aufgrund gleich-

**Rn. 380**

wertiger Fähigkeiten und ihrer Er-

**Rn. 381**

fahrung entsprechende Tätigkeiten

**Rn. 382**

ausüben.

**Rn. 383**

Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16 BAT (VKA):

**Rn. 384**

Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit

**Rn. 385**

staatlicher Anerkennung und ent-

**Rn. 386**

sprechender Tätigkeit sowie sonstige

**Rn. 387**

Angestellte, die aufgrund gleich-

**Rn. 388**

wertiger Fähigkeiten und ihrer Er-

**Rn. 389**

fahrung entsprechende Tätigkeiten

**Rn. 390**

ausüben, mit schwierigen Tätigkeiten

**Rn. 391**

(hierzu Protokollerklärung Nr. 1 und

**Rn. 392**

12).

**Rn. 393**

Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 17 BAT (VKA):

**Rn. 394**

Sozialarbeiter/Sozialpädagogen mit

**Rn. 395**

staatlicher Anerkennung und ent-

**Rn. 396**

sprechender Tätigkeit sowie sonstige

**Rn. 397**

Angestellte, die aufgrund gleich-

**Rn. 398**

wertiger Fähigkeiten und ihrer Er-

**Rn. 399**

fahrung entsprechende Tätigkeiten

**Rn. 400**

ausüben, nach zweijähriger Bewährung

**Rn. 401**

in Vergütungsgruppe V b Fallgruppe 10

**Rn. 402**

(hierzu Protokollerklärung Nr. 1).

**Rn. 403**

Die Protokollerklärung 12 lautet:

**Rn. 404**

Schwierige Tätigkeiten sind z.B. die,

**Rn. 405**

a) Beratung von Suchtmittel-Abhängigen,

**Rn. 406**

b) Beratung von HIV-Infizierten oder an

**Rn. 407**

AIDS erkrankten Personen,

**Rn. 408**

c) begleitende Fürsorge für Heimbewohner

**Rn. 409**

und nachgehende Fürsorge für ehemalige

**Rn. 410**

Heimbewohner,

**Rn. 411**

d) begleitende Fürsorge für Strafgefangene

**Rn. 412**

und nachgehende Fürsorge für ehemalige

**Rn. 413**

Strafgefangene,

**Rn. 414**

e) Koordinierung der Arbeit mehrerer

**Rn. 415**

Angestellter mindestens der Vergütungs-

**Rn. 416**

gruppe V b.

**Rn. 417**

Die Protokollnotiz 1 ist für die vorstehend an-

**Rn. 418**

stehenden Klärungsfragen ohne Bedeutung.

**Rn. 419**

Für Arbeitnehmer, die in Vergütungsgruppe IV b

**Rn. 420**

Fallgruppe 16 BAT (VKA) eingruppiert sind, gilt nach

**Rn. 421**

Fußnote I u.a. folgendes:

**Rn. 422**

Diese Angestellten erhalten nach

**Rn. 423**

vierjähriger Bewährung in dieser

**Rn. 424**

Fallgruppe eine monatliche Vergü-

**Rn. 425**

tungsgruppenzulage in Höhe von

**Rn. 426**

6 v.H. der Grundvergütung der

**Rn. 427**

Stufe 4 der Vergütungsgruppe IV b.

**Rn. 428**

...

**Rn. 429**

c) Für den geltend gemachten Anspruch ist daher zu

**Rn. 430**

prüfen, ob unter Berücksichtigung der von dem Kläger

**Rn. 431**

ausgeübten Tätigkeit eine Eingruppierung nach Vergü-

**Rn. 432**

tungsgruppe IV b Fallgruppe 16 vorzunehmen ist; hier-

**Rn. 433**

aus würde sodann nach vierjähriger Bewährung in der

**Rn. 434**

vorgenannten Vergütungs- und Fallgruppe die geltend

**Rn. 435**

gemachte Vergütungsgruppenzulage herleiten.

**Rn. 436**

Die vorgenannten Vergütungsgruppen bauen auf-

**Rn. 437**

einander auf.

**Rn. 438**

Nach ständiger Rechtsprechung des BAG ist daher

**Rn. 439**

zunächst zu prüfen, ob die Merkmale der Ausgangsfall-

**Rn. 440**

gruppen erfüllt sind, um anschließend der Reihe nach

**Rn. 441**

das Vorliegen der weiteren qualifizierenden Tätig-

**Rn. 442**

keitsmerkmale zu untersuchen (BAG, Urt. v. 20.03.1991

**Rn. 443**

- 4 AZR 471/90 - AP Nr. 156 zu §§ 22, 23 BAT).

**Rn. 444**

Der Kläger ist Sozialarbeiter mit staatlicher

**Rn. 445**

Anerkennung. Dem Kläger ist eine Tätigkeit als Sozial-

**Rn. 446**

arbeiter übertragen, da er in der Betreuung von Perso-

**Rn. 447**

nen in kritischen und Notsituationen beschäftigt ist

**Rn. 448**

und im sog. ASD der Beklagten arbeitet.

**Rn. 449**

Damit sind die Tarifmerkmale für eine Eingrup-

**Rn. 450**

pierung nach Vergütungsgruppe V b Fallgruppe 10 BAT

**Rn. 451**

erfüllt.

**Rn. 452**

Der Kläger ist in Tätigkeiten des ASD bei der

**Rn. 453**

Beklagten seit dem 01.10.1978 eingesetzt.

**Rn. 454**

Der Kläger erfüllt damit jedenfalls die Vor-

**Rn. 455**

aussetzungen nach Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 17

**Rn. 456**

BAT.

**Rn. 457**

Die Höhergruppierung aus Vergütungsgruppe V b

**Rn. 458**

Fallgruppe 10 in Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 17

**Rn. 459**

BAT setzt nämlich keine Qualifizierung in den ausgeüb-

**Rn. 460**

ten Tätigkeiten voraus, sondern verlangt lediglich ei-

**Rn. 461**

ne zweijährige Bewährung in Vergütungsgruppe V b Fall-

**Rn. 462**

gruppe 10. Bewährung bestreitet die Beklagte dem Klä-

**Rn. 463**

ger nicht. Der Kläger ist zudem unstreitig in Vergü-

**Rn. 464**

tungsgruppe IV b Fallgruppe 17 BAT eingruppiert und

**Rn. 465**

wird nach dieser Vergütungsgruppe entlohnt.

**Rn. 466**

Die Tätigkeit des Klägers entspricht allerdings

**Rn. 467**

nicht Tätigkeiten der Vergütungsgruppe IV b Fallgrup-

**Rn. 468**

pe 16 BAT.

**Rn. 469**

Hervorhebungsmoment für eine Eingruppierung

**Rn. 470**

nach Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16 im Verhältnis

**Rn. 471**

zur Eingruppierung der Vergütungsgruppe V b Fallgrup-

**Rn. 472**

pe 10 BAT ist, daß ein Einsatz in schwierigen Tätig-

**Rn. 473**

keiten erfolgt.

**Rn. 474**

Die Protokollerklärung Nr. 12 zu den einschlä-

**Rn. 475**

gigen Tarifnormen für Sozialarbeiter legt beispielhaft

**Rn. 476**

fest, unter welchen Voraussetzungen das Hervorhebungs-

**Rn. 477**

moment schwierige Tätigkeiten als erfüllt anzusehen

**Rn. 478**

ist.

**Rn. 479**

Mit dem Kläger kann zunächst davon ausgegangen

**Rn. 480**

werden, daß es sich bei der Aufzählung zu a) - e) der

**Rn. 481**

Protokollerklärung nicht um eine abschließende Aufzäh-

**Rn. 482**

lung der Aufgabenbereiche handelt, die eine entspre-

**Rn. 483**

chende Höhergruppierung bedingen. Vielmehr sind die

**Rn. 484**

angeführten Beispiele zu a) - e) auf vergleichbare Tä-

**Rn. 485**

tigkeiten zu übertragen.

**Rn. 486**

Durch die Protokollerklärung wird allerdings

**Rn. 487**

verdeutlicht, daß die schwierige Tätigkeit eine Her-

**Rn. 488**

vorhebung in der Aufgabenstellung verlangt.

**Rn. 489**

Diese Hervorhebung definiert e) in der Übertra-

**Rn. 490**

gung von Koordinierungsaufgaben für mehrere Angestell-

**Rn. 491**

te mindestens der Vergütungsgruppe V b. Derartige Tä-

**Rn. 492**

tigkeiten übt der Kläger unstreitig nicht aus. Die

**Rn. 493**

Beispielsfälle zu a) - d) verdeutlichen das Hervorhe-

**Rn. 494**

bungsmoment der schwierigen Tätigkeit durch die Fach-

**Rn. 495**

beratung bzw. begleitende Fürsorge für konkret ange-

**Rn. 496**

sprochene Personengruppen, wobei in allen Beispiels-

**Rn. 497**

fällen a) - d) es um in der Sozialarbeit bekannte be-

**Rn. 498**

sondere Problemgruppen von Personen geht. Daß der Klä-

**Rn. 499**

ger unstreitig gerade auch mit den dort aufgeführten

**Rn. 500**

Problemgruppen zu tun hat und im Rahmen des Allgemei-

**Rn. 501**

nen Sozialen Dienstes sich die entsprechenden Aufgaben

**Rn. 502**

dem Kläger stellen, führt demgegenüber nicht dazu, be-

**Rn. 503**

reits das Hervorhebungsmoment schwierige Tätigkeiten

**Rn. 504**

annehmen zu können.

**Rn. 505**

Das Hervorhebungsmoment begleitende Fürsorge

**Rn. 506**

und/oder Beratung stellt den eigentlichen Gesichts-

**Rn. 507**

punkt für die Bewertung der übertragenen Tätigkeit als

**Rn. 508**

schwierige Tätigkeit dar.

**Rn. 509**

Hierzu erweist sich allerdings der gesamte

**Rn. 510**

Sachvortrag des Klägers in beiden Instanzen als nicht

**Rn. 511**

schlüssig. Darauf weist die Beklagte zutreffend hin.

**Rn. 512**

Weder die von dem Kläger angesprochene Allzu-

**Rn. 513**

ständigkeit des ASD noch die angeführten Multiproblem-

**Rn. 514**

lagen und das erforderliche breite Fachwissen vermögen

**Rn. 515**

für sich gesehen bereits die Hervorhebung als schwie-

**Rn. 516**

rige Tätigkeit zu rechtfertigen. Die Beklagte weist

**Rn. 517**

hierzu zutreffend darauf hin, daß es sich insgesamt um

**Rn. 518**

Tätigkeiten handelt, die zum typischen Aufgabenbereich

**Rn. 519**

der Tätigkeiten eines ausgebildeten Sozialarbeiters

**Rn. 520**

gehören. Wäre die Argumentation des Klägers insoweit

**Rn. 521**

zutreffend, so gäbe es kaum eine Eingruppierung von

**Rn. 522**

Arbeitnehmern, die noch der Vergütungsgruppe V b Fall-

**Rn. 523**

gruppe 10 BAT zugeordnet werden könnte.

**Rn. 524**

Dabei ist davon auszugehen, daß aufgrund be-

**Rn. 525**

reits der Ausbildung als Sozialarbeiter die Tätigkei-

**Rn. 526**

ten der Vergütungsgruppe V b Fallgruppe 10 BAT schwie-

**Rn. 527**

rige Fachaufgaben verlangen.

**Rn. 528**

Zur dem üblichen Berufsbild zuzuordnenden nor-

**Rn. 529**

malen Schwierigkeit muß für die Zuordnung nach Vergü-

**Rn. 530**

tungsgruppe IV b Fallgruppe 16 BAT gerade eine Hervor-

**Rn. 531**

hebung aus der üblichen Schwierigkeit von Aufgaben ei-

**Rn. 532**

nes Sozialarbeiters feststellbar sein.

**Rn. 533**

Daran fehlt es allerdings deshalb, weil die Be-

**Rn. 534**

klagte zutreffend darauf hinweist, daß für die eigent-

**Rn. 535**

liche Bewältigung einzelfallbezogener Beratung und be-

**Rn. 536**

gleitender Fürsorge Spezialdienste vorgehalten werden.

**Rn. 537**

Dann aber vermag eine Tätigkeit im sog. ASD nicht be-

**Rn. 538**

reits der Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16 BAT zu-

**Rn. 539**

geordnet zu werden.

**Rn. 540**

Tätigkeiten im ASD sind demnach typische Nor-

**Rn. 541**

mal- und Grundtätigkeit eines Sozialarbeiters. Zu die-

**Rn. 542**

ser Basisarbeit gehört es gerade, daß der Mitarbeiter

**Rn. 543**

mit Menschen unterschiedlichster Problemgruppen zu tun

**Rn. 544**

hat, die auf verschiedenste Art geschädigt sind. Ihnen

**Rn. 545**

hat er Basishilfe zu leisten. Diese Hilfe stellt aber

**Rn. 546**

die typischen Anforderungen dar, die an die Tätigkeit

**Rn. 547**

eines Sozialarbeiters nach Ziel und Ausbildung zu

**Rn. 548**

stellen sind. Die hier zu leistenden Anforderungen ge-

**Rn. 549**

hen über die üblichen Anforderungen des Berufsbildes

**Rn. 550**

nicht hinaus. Das Hervorhebungsmoment durch schwierige

**Rn. 551**

Tätigkeit kann nicht als erfüllt angesehen werden.

**Rn. 552**

Damit ist mit der Beklagten davon auszugehen,

**Rn. 553**

daß die tatsächlich erfolgte Eingruppierung und Ent-

**Rn. 554**

lohnung des Klägers nach Vergütunsgruppe IV b Fall-

**Rn. 555**

gruppe 17 BAT zutreffend ist und demzufolge die Zah-

**Rn. 556**

lung einer Vergütungsgruppenzulage nach Fußnote I zu

**Rn. 557**

Vergütungsgruppe IV b Fallgruppe 16 BAT ausscheidet.

**Rn. 558**

Im Hinblick auf die Klarstellung des Klagebe-

**Rn. 559**

gehrens zu Protokoll der Kammersitzung vom 20.06.1995

**Rn. 560**

war ein näheres Eingehen auf den erstinstanzlich her-

**Rn. 561**

angezogenen Gesichtspunkt "Gleichbehandlung" zu den

**Rn. 562**

tariflichen Vorschriften des Bereichs B/L entbehrlich.

**Rn. 563**

Nur ergänzend sei darauf hingewiesen, daß die

**Rn. 564**

Berufungsbegründung hierzu zutreffend darauf hingewie-

**Rn. 565**

sen hat, daß die Tarifvertragsparteien im Rahmen ihrer

**Rn. 566**

Tarifautonomie berechtigt waren, unterschiedlich aus-

**Rn. 567**

gestaltete Fußnotenzulagen zu vereinbaren, die für die

**Rn. 568**

zutreffende Entscheidung wie vereinbart heranzuziehen

**Rn. 569**

sind. Auch die im eigentlichen gar nicht feststellbare

**Rn. 570**

Ungleichbehandlung wegen der unterschiedlichen Bezugs-

**Rn. 571**

größen für die vereinbarten Zulagen des Bereichs B/L

**Rn. 572**

einerseits und VKA andererseits stehen den Überlegun-

**Rn. 573**

gen des erstinstanzlichen Urteils entgegen.

**Rn. 574**

Nach alledem war auf die Berufung das Urteil

**Rn. 575**

des Arbeitsgerichts abzuändern und die Klage abzuwei-

**Rn. 576**

sen.

**Rn. 577**

III. Da der Kläger den Prozeß verloren hat, muß

**Rn. 578**

er nach §§ 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, 91 ZPO die Kosten des

**Rn. 579**

Rechtsstreits tragen.

**Rn. 580**

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

**Rn. 581**

Die Revision wurde nicht zugelassen, weil die

**Rn. 582**

Voraussetzungen hierfür (§ 72 Abs. 2 ArbGG) nach Auf-

**Rn. 583**

fassung der Kammer nicht vorliegen. Auf die Möglich-

**Rn. 584**

keit der Nichtzulassungsbeschwerde nach §§ 72, 72 a

**Rn. 585**

ArbGG als Rechtsbehelf wird hingewiesen.

**Rn. 586**

(Jüngst) (von Taboritzki) (Tressat)

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Zitiervorschlag: Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 20.06.1995 – 11 (12) Sa 181/95, ECLI:DE:LAGK:1995:0620.11.12SA181.95.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lag-koeln/1995-06-20/11-12-sa-181-95

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