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# Amtsgericht Ibbenbüren, Beschluss vom 14.03.2023 – 41 F 286/22

ECLI:DE:AGST2:2023:0314.41F286.22.00

## Tenor

Der Antrag vom 07.09.2022, die Ehe aufzuheben und der Hilfsantrag, die Ehe zu scheiden, werden zurückgewiesen.

Der Antragsteller trägt die Kosten des Verfahrens.

Der Gegenstandswert wird auf 32.760 € festgesetzt.

Die Entscheidung ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages.

**Rn. 1**

41 F 286/22

**Rn. 2**

Erlassen am 14.03.2023

**Rn. 3**

durch Verlesen der Beschlussformel

**Rn. 4**

Justizbeschäftigte

**Rn. 5**

als Urkundsbeamtin der

**Rn. 6**

Geschäftsstelle

**Rn. 7**

Amtsgericht Ibbenbüren

**Rn. 8**

Familiengericht

## Beschluss

**Rn. 10**

In der Familiensache

**Rn. 11**

des Herrn

**Rn. 12**

Antragstellers,

**Rn. 13**

Verfahrensbevollmächtigter:

**Rn. 14**

Rechtsanwälte

**Rn. 15**

gegen

**Rn. 16**

die Frau

**Rn. 17**

Antragsgegnerin,

**Rn. 18**

Verfahrensbevollmächtigter:

**Rn. 19**

Rechtsanwälte

**Rn. 20**

hat das Amtsgericht - Familiengericht (FamFG) - Ibbenbüren

**Rn. 21**

auf die mündliche Verhandlung vom 31.01.2023

**Rn. 22**

durch die Richterin am Amtsgericht

**Rn. 23**

beschlossen:

**Rn. 24**

1. Der Antrag vom 07.09.2022, die Ehe aufzuheben und der Hilfsantrag, die Ehe zu scheiden, werden zurückgewiesen.

**Rn. 25**

2. Der Antragsteller trägt die Kosten des Verfahrens.

**Rn. 26**

3. Der Gegenstandswert wird auf 32.760 € festgesetzt.

**Rn. 27**

4. Die Entscheidung ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages.

## Gründe

**Rn. 29**

I.

**Rn. 30**

Die Beteiligten lernten sich am 17.06.2022 am Beach am Aasee in Ibbenbüren

**Rn. 31**

kennen. Die Antragsgegnerin war zu der Zeit noch mit dem Zeugen

**Rn. 32**

verlobt. Diesen wollte sie am 23.09.2022 heiraten.

**Rn. 33**

Innerhalb kürzester Zeit entschlossen sich die Beteiligten zu heiraten, wobei

**Rn. 34**

zwischen ihnen streitig ist, von wem die Initiative ausging und wer den

**Rn. 35**

Hochzeitstermin mit dem Standesamt vereinbart hat.

**Rn. 36**

Die Ehe wurde am 12.08.2022 vor dem Standesamt Sylt zu Eheregisternummer geschlossen.

**Rn. 37**

Weder vor noch nach Eheschließung lebten die Beteiligten zusammen.

**Rn. 38**

Der Antragsteller behauptet, das Verhalten der Antragsgegnerin habe sich direkt

**Rn. 39**

nach Eheschließung geändert. Körperliche Nähe habe sie nicht mehr zugelassen.

**Rn. 40**

Nur einmalig vor der Eheschließung habe es körperlichen Kontakt gegeben.

**Rn. 41**

Als er sie zur Rede gestellt habe, warum sie sich so verändert habe, habe die

**Rn. 42**

Antragsgegnerin ihn verschiedentlich beschimpft und angeschrien, ihn u.a. als

**Rn. 43**

Dreckstück und armer Schlucker bezeichnet.

**Rn. 44**

Am 28.08.2022 habe die Antragsgegnerin dem Antragsteller bei einem Spaziergang

**Rn. 45**

heftig auf den Oberarm geschlagen, als er ihr vorgehalten habe, dass sie eigentlich

**Rn. 46**

keine richtige Beziehung hätten.

**Rn. 47**

An Samstag der Ibbenbürener Kirmes habe die Antragsgegnerin ihm ihre

**Rn. 48**

Handtasche gegen den Kopf geschlagen und gemeint, sein Steuerberater habe sie

**Rn. 49**

über den Tisch gezogen.

**Rn. 50**

Mittlerweile sei die Antragsgegnerin wieder mit dem Zeugen gesehen

**Rn. 51**

worden, sei mit ihm auf einem Oktoberfest in Düsseldorf und auf einem Peter Maffay

**Rn. 52**

Konzert gewesen.

**Rn. 53**

Der Antragsteller meint, die Antragsgegnerin habe offenbar nie die Vorstellung

**Rn. 54**

gehabt, die Ehe tatsächlich zu vollziehen.

**Rn. 55**

Außerdem habe die Antragsgegnerin einmal geäußert, sie werde mit ihm nur dann

**Rn. 56**

zusammenleben, wenn er ihr eine Immobilie kaufe und sie im Grundbuch stehe.

**Rn. 57**

Die Antragsgegnerin habe permanent unter finanziellen Schwierigkeiten gelitten. Sie

**Rn. 58**

habe sich von dem Zeugen 15.000 € geliehen. 5.000 € habe der Zeuge

**Rn. 59**

ihr geschenkt, wegen der nun zurückgeforderten 10.000 € behaupte die

**Rn. 60**

Antragsgegnerin, der Zeuge habe ihre Unterschrift gefälscht. Außerdem habe sie ein

**Rn. 61**

Fahrrad und einen Pkw BMW einbehalten, obwohl der Zeuge Eigentümer

**Rn. 62**

sei. Zudem habe sie zu Unrecht behauptet, der Zeuge habe sie zusammengeschlagen.

**Rn. 63**

Der Antragsteller beantragt,

**Rn. 64**

die am 12.08.2022 vor dem Standesbeamten des Standesamtes auf

**Rn. 65**

Sylt, Heiratsregister-Nummer geschlossene Ehe der Parteien aufzuheben,

**Rn. 66**

hilfsweise

**Rn. 67**

die am 12.08.2022 vor dem Standesbeamten des Standesamtes auf

**Rn. 68**

Sylt, Heiratsregister-Nummer geschlossene Ehe der Parteien zu scheiden.

**Rn. 69**

Die Antragsgegnerin beantragt,

**Rn. 70**

die Anträge zurückzuweisen.

**Rn. 71**

Die Antragsgegnerin wendet ein, sie sei von der Ernsthaftigkeit des Heiratswillens

**Rn. 72**

des Antragstellers ausgegangen.

**Rn. 73**

Der Antragsteller sei, obwohl am 17.06.2022 auch über die für den 23.09.2022

**Rn. 74**

geplante Hochzeit mit dem Zeugen gesprochen worden sei, am

**Rn. 75**

18.06.2022 mit ihr in Kontakt getreten. Am 30.07.2022 habe er in einer WhatsApp

**Rn. 76**

Nachricht geschrieben, dass er sie heiraten wolle und zwar nicht am 23.09. Der

**Rn. 77**

Antragsteller habe beim Standesamt Ibbenbüren den Termin für den 23.09.2022

**Rn. 78**

abgesagt und den Termin beim Standesamt Sylt vereinbart.

**Rn. 79**

Die Antragsgegnerin macht weiter geltend, der Antragsteller habe sich auch schon

**Rn. 80**

vor der Eheschließung um das Anmieten bzw. Kaufen einer Wohnung bemüht, habe

**Rn. 81**

ihr mehrere Wohnungsbilder geschickt sowie Nachrichten über einen

**Rn. 82**

Besichtigungstermin.

**Rn. 83**

Sie hätten sich wechselseitig in verschiedenen WhatsApp Nachrichten ihre Liebe

**Rn. 84**

bekundet, der Antragsteller u.a. noch am 28.08.2022.

**Rn. 85**

Völlig unerwartet habe er dann am 03.09.2022 geschrieben, dass er die Scheidung

**Rn. 86**

einreichen werde.

**Rn. 87**

Die Antragsgegnerin legt weiter dar, sie habe den Antragsteller noch am 08.09. und

**Rn. 88**

18.09.2022 angeschrieben, dass sie an der Ehe festhalten werde, dass sie mit ihm

**Rn. 89**

zusammen sein wolle.

**Rn. 90**

Das Gericht hat die Beteiligten persönlich angehört. Wegen der weiteren Einzelheiten

**Rn. 91**

wird auf das Protokoll der nichtöffentlichen Sitzung vom 31.01.2023 und die

**Rn. 92**

wechselseitig zur Akte gereichten Schriftsätze nebst Anlagen, insbesondere die

**Rn. 93**

WhatsApp Kommunikation Bezug genommen.

**Rn. 94**

II.

**Rn. 95**

Der Hauptantrag, die am 12.08.2022 geschlossene Ehe aufzuheben, ist nicht

**Rn. 96**

begründet.

**Rn. 97**

Die Voraussetzungen des § 1314 BGB liegen nicht vor.

**Rn. 98**

Die Tatbestände des § 1314 Abs. 1 BGB scheiden offensichtlich aus.

**Rn. 99**

Auch wenn der Antragsteller zwischenzeitig behauptet, die Antragsgegnerin sei

**Rn. 100**

offenbar psychisch erkrankt, sind Anhaltspunkte für eine Geschäftsunfähigkeit nicht

**Rn. 101**

zu erkennen.

**Rn. 102**

Die Voraussetzungen von § 1314 Abs. 2 Nr. 1, Nr. 2, Nr. 4 und auch Nr. 5 BGB

**Rn. 103**

scheiden aus.

**Rn. 104**

Selbst wenn der Antragsteller mittlerweile davon überzeugt ist, die Antragsgegnerin

**Rn. 105**

habe nicht ernsthaft die Ehe schließen wollen, die wechselseitigen Verpflichtungen

**Rn. 106**

einer ehelichen Lebensgemeinschaft im Sinne von § 1353 Abs. 1 BGB nicht gewollt,

**Rn. 107**

weil es nach der Hochzeit nicht mehr zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, reicht

**Rn. 108**

dies für die Annahme von § 1314 Abs. 2 Nr. 5 BGB nicht aus. Nach dem Wortlaut ist

**Rn. 109**

erforderlich, dass beide Eheleute sich bei Eheschließung einig sind, dass sie keine

**Rn. 110**

Verpflichtungen im Sinne von § 1353 BGB begründen wollen. Ein solches

**Rn. 111**

Einvernehmen ist weder vorgetragen noch sonst ersichtlich. Vielmehr lassen die

**Rn. 112**

wechselseitigen WhatsApp Nachrichten darauf schließen, dass die Beteiligten

**Rn. 113**

ernsthaft heiraten wollten und auch gewillt waren, zusammenzuleben und

**Rn. 114**

füreinander da zu sein.

**Rn. 115**

Auch der Tatbestand des § 1314 Abs. 2 Nr. 3 BGB ist nicht erfüllt.

**Rn. 116**

Selbst wenn man unterstellt, dass die Antragsgegnerin den Antragsteller über ihre

**Rn. 117**

finanziellen und vermögensrechtlichen Verhältnisse getäuscht haben sollte, wenn sie

**Rn. 118**

– wie er behauptet – unter permanenten wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelitten

**Rn. 119**

haben sollte, ist dies schon nach dem Wortlaut des § 1314 BGB kein

**Rn. 120**

Aufhebungskriterium. Die Täuschung über Vermögensverhältnisse ist in § 1314 Abs. 2

**Rn. 121**

Nr. 3 BGB ausdrücklich ausgenommen („dies gilt nicht, wenn“).

**Rn. 122**

Vor diesem Hintergrund bedarf es auch nicht der Vernehmung des vom Antragsteller

**Rn. 123**

benannten Zeugen Peselmann, ob dieser der Antragsgegnerin Geld geliehen habe,

**Rn. 124**

ihr Hochzeitskleidung gekauft habe, ihre Schuhe bezahlt habe und die

**Rn. 125**

Antragsgegnerin sich nun weigere, das Geld zurückzuzahlen.

**Rn. 126**

Schließlich kommen als Umstände einer arglistigen Täuschung nur solche in

**Rn. 127**

Betracht, die mindestens mitursächlich für die Eheschließung geworden sind.

**Rn. 128**

Der Antragsteller wusste, als er die Antragsgegnerin am 17.06.2022 am Beach am

**Rn. 129**

Aasee in Ibbenbüren kennengelernt hat, dass sie eigentlich am 23.09.2022 Herrn

**Rn. 130**

heiraten wollte. Er hat die Antragsgegnerin dem Zeugen „ausgespannt“.

**Rn. 131**

Er hat in einer WhatsApp deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er sehr entschlossen

**Rn. 132**

sei, die Antragsgegnerin zu heiraten. Er hat ausgeführt, er wolle sie heiraten, wolle

**Rn. 133**

nicht bis zum 23.09. warten. Er würde seinen Porsche verkaufen, sein letztes Hemd

**Rn. 134**

für sie geben. Auch ist den weiteren Nachrichten zu entnehmen, dass nicht die

**Rn. 135**

Antragsgegnerin den Hochzeitstermin vereinbart hat, sondern der Antragsteller

**Rn. 136**

eigeninitiativ sich um einen schnellen Termin auf Sylt bemüht hat.

**Rn. 137**

Obwohl der Antragsteller wusste, dass die Antragsgegnerin sich wenige Wochen vor

**Rn. 138**

der Eheschließung noch in einer anderen Beziehung befunden hat, wollte er nicht

**Rn. 139**

warten, wie sich die Beziehung zwischen ihnen beiden entwickelt.

**Rn. 140**

Er wollte offenbar die Antragsgegnerin, ihre Charaktereigenschaften, Stärken,

**Rn. 141**

Schwächen, Eigenarten gar nicht erst genauer kennenlernen. Er wollte nicht vorher

**Rn. 142**

prüfen, wie sie sich im Zusammenleben verhält, wie sie in unterschiedlichen

**Rn. 143**

Situationen, bspw. bei Konflikten reagiert. All dies hat den Antragsteller vor der

**Rn. 144**

Eheschließung offenbar nicht interessiert.

**Rn. 145**

Es kann deswegen nicht angenommen werden, dass der Antragsteller von der

**Rn. 146**

Eheschließung Abstand genommen hätte, hätte er gewusst, dass die

**Rn. 147**

Antragsgegnerin – was im Übrigen von ihr bestritten wird – im Streit ihm auf den Arm

**Rn. 148**

schlägt oder mit einer Handtasche um sich schlägt, dass sie ihn beleidigt.

**Rn. 149**

Eine Ursächlichkeit ist nicht erkennbar; der Antragsteller war zur Ehe fest

**Rn. 150**

entschlossen (vgl. dazu LG Rostock in FamRZ 2003, 598 Rn. 22, 23).

**Rn. 151**

Im Übrigen berechtigen gewisse Enttäuschungen, Schwächen oder Lügen eines

**Rn. 152**

Partners nicht zur Aufhebung der Ehe (Wellenhofer in Münchener Kommentar zum

**Rn. 153**

BGB, 9. Auflage 2022, § 1314 Rn. 18; M. Otto in BeckOGK, Stand 01.10.2022, §

**Rn. 154**

1314 Rn. 17).

**Rn. 155**

Schließlich können Umstände, die vor der Eheschließung nicht thematisiert werden,

**Rn. 156**

d.h. die Vorstellungen nur eines Ehepartners nicht Gegenstand einer – mindestens

**Rn. 157**

bedingt vorsätzlichen – Täuschung des anderen Ehepartners sein (vgl. OLG Köln in

**Rn. 158**

FamRZ 2000, 819 Rn. 24). Der Antragsteller hat jedenfalls nicht behauptet,

**Rn. 159**

mit der Antragsgegnerin vorher besprochen zu haben, bspw. wie oft es nach der

**Rn. 160**

Heirat zum Geschlechtsverkehr kommen soll, wie die Lebensgemeinschaft in

**Rn. 161**

wirtschaftlicher Hinsicht ausgestaltet sein soll, wer die Miete bezahlt, wer eine

**Rn. 162**

Immobilie finanziert und wer von beiden als Eigentümer eingetragen wird.

**Rn. 163**

Vor diesem Hintergrund ist es irrelevant, dass der Antragsteller meint, die

**Rn. 164**

Antragsgegnerin habe nach der Hochzeit nicht mehr mit ihm schlafen wollen.

**Rn. 165**

Auch aus dem jüngsten Vorbringen des Antragstellers, wie die Antragsgegnerin sich

**Rn. 166**

gegenüber ihrem früheren Verlobten verhalten haben soll und welche

**Rn. 167**

Auseinandersetzungen es aktuell zwischen dem Zeugen und der Antragsgegnerin

**Rn. 168**

geben soll, ergibt sich keine im Sinne von § 1314 Abs. 2 Nr. 3 BGB relevante

**Rn. 169**

Täuschung.

**Rn. 170**

Zwar kann das Verschweigen wesentlicher Umstände eine Täuschung durch

**Rn. 171**

Unterlassen darstellen, allerdings nur dann, wenn eine Offenbarungspflicht besteht.

**Rn. 172**

Eine allgemeine Offenbarungspflicht ist zu verneinen (M. Otto a.a.O. Rn. 21). Zu

**Rn. 173**

unterscheiden ist auch, ob es sich um fortwirkende oder in der Vergangenheit

**Rn. 174**

liegende, abgeschlossene Umstände handelt.

**Rn. 175**

Der Antragsteller behauptet, die Antragsgegnerin habe sich von ihrem früheren

**Rn. 176**

Verlobten Geld geliehen und behaupte nun, ihre Unterschrift auf dem

**Rn. 177**

Darlehensvertrag sei gefälscht. Außerdem habe die Antragsgegnerin ein Fahrrad und

**Rn. 178**

einen Pkw BMW des Herrn behalten, obwohl er Eigentümer sei. Zudem

**Rn. 179**

leide sie an unkontrollierbaren Wutausbrüchen und befinde sich langjährig in

**Rn. 180**

psychiatrischer Behandlung.

**Rn. 181**

Selbst wenn man unterstellt, dass der Zeuge diesen Vortrag bestätigt,

**Rn. 182**

stellte dies keine tatbestandliche Täuschungshandlung dar. Die Antragsgegnerin ist

**Rn. 183**

und war nicht verpflichtet, derartige Umstände zu offenbaren. Offenbarungspflichtige

**Rn. 184**

erhebliche Vorstrafen oder verbrecherische Erwerbsquellen liegen nicht vor.

**Rn. 185**

Außerdem ist überhaupt nicht erkennbar, dass die Antragsgegnerin vorsätzlich

**Rn. 186**

gehandelt hat (vgl. M. Otto a.a.O. Rn. 21.1; OLG Brandenburg in NJW-RR 2021,

**Rn. 187**

867, 868).

**Rn. 188**

III.

**Rn. 189**

Der Hilfsantrag ist ebenso wenig begründet.

**Rn. 190**

Voraussetzung für eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres ist neben dem

**Rn. 191**

Scheitern der Ehe im Sinne von § 1565 Abs. 1 BGB, dass gemäß § 1565 Abs. 2 BGB

**Rn. 192**

die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller aus Gründen, die in der Person des

**Rn. 193**

anderen Ehegatten liegen, eine unzumutbare Härte darstellen würde.

**Rn. 194**

An das Vorliegen der „unzumutbaren Härte“ sind strenge Anforderungen zu stellen.

**Rn. 195**

Die unzumutbare Härte muss sich auf das Eheband, d.h. auf das „Weiter-

**Rn. 196**

Miteinander-Verheiratet-Sein“ und nicht bloß auf die Fortsetzung des ehelichen

**Rn. 197**

Zusammenlebens beziehen. Das Merkmal der Härte erfasst die individuelle,

**Rn. 198**

subjektive Befindlichkeit des Antragstellers. Das Tatbestandsmerkmal „unzumutbar“

**Rn. 199**

muss sich aus der Sicht eines außenstehenden objektiven Beurteilers ergeben.

**Rn. 200**

Zudem muss die Unzumutbarkeit in der Person des anderen Ehegatten begründet

**Rn. 201**

sein (Thormeyer in jurisPK BGB, Stand 15.11.2022, § 1565 Rn. 19). Ob eine

**Rn. 202**

unzumutbare Härte vorliegt, kann nur nach einer umfassenden Prüfung und

**Rn. 203**

Bewertung der Lebensumstände, des ehelichen Umfeld und auch der jeweiligen

**Rn. 204**

persönlichen Einstellung des beantragenden Ehegatten im konkreten Einzelfall

**Rn. 205**

festgestellt werden (Thormeyer a.a.O. Rn. 19). Für die Annahme einer Härte ist

**Rn. 206**

jedenfalls nicht ausreichend, dass beim Antragsteller ein dramatisches Gefühl der

**Rn. 207**

Härte ausgelöst wird, weil die Ehe (aus seiner Sicht) gescheitert ist (Weber in

**Rn. 208**

Münchener Kommentar zum BGB, 9. Auflage 2022, § 1565 Rn. 90). Erforderlich ist in

**Rn. 209**

subjektiver Hinsicht eine über das Scheitern der Ehe hinausgehende psychische

**Rn. 210**

Belastung, allein weil die Ehe auf dem Papier weiter besteht

**Rn. 211**

(Unger/Hartmann/Franzius in BeckOGK, Stand 01.11.2022, § 1565 Rn. 125).

**Rn. 212**

Eine besondere psychische Belastung hat der Antragsteller schon nicht substantiiert

**Rn. 213**

dargelegt. Er meint lediglich, er müsse sich nicht beleidigen oder schlagen lassen,

**Rn. 214**

wolle mit der Antragsgegnerin nicht zusammen sein, weil diese offensichtlich nur

**Rn. 215**

finanzielle Hintergedanken gehabt habe.

**Rn. 216**

Damit bringt der Antragsteller vielmehr – durchaus nachvollziehbar – zum Ausdruck,

**Rn. 217**

in seinen Erwartungen und Vorstellungen enttäuscht, in seiner Ehre und Eitelkeit

**Rn. 218**

gekränkt zu sein, sich einen anderen, respektvollen Umgang gewünscht zu haben.

**Rn. 219**

Es mag auch sein, dass er mit der Antragsgegnerin keine eheliche

**Rn. 220**

Lebensgemeinschaft aufnehmen und fortsetzen will, wenn sie sich in

**Rn. 221**

Konfliktsituationen so verhält, wie von ihm behauptet.

**Rn. 222**

Objektiv betrachtet unzumutbar ist das bloße Verheiratetsein auf dem Papier

**Rn. 223**

deswegen nicht.

**Rn. 224**

Selbst wenn man unterstellt, die Antragsgegnerin habe, nachdem sie den

**Rn. 225**

Antragsteller kennengelernt hat, noch ein Konzert oder sonst ein Fest mit ihrem

**Rn. 226**

vorherigen Verlobten besucht oder sei mit ihm einkaufen gewesen, begründet auch

**Rn. 227**

das keine unzumutbare Härte.

**Rn. 228**

Ungeachtet des Umstandes, dass die Verletzung der ehelichen Treuepflicht als

**Rn. 229**

solche keinen Härtegrund darstellt, lässt sich dem Vorbringen des Antragstellers

**Rn. 230**

schon nicht entnehmen, die Antragsgegnerin sei ihm fremdgegangen. Selbst wenn

**Rn. 231**

die Antragsgegnerin noch Gefühle für den Zeugen

**Rn. 232**

hätte, begründete auch das objektiv betrachtet keine unzumutbare Härte. Dazu hat das OLG München

**Rn. 233**

ausgeführt, dass bei dem Scheidungsbegehren einer Frau, die drei Tage nach der

**Rn. 234**

Eheschließung telefonisch von einer engen Freundin erfährt, dass der neben ihr

**Rn. 235**

sitzende Ehemann ihr gerade seine Liebe offenbart habe und ihr später zusätzlich

**Rn. 236**

bekannt wird, dass der Mann am Tag vor der Hochzeit dieser Freundin eine

**Rn. 237**

entsprechende Liebesbekundung per E-Mail geschickt habe, eine unzumutbare

**Rn. 238**

Härte zu verneinen sei (Thormeyer a.a.O. Rn. 20; OLG München in FamRZ 2011,

**Rn. 239**

218 Rn. 9 ff.).

**Rn. 240**

Auch das weitere Vorbringen des Antragstellers, die Antragsgegnerin habe den

**Rn. 241**

Zeugen heiraten wollen, obwohl er sie brutal zusammengeschlagen

**Rn. 242**

habe, begründet keine unzumutbare Härte. Insbesondere lässt sich dies nicht als

**Rn. 243**

charakterlichen Mangel qualifizieren. Ein solches Verhalten mag, die Richtigkeit

**Rn. 244**

unterstellt, für all jene, die keine Gewalterfahrungen in einer Beziehung und keine

**Rn. 245**

emotionale Abhängigkeit erfahren haben, nicht nachvollziehbar sein. Gleichwohl

**Rn. 246**

geschieht es nicht selten, dass Frauen, die über lange Zeit Gewalt durch ihren

**Rn. 247**

Partner erlebt haben, es nicht schaffen, diesen zu verlassen.

**Rn. 248**

Ebenso wenig lässt sich aus dem Vorbringen des Antragstellers zu den finanziellen

**Rn. 249**

Auseinandersetzungen zwischen der Antragsgegnerin und dem Zeugen

**Rn. 250**

schließen, dass ihm das bloße Verheiratetsein bis zum Ablauf des Trennungsjahres

**Rn. 251**

ohne eheliches Zusammenleben unzumutbar ist.

**Rn. 252**

IV.

**Rn. 253**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 150 Abs. 2 S. 1 FamFG.

**Rn. 254**

Die Wertfestsetzung ergibt sich unter Berücksichtigung des vom Antragsteller

**Rn. 255**

mitgeteilten Einkommens beider Beteiligten und der Entscheidung über Haupt- und

**Rn. 256**

Hilfsantrag aus §§ 39 Abs. 1 S. 2, 43 FamGKG.

**Rn. 257**

Die Anordnungen zur Vollstreckbarkeit folgen §§ 112, 113 FamFG i.V.m. § 709 ZPO.

**Rn. 258**

Rechtsbehelfsbelehrung:

**Rn. 259**

Gegen diesen Beschluss ist das Rechtsmittel der Beschwerde gegeben. Die

**Rn. 260**

Beschwerde kann sowohl gegen den Beschluss insgesamt, als auch gegen den

**Rn. 261**

Scheidungsausspruch oder jede Entscheidung in einzelnen Folgesachen eingelegt

**Rn. 262**

werden. Wird jedoch eine Folgesache vermögensrechtlicher Art isoliert angefochten,

**Rn. 263**

ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 600

**Rn. 264**

Euro übersteigt; dieser Wert gilt nicht für die Entscheidung zum

**Rn. 265**

Versorgungsausgleich.

**Rn. 266**

Beschwerdeberechtigt ist derjenige, dessen Rechte durch den Beschluss

**Rn. 267**

beeinträchtigt sind. Die Beschwerde ist bei dem Amtsgericht - Familiengericht -

**Rn. 268**

Ibbenbüren, Münsterstr. 35, 49477 Ibbenbüren schriftlich in deutscher Sprache durch

**Rn. 269**

einen Rechtsanwalt einzulegen.

**Rn. 270**

Die Beschwerde muss spätestens innerhalb eines Monats nach der schriftlichen

**Rn. 271**

Bekanntgabe des Beschlusses bei dem Amtsgericht - Familiengericht - Ibbenbüren

**Rn. 272**

eingegangen sein. Die Frist beginnt mit der schriftlichen Bekanntgabe des

**Rn. 273**

Beschlusses, spätestens mit Ablauf von fünf Monaten nach Erlass des Beschlusses.

**Rn. 274**

Fällt das Ende der Frist auf einen Sonntag, einen allgemeinen Feiertag oder

**Rn. 275**

Sonnabend, so endet die Frist mit Ablauf des nächsten Werktages.

**Rn. 276**

Die Beschwerde muss die Bezeichnung des angefochtenen Beschlusses sowie die

**Rn. 277**

Erklärung enthalten, dass Beschwerde gegen diesen Beschluss eingelegt wird. Sie

**Rn. 278**

ist zu unterzeichnen.

**Rn. 279**

Darüber hinaus muss der Beschwerdeführer einen bestimmten Sachantrag stellen

**Rn. 280**

und diesen begründen. Die Frist hierfür beträgt zwei Monate und beginnt mit der

**Rn. 281**

schriftlichen Bekanntgabe des Beschlusses, spätestens mit Ablauf von fünf Monaten

**Rn. 282**

nach Erlass des Beschlusses. Innerhalb dieser Frist müssen der Sachantrag sowie

**Rn. 283**

die Begründung unmittelbar bei dem Beschwerdegericht - Oberlandesgericht Hamm,

**Rn. 284**

Heßlerstr. 53, 59065 Hamm - eingegangen sein.

**Rn. 285**

Hinweis zum elektronischen Rechtsverkehr:

**Rn. 286**

Die Einlegung ist auch durch Übertragung eines elektronischen Dokuments an die

**Rn. 287**

elektronische Poststelle des Gerichts möglich. Das elektronische Dokument muss für

**Rn. 288**

die Bearbeitung durch das Gericht geeignet und mit einer qualifizierten

**Rn. 289**

elektronischen Signatur der verantwortenden Person versehen sein oder von der

**Rn. 290**

verantwortenden Person signiert und auf einem sicheren Übermittlungsweg gemäß

**Rn. 291**

§ 130a ZPO nach näherer Maßgabe der Verordnung über die technischen

**Rn. 292**

Rahmenbedingungen des elektronischen Rechtsverkehrs und über das besondere

**Rn. 293**

elektronische Behördenpostfach (BGBl. 2017 I, S. 3803) eingereicht werden. Auf die

**Rn. 294**

Pflicht zur elektronischen Einreichung durch professionelle Einreicher/innen ab dem

**Rn. 295**

01.01.2022 durch das Gesetz zum Ausbau des elektronischen Rechtsverkehrs mit

**Rn. 296**

den Gerichten vom 10. Oktober 2013, das Gesetz zur Einführung der elektronischen

**Rn. 297**

Akte in der Justiz und zur weiteren Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs

**Rn. 298**

vom 5. Juli 2017 und das Gesetz zum Ausbau des elektronischen Rechtsverkehrs

**Rn. 299**

mit den Gerichten und zur Änderung weiterer Vorschriften vom 05.10.2021 wird

**Rn. 300**

hingewiesen.

**Rn. 301**

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite www.justiz.de.

**Rn. 302**

Richterin am Amtsgericht

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Zitiervorschlag: Amtsgericht Ibbenbüren, Beschluss vom 14.03.2023 – 41 F 286/22, ECLI:DE:AGST2:2023:0314.41F286.22.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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