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# Amtsgericht Hagen, Urteil vom 30.07.2024 – 14 C 45/24

ECLI:DE:AGHA:2024:0730.14C45.24.00

## Tenor

Den Vollstreckungsbescheid des Mahngerichts Hagen vom 14.02.2024

(Az.: 24-1693077-0-3) wird aufrecht erhalten;

Dem Beklagten werden die weiteren Kosten des Rechtsstreits auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Ohne Tatbestand (gemäß § 313a Abs. 1 ZPO).

## Entscheidungsgründe

**Rn. 2**

Die Klage ist begründet.

**Rn. 3**

Der Vollstreckungsbescheid war aufrechtzuerhalten, der Einspruch ist unbegründet.

**Rn. 4**

Die Klägerin hat einen Anspruch auf Schadensersatz gem. §§ 611, 280 BGB in Höhe

**Rn. 5**

von 419,88 EUR gegen den Beklagten.

**Rn. 6**

Zwischen den Parteien war ein Telekommunikationsvertrag zustande gekommen.

**Rn. 7**

Daraus war der Beklagte zur Zahlung der vereinbarten Entgelte verpflichtet. Ein

**Rn. 8**

mögliches wettbewerbswidriges Verhalten der Klägerin hat keine Unwirksamkeit des

**Rn. 9**

Vertrages zur Folge.

**Rn. 10**

Der Beklagte hat den Vertrag weder wirksam widerrufen noch angefochten.

**Rn. 11**

Der Beklagte hat in dem schriftlichen Vertrag vom 24.04.2023 bestätigt, die

**Rn. 12**

Vertragszusammenfassung und Widerrufsbelehrung erhalten zu haben. Damit

**Rn. 13**

begann die 14tägige Widerrufsfrist. Erklärungen, sich vom Vertrag zu lösen, wurden

**Rn. 14**

erstmals mit Schriftsatz vom 09.04.2024 abgegeben, also weit nach Ablauf der

**Rn. 15**

Widerrufsfrist.

**Rn. 16**

Die mit Schriftsatz vom 24.04.2024 erklärte Anfechtung wegen Irrtums und arglistiger

**Rn. 17**

Täuschung ist unbegründet. Fraglich ist bereits, ob die für eine Irrtumsanfechtung

**Rn. 18**

nach § 119 BGB notwendigen tatbestandlichen Voraussetzungen vorliegen. Die zur

**Rn. 19**

Akte gereichten Vertragsurkunden sind eindeutig. Die Beklagte hat im Firmennamen

**Rn. 20**

allenfalls in Teilen phonetische Ähnlichkeit mit dem bisherigen Anbieter, der

**Rn. 21**

Deutschen Telekom. Das Firmenlogo weist keine Ähnlichkeiten auf. Die Beklagte hat

**Rn. 22**

einen Sitz in Düsseldorf. Es wurde insbesondere explizit eine Kündigung (nicht etwa

**Rn. 23**

Vertragsänderung) mit Portierung der Rufnummer (was nicht nötig wäre, wenn der

**Rn. 24**

Kläger bei der Dt. Telekom einen geänderten Vertrag geschlossen hätte) beauftragt.

**Rn. 25**

Eine Irrtumsanfechtung war auch zeitlich verspätet. Die Irrtumsanfechtung nach

**Rn. 26**

§ 121 Abs. 1 S. 1 BGB muss „unverzüglich" ab Kenntnis vom Anfechtungsgrund

**Rn. 27**

erfolgen. Spätestens bei Anforderung des Schadensersatzes am 13.07.2023 muss

**Rn. 28**

dem Beklagten bewusst geworden sein, dass er sich über den Vertragspartner geirrt

**Rn. 29**

hatte.

**Rn. 30**

Eine wirksame Anfechtung wegen arglistiger Täuschung durch den Beklagten nach

**Rn. 31**

§ 123 Abs.1 BGB scheidet ebenfalls aus. Zwar ist hier die Anfechtungsfrist des § 124

**Rn. 32**

BGB länger. Eine Täuschung des Beklagten durch die Klägerin erscheint aber

**Rn. 33**

angesichts des von dem Beklagten am 24.04.2023 unterschriebenen Vertrages als

**Rn. 35**

ausgeschlossen. Die Logos der Klägerin und des bisherigen Anbieters des Beklagten

**Rn. 36**

sind unterschiedlich. Ebenso ist der Inhalt des Schreibens eindeutig.

**Rn. 37**

Die von dem Beklagten gleichzeitig mit dem Vertragsschluss erklärte Kündigung des

**Rn. 38**

Vertrages mit der Telekom war unwirksam, denn der Beklagte hatte kurz zuvor einen

**Rn. 39**

neuen Vertrag mit der Telekom abgeschlossen, so dass die Mindestlaufzeit von 2

**Rn. 40**

Jahren noch nicht abgelaufen war. Somit konnte ein Anbieterwechsel nicht erfolgen,

**Rn. 41**

was auf eine Pflichtverletzung des Beklagten zurückzuführen war. Im vorliegenden

**Rn. 42**

Fall hatte die Klägerin über die WBCI-Schnittstelle die Mitteilung erhalten, dass der

**Rn. 43**

Anbieterwechsel und die Rufnummernportierung von der Telekom Deutschland

**Rn. 44**

GmbH abgelehnt werden.

**Rn. 45**

Da eine Vertragsdurchführung zu den vereinbarten Bedingungen somit nicht möglich

**Rn. 46**

war, kündigte die Klägerin das Vertragsverhältnis fristlos und stellte dem Beklagten

**Rn. 47**

mit Rechnung vom 13.07.2023 einen Schadenersatz in Höhe von 419,88 € in

**Rn. 48**

Rechnung. Die Klägerin verlangt pauschalierten Schadenersatz in Höhe von 50 %

**Rn. 49**

des vereinbarten monatlichen Basispreises für eine Laufzeit von 24 Monaten (24 x

**Rn. 50**

34,99 €). Die Höhe des Schadensersatzes ist nicht zu beanstanden.

**Rn. 51**

Kündigt der Mobilfunkanbieter einen Flatrate-Vertrag mit vereinbarter Mindestlaufzeit

**Rn. 52**

vorzeitig aus einem von dem Kunden verursachten wichtigen Grund, muss er sich

**Rn. 53**

von seinem Anspruch auf Ersatz des entgangenen Gewinns ersparte Aufwendungen

**Rn. 54**

in Form der auf den gekündigten Vertrag entfallenden Spezialunkosten, abziehen

**Rn. 55**

lassen. Legt der Anbieter die Höhe der Spezialunkosten nicht näher dar, können

**Rn. 56**

diese regelmäßig auf 50 % des monatlich zu zahlenden Grundentgelts geschätzt

**Rn. 57**

werden.

**Rn. 58**

(LG Hildesheim Beschl. v. 9.7.2019 – 3 T 13/19, BeckRS 2019, 17479, beck-online)

**Rn. 59**

Der Beklagte befand sich aufgrund des Mahnschreibens der Klägerin mit Frist zum

**Rn. 60**

15.10.2023 ab dem 16.10.2024 in Verzug und hat den entstandenen

**Rn. 61**

Verzugsschaden zu tragen. Hierzu gehören die vorgerichtlichen Mahnkosten in Höhe

**Rn. 62**

von 3,00 €. Dazu gehören hier auch die Kosten für die Beauftragung des

**Rn. 63**

Inkassobüros. Die Klägerin ist – auch im Hinblick auf ihre Schadensminderungspflicht

**Rn. 64**

– berechtigt, die Forderung durch ein Inkassobüro einzuziehen. Die Einschaltung

**Rn. 65**

eines Inkassobüros darf ein Gläubiger dann für erforderlich halten, wenn sie sich

**Rn. 66**

nach verständiger Würdigung als zweckentsprechender Weg zur Durchsetzung

**Rn. 67**

seiner Forderung darstellt. Das ist dann der Fall, wenn die Berechtigung der

**Rn. 68**

Forderung nicht bestritten wird und es sich bei dem Schuldner um einen säumigen

**Rn. 69**

Zahler handelt.

**Rn. 70**

Die Klägerin hat hier substantiiert dargelegt, dass sie das Inkassounternehmen am

**Rn. 71**

22.11.2023 mit der außergerichtlichen Forderungsdurchsetzung beauftragt hat. Es ist

**Rn. 72**

auch weder erkennbar noch vorgetragen, dass die Kosten nicht erstattungsfähig

**Rn. 73**

sind, weil der Beklagte bereits seine fehlende Zahlungsbereitschaft mitgeteilt hatte

**Rn. 75**

und die Klägerin davon ausgehen musste, dass die Anforderung durch das

**Rn. 76**

Inkassobüro nicht erfolgversprechend sein würde.

**Rn. 77**

Des Weiteren wurde seitens der Klägerin eine Auskunft aus der Schuldnerdatei

**Rn. 78**

eingeholt, für die der Klägerin Gebühren in Höhe von 1,40 € in Rechnung gestellt

**Rn. 79**

wurden. Auch dieser Betrag ist als Verzugsschaden zu ersetzen.

**Rn. 80**

Der Anspruch auf Zahlung von Verzugszinsen ab dem 16.10.2023 beruht auf §§ 286,

**Rn. 81**

288 BGB.

**Rn. 82**

Die prozessualen Nebenentscheidungen folgen aus §§ 91 Abs. 1, 708 Nr. 11, 711,

**Rn. 83**

713 ZPO.

**Rn. 84**

Der Streitwert wird auf 419,88 EUR festgesetzt.

**Rn. 85**

Rechtsbehelfsbelehrung:

**Rn. 86**

A) Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung für jeden zulässig, der

**Rn. 87**

durch dieses Urteil in seinen Rechten benachteiligt ist,

**Rn. 88**

1. wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 600,00 EUR übersteigt oder

**Rn. 89**

2. wenn die Berufung in dem Urteil durch das Amtsgericht zugelassen worden ist.

**Rn. 90**

Die Berufung muss innerhalb einer Notfrist von einem Monat nach Zustellung

**Rn. 91**

dieses Urteils bei dem Landgericht Hagen, Heinitzstr. 42, 58097 Hagen,

**Rn. 92**

eingegangen sein. Die Berufungsschrift muss die Bezeichnung des Urteils, gegen

**Rn. 93**

das die Berufung gerichtet wird, sowie die Erklärung, dass gegen dieses Urteil

**Rn. 94**

Berufung eingelegt werde, enthalten.

**Rn. 95**

Die Berufung ist, sofern nicht bereits in der Berufungsschrift erfolgt, binnen zwei

**Rn. 96**

Monaten nach Zustellung dieses Urteils gegenüber dem Landgericht Hagen zu

**Rn. 97**

begründen.

**Rn. 98**

Die Parteien müssen sich vor dem Landgericht Hagen durch einen Rechtsanwalt

**Rn. 99**

vertreten lassen, insbesondere müssen die Berufungs- und die

**Rn. 100**

Berufungsbegründungsschrift von einem solchen unterzeichnet sein.

**Rn. 101**

Mit der Berufungsschrift soll eine Ausfertigung oder beglaubigte Abschrift des

**Rn. 102**

angefochtenen Urteils vorgelegt werden.

**Rn. 103**

B) Gegen die Streitwertfestsetzung ist die Beschwerde an das Amtsgericht Hagen

**Rn. 104**

statthaft, wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 200,00 EUR übersteigt oder

**Rn. 105**

das Amtsgericht die Beschwerde zugelassen hat. Die Beschwerde ist spätestens

**Rn. 106**

innerhalb von sechs Monaten, nachdem die Entscheidung in der Hauptsache

**Rn. 107**

Rechtskraft erlangt oder das Verfahren sich anderweitig erledigt hat, bei dem

**Rn. 109**

Amtsgericht Hagen, Heinitzstr. 42/44, 58097 Hagen, schriftlich in deutscher Sprache

**Rn. 110**

oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle einzulegen. Die

**Rn. 111**

Beschwerde kann auch zur Niederschrift der Geschäftsstelle eines jeden

**Rn. 112**

Amtsgerichtes abgegeben werden.

**Rn. 113**

Ist der Streitwert später als einen Monat vor Ablauf dieser Frist festgesetzt worden,

**Rn. 114**

so kann die Beschwerde noch innerhalb eines Monats nach Zustellung oder

**Rn. 115**

formloser Mitteilung des Festsetzungsbeschlusses eingelegt werden.

**Rn. 116**

Hinweis zum elektronischen Rechtsverkehr:

**Rn. 117**

Die Einlegung ist auch durch Übertragung eines elektronischen Dokuments an die

**Rn. 118**

elektronische Poststelle des Gerichts möglich. Das elektronische Dokument muss für

**Rn. 119**

die Bearbeitung durch das Gericht geeignet und mit einer qualifizierten

**Rn. 120**

elektronischen Signatur der verantwortenden Person versehen sein oder von der

**Rn. 121**

verantwortenden Person signiert und auf einem sicheren Übermittlungsweg gemäß

**Rn. 122**

§ 130a ZPO nach näherer Maßgabe der Verordnung über die technischen

**Rn. 123**

Rahmenbedingungen des elektronischen Rechtsverkehrs und über das besondere

**Rn. 124**

elektronische Behördenpostfach (BGBl. 2017 I, S. 3803) eingereicht werden. Auf die

**Rn. 125**

Pflicht zur elektronischen Einreichung durch professionelle Einreicher/innen ab dem

**Rn. 126**

01.01.2022 durch das Gesetz zum Ausbau des elektronischen Rechtsverkehrs mit

**Rn. 127**

den Gerichten vom 10. Oktober 2013, das Gesetz zur Einführung der elektronischen

**Rn. 128**

Akte in der Justiz und zur weiteren Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs

**Rn. 129**

vom 5. Juli 2017 und das Gesetz zum Ausbau des elektronischen Rechtsverkehrs

**Rn. 130**

mit den Gerichten und zur Änderung weiterer Vorschriften vom 05.10.2021 wird

**Rn. 131**

hingewiesen.

**Rn. 132**

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Zitiervorschlag: Amtsgericht Hagen, Urteil vom 30.07.2024 – 14 C 45/24, ECLI:DE:AGHA:2024:0730.14C45.24.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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