nu:legal · recht.nulegal.eu

# Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.09.1999 – 24 C 6287/99

ECLI:DE:AGD:1999:0908.24C6287.99.00

## Tenor

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d :

**Rn. 2**

Die Parteien bewohnen übereinanderliegende Eigentumswoh-

**Rn. 3**

nungen auf der X-Straße 30 in X

**Rn. 4**

seit dem 1. November 1998. Das Schlafzimmer der Kläger

**Rn. 5**

befindet sich über dem Arbeitszimmer der Beklagten. Die

**Rn. 6**

Kläger behaupten, die Beklagten seien Kettenraucher und

**Rn. 7**

rauchten mindestens jeder 80 Zigaretten pro Tag. Der Zi-

**Rn. 8**

garettenrauch steige über Balkonschlitze und andere Öff-

**Rn. 9**

nungen in die Wohnung der Kläger. Der hierdurch entste-

**Rn. 10**

hende Geruch in der Wohnung der Kläger sei derart pene-

**Rn. 11**

trant und gesundheitsschädlich, daß sie deswegen ihr

**Rn. 12**

Schlafzimmer nicht benutzen könnten. Gleiches gelte für

**Rn. 13**

den Balkon.

**Rn. 14**

Die Kläger beantragen,

**Rn. 15**

1.

**Rn. 16**

ihre im Hause X-Straße 30, 1. OG

**Rn. 17**

befindliche Eigentumswohnung nicht zur Teras-

**Rn. 18**

se hin zu entlüften, wenn sie zuvor in ihrem

**Rn. 19**

Arbeitszimmer oder aber in einem anderen zur

**Rn. 20**

Terrasse hin gelegenen Zimmer geraucht haben;

**Rn. 21**

2.

**Rn. 22**

es zu unterlassen, bei geöffnetem Arbeitszim-

**Rn. 23**

merfenster zu rauchen;

**Rn. 24**

3.

**Rn. 25**

es überhaupt zu unterlassen, aus der Wohnung

**Rn. 26**

Nikotingeruch zu entsorgen, so lange sie nicht

**Rn. 27**

eine Klimaanlage mit Geruchsentsorgung ange-

**Rn. 28**

schafft haben.

**Rn. 29**

In der mündlichen Verhandlung vom 28. Juli 1999 haben in-

**Rn. 30**

folge des Auszuges des Beklagten zu 2. die Parteien den

**Rn. 31**

Rechtsstreit insoweit übereinstimmend für erledigt er-

**Rn. 32**

klärt. Die Kläger verfolgen den eingangs genannten Antrag

**Rn. 33**

lediglich noch gegen die Beklagte zu 1. weiter.

**Rn. 34**

Die Beklagte zu 1. beantragt,

**Rn. 35**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 36**

Der Beklagte zu 2. beantragt,

**Rn. 37**

die Kosten des Verfahrens hinsichtlich der

**Rn. 38**

Teilerledigung den Klägern aufzuerlegen.

**Rn. 39**

Die Beklagten bestreiten den von den Klägern behaupteten

**Rn. 40**

Konsum an Zigaretten. Keinesfalls käme es durch einen

**Rn. 41**

Rauch von ca. 20 Zigaretten pro Tag zu irgendwelchen meß-

**Rn. 42**

baren Gesundheitsbeeinträchtigungen der Kläger.

**Rn. 43**

Das Gericht hat Beweis erhoben gemäß Beweisbeschluss vom

**Rn. 44**

30. Juni 1999.

**Rn. 45**

Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf die

**Rn. 46**

Sitzungsniederschrift vom 28. Juli 1999 verwiesen.

**Rn. 47**

Wegen des übrigen Parteivorbringens wird auf die gewech-

**Rn. 48**

selten Schriftsätze Bezug genommen.

**Rn. 49**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 50**

Die Klage ist nicht begründet, soweit sie noch gegen die

**Rn. 51**

Beklagte zu 1. verfolgt wird.

**Rn. 52**

Die Kläger haben weder Ansprüche entsprechend den §§

**Rn. 53**

1004, 823 Abs. 1 und 2 BGB noch aus den §§ 906, 862 BGB

**Rn. 54**

gegen die Beklagte.

**Rn. 55**

Die Kläger haben nicht bewiesen, daß eine Störung der Be-

**Rn. 56**

klagten vorliegt, die übermäßig und nach den örtlichen

**Rn. 57**

Verhältnissen ungewöhnlich ist.

**Rn. 58**

Die Beweisaufnahme hat durch die überzeugende Aussage der

**Rn. 59**

Zeugin X, der Raumpflegerin der Parteien, erge-

**Rn. 60**

ben, daß die Beklagten zwar Zigaretten geraucht haben und

**Rn. 61**

Nikotinablagerungen an den Fenstern feststellbar waren,

**Rn. 62**

einen übermäßigen Nikotinkonsum hat die Zeugin jedoch

**Rn. 63**

nicht bekundet. Vielmehr hat sie sogar erklärt, daß bei

**Rn. 64**

der Nachforschung, woher denn der Zigarettenrauch käme,

**Rn. 65**

habe sie an einem Tage festgestellt, daß der Geruch aus

**Rn. 66**

einer Nachbarwohnung gekommen sei. Diese glaubhafte, ins-

**Rn. 67**

besondere unter Eid geleistete Aussage, wird auch die

**Rn. 68**

Parteivernehmung der Beklagten gestützt, die erklärt hat,

**Rn. 69**

sie rauche ungefähr eine Schachtel Zigaretten pro Tag,

**Rn. 70**

allerdings würde sie auch noch Konditionssport betreiben

**Rn. 71**

und wäre dazu schon als Kettenraucher gar nicht in der

**Rn. 72**

Lage.

**Rn. 73**

Damit steht zur Überzeugung des Gerichts fest, daß die

**Rn. 74**

Beklagte einen für Raucher durchschnittlichen Konsum an

**Rn. 75**

Zigaretten hat, welcher durch die Verteilung in der Luft

**Rn. 76**

keine derart gravierende Immission darstellt, daß sie ei-

**Rn. 77**

nen Stock höher derart gravierend wirkt, daß hieraus eine

**Rn. 78**

Duldungspflicht der Beklagten resultiert. Das Gericht sah

**Rn. 79**

sich nach der Beweisaufnahme nicht in der Lage, eine kon-

**Rn. 80**

krete Gefährdung der Kläger festzustellen. Immerhin sind

**Rn. 81**

"nicht wägbare" Immissionen, insbesondere also die Zufüh-

**Rn. 82**

rung von Gerüchen und Rauch nur dann geeignet, eine Klage

**Rn. 83**

wie die von den Klägern erhoben, zu begründen, wenn die

**Rn. 84**

betreffenden Einwirkungen die Benutzung der Wohnung nicht

**Rn. 85**

nur unwesentlich beeinträchtigen und sie zudem unüblich

**Rn. 86**

sind. Derartiges konnte das Gericht nicht feststellen.

**Rn. 87**

Zur Überzeugung des Gerichts vermag auch ein Gutachten

**Rn. 88**

des Sachverständigen Toxikologen Prof. Dr. X in X,

**Rn. 89**

wie es die Kläger beantragt haben, bei dem Konsum

**Rn. 90**

der Beklagten nicht mehr als nur unwesentliche Beein-

**Rn. 91**

trächtigung der Kläger ergeben.

**Rn. 92**

Die Klage der Kläger gegen die Beklagte zu 1. war somit

**Rn. 93**

abzuweisen.

**Rn. 94**

Soweit die Parteien übereinstimmend den Rechtsstreit hin-

**Rn. 95**

sichtlich des Klägers zu 2. durch Auszug für erledigt er-

**Rn. 96**

klärt haben, waren die Kosten entsprechend § 91 a ZPO den

**Rn. 97**

Klägern aufzuerlegen. Diese hätte nach der Beweisaufnahme

**Rn. 98**

voraussichtlich gegen den Beklagten zu 2. nicht obsiegt.

**Rn. 99**

In Verbindung mit der Aussage der vereidigten Zeugin

**Rn. 100**

X und der Aussage des Beklagten als Partei hat

**Rn. 101**

dieser ebenfalls nicht übermäßig Rauch und Gerüche produ-

**Rn. 102**

ziert.

**Rn. 103**

die Entscheidungen im übrigen folgen aus den §§ 91, 100,

**Rn. 104**

708 Nr. 11, 711 ZPO.

---

Zitiervorschlag: Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.09.1999 – 24 C 6287/99, ECLI:DE:AGD:1999:0908.24C6287.99.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-duesseldorf/1999-09-08/24-c-6287-99

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
