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# Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.12.1998 – 21 C 16571/97

ECLI:DE:AGD:1998:1208.21C16571.97.00

## Tenor

hat das Amtsgericht Düsseldorf

auf die mündliche Verhandlung vom 17. November 1998

durch den Richter am Amtsgericht X

für R e c h t erkannt:

Das Versäumnisurteil des Amtsgerichtes Düsseldorf vom

28. August 1998 wird mit der Maßgabe aufrecht erhal-

ten, daß die Beklagte verpflichtet ist, den über die

Klägerin mit versicherten Herrn X von

sämtlichen Kosten (Rechtsanwalts- und Gerichtskosten)

freizustellen, die im Zusammenhang mit dem arbeitsge-

richtlichen Verfahren - Arbeitsgericht Bonn, Az.: 5

Ca 3757/96 -, und dem Berufungsverfahren - Landesar-

beitsgericht Köln, Az.: 4 Sa 798/98 -, entstehen.

Die weiteren Kosten des Rechtsstreites trägt die Be-

klagte.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von

3.000,-- DM vorläufig vollstreckbar.

Die Zwangsvollstreckung aus dem Versäumnisurteil darf

nur fortgesetzt werden, wenn diese Sicherheit er-

bracht ist.

Die Sicherheitsleistung kann auch durch die selbst-

schuldnerische Bürgschaft einer deutschen Bank oder

Sparkasse erbracht werden.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d :

**Rn. 2**

Die Klägerin ist bei der Beklagten rechtsschutzversichert.

**Rn. 3**

Ihr Lebensgefährte, der Zeuge X, mit dem die Klägerin

**Rn. 4**

seit dem Jahre 1986 zusammenlebt, ist seit dem 27. Juni

**Rn. 5**

1996 in den Versicherungsschutz einbezogen. Im Dezember

**Rn. 6**

1996 erhob er vor dem Arbeitsgericht in Bonn unter dem im

**Rn. 7**

Tenor angegebenen Aktenzeichen eine Kündigungsschutzklage

**Rn. 8**

gegenüber seiner Arbeitgeberin, der Firma X. Diese

**Rn. 9**

hatte das bestehende Beschäftigungsverhältnis mit der Be-

**Rn. 10**

gründung fristlos gekündigt, der Zeuge habe eine nicht ge-

**Rn. 11**

nehmigte, selbständige Nebentätigkeit ausgeführt. Der Ar-

**Rn. 12**

beitsrechtsstreit, in dem der Zeuge X später auch ei-

**Rn. 13**

nen Weiterbeschäftigungsanspruch sowie Zahlungsforderungen

**Rn. 14**

geltend gemacht hat, befindet sich mittlerweile in der Be-

**Rn. 15**

rufungsinstanz. Die Beklagte lehnt die Gewährung von

**Rn. 16**

Rechtsschutz für dieses Verfahren ab.

**Rn. 17**

Mit der vorliegenden Klage verfolgt die Klägerin die ge-

**Rn. 18**

richtliche Feststellung darüber, daß die Beklagte zur Frei-

**Rn. 19**

stellung von Kosten im Hinblick auf das arbeitsgerichtliche

**Rn. 20**

Verfahren verpflichtet ist.

**Rn. 21**

Sie hat zunächst beantragt:

**Rn. 22**

Es wird festgestellt, daß die Beklagte ver-

**Rn. 23**

pflichtet ist, die Klägerin von sämtlichen

**Rn. 24**

Rechtsanwaltskosten, die im Zusammenhang mit

**Rn. 25**

dem arbeitsgerichtlichen Verfahren beim Ar-

**Rn. 26**

beitsgericht Bonn (Az.: - 5 Ca 3757/96 -) ent-

**Rn. 27**

stehen, freizustellen.

**Rn. 28**

Die Beklagte hat insoweit den Antrag gestellt,

**Rn. 29**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 30**

Auf Antrag der Klägerin erging im Termin vom 28. August

**Rn. 31**

1998 ein ihrem Antrag entsprechendes Versäumnisurteil. Ge-

**Rn. 32**

gen das Versäumnisurteil legte die Beklagte form- und

**Rn. 33**

fristgerecht Einspruch ein.

**Rn. 34**

Die Klägerin beantragt nunmehr,

**Rn. 35**

- wie erkannt -.

**Rn. 36**

Die Beklagte stellt den Antrag,

**Rn. 37**

die Klage unter Aufhebung des Versäumnisurteils

**Rn. 38**

abzuweisen.

**Rn. 39**

Zur Begründung trägt sie im wesentlichen folgendes vor:

**Rn. 40**

Der von der Klägerin begehrte Rechtsschutz sei aus dem Ge-

**Rn. 41**

sichtspunkt der Vorvertraglichkeit gemäß § 4 Abs. 1 c ARB

**Rn. 42**

94 zu versagen, da die frühere Arbeitgeberin des Zeugen

**Rn. 43**

X ihm im Zusammenhang mit der Kündigung vorgeworfen

**Rn. 44**

habe, schon seit Anfang 1996 durch seine selbständige Tä-

**Rn. 45**

tigkeit gegen den Arbeitsvertrag verstoßen zu haben. Im üb-

**Rn. 46**

rigen sei der Versicherungsschutz auch nach § 26 Abs. 1

**Rn. 47**

Satz 2 ARB 94 ausgeschlossen, da es in dem arbeitsrechtli-

**Rn. 48**

chen Verfahren um die Wahrnehmung rechtlicher Interessen im

**Rn. 49**

Zusammenhang mit einer selbständigen Tätigkeit gehe, für

**Rn. 50**

die kein Versicherungsschutz bestehe.

**Rn. 51**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes

**Rn. 52**

wird auf den gesamten Akteninhalt Bezug genommen.

**Rn. 53**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Vernehmung der Zeugen

**Rn. 54**

XXX, XX und X. Wegen des Ergebnisses der Beweis-

**Rn. 55**

aufnahme wird auf die Sitzungsniederschriften vom 24. Juli

**Rn. 56**

1998 (Bl. 69 - 71 d. A.), vom 16. Juli 1998 (Bl. 79 und 80

**Rn. 57**

d. A.) sowie vom 28. August 1998 (Bl. 93 - 95 d. A.) ver-

**Rn. 58**

wiesen.

**Rn. 59**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 60**

Die Klage ist begründet.

**Rn. 61**

Die Klägerin ist aufgrund des mit der Beklagten begründeten

**Rn. 62**

Rechtsschutzversicherungsvertrages berechtigt, diese zugun-

**Rn. 63**

sten des mitversicherten Zeugen X auf Freistellung von

**Rn. 64**

Kosten des aus dem im Tenor näher bezeichneten Rechtsstrei-

**Rn. 65**

tes in Anspruch zu nehmen.

**Rn. 66**

Daß das unter der Versicherungsscheinnummer X

**Rn. 67**

geführte Versicherungsverhältnis der Parteien auch den Be-

**Rn. 68**

rufsrechsschutz für Nichtselbständige mitumfaßt und der

**Rn. 69**

Lebensgefährte der Klägerin seit dem 27 Juni 1996 in den

**Rn. 70**

Vertrag einbezogen ist, steht zwischen den Parteien nicht

**Rn. 71**

in Streit. Der vom Zeugen X seit Dezember 1996 geführ-

**Rn. 72**

te Rechtsstreit unterfällt danach dem Schutzbereich des

**Rn. 73**

Versicherungsvertrages.

**Rn. 74**

Gegenüber der berechtigten Inanspruchnahme durch die Kläge-

**Rn. 75**

rin kann sich die Beklagte nicht mit Erfolg auf das Vorlie-

**Rn. 76**

gen eines vorvertraglichen Rechtsverstoßes des Zeugen X

**Rn. 77**

im Sinne von § 4 Abs. 1 c ARB 94 berufen. Dabei ver-

**Rn. 78**

kennt das Gericht nicht, daß der Zeuge die ihm vorgeworfene

**Rn. 79**

selbständige Nebentätigkeit unstreitig bereits seit Beginn

**Rn. 80**

des Beschäftigungsverhältnisses bei der Firma X

**Rn. 81**

per 1. Februar 1996 ausgeübt hat. Nach dem Ergebnis der Be-

**Rn. 82**

weisaufnahme steht aber fest, daß ihm seine damalige Ar-

**Rn. 83**

beitgeberin erstmals im Herbst 1996 anläßlich einer Tagung

**Rn. 84**

in mündlicher Forma sowie mit Abmahnung vom 2. Dezember

**Rn. 85**

1996 erstmals schriftlich die Ausübung dieser Nebentätig-

**Rn. 86**

keit als Vertragspflichtverletzung angelastet hat. Dies er-

**Rn. 87**

gibt sich aus dem insoweit im wesentlichen übereinstimmen-

**Rn. 88**

den Bekundungen der Zeugen XXX, XX und X. Obwohl

**Rn. 89**

der Firma X schon seit Beginn des Beschäftigungs-

**Rn. 90**

verhältnisses die Nebentätigkeit des Zeugen bekannt war,

**Rn. 91**

hat sie diesen Umstand zuvor nicht zum Anlaß einer

**Rn. 92**

Kritik oder einer Abmahnung gemacht. Daß sie seit Beginn

**Rn. 93**

des Vertragsverhältnisses Kenntnis von der Nebentätigkeit

**Rn. 94**

des Zeugen hatte, haben die Zeugen XX und X über-

**Rn. 95**

einstimmend bekundet. Bei dieser Sachlage konnte aber weder

**Rn. 96**

die Klägerin noch der Zeuge X bei seiner Einbeziehung

**Rn. 97**

in den Rechtsschutzversicherungsvertrag im Juni 1996 kon-

**Rn. 98**

kret damit rechnen, daß die selbständige Tätigkeit von der

**Rn. 99**

Arbeitgeberin des Zeugen zum Anlaß einer Rechtsstreitigkeit

**Rn. 100**

gemacht werden würde. Sinn und Zweck der Regelung des § 4

**Rn. 101**

Abs. 1 c ARB 94 ist es aber, nach Möglichkeit zu verhin-

**Rn. 102**

dern, daß die Risikogemeinschaft die Kosten für solche

**Rn. 103**

rechtlichen Auseinandersetzungen übernehmen muß, mit deren

**Rn. 104**

Eintritt der Versicherungsnehmer bei Stellung des Versiche-

**Rn. 105**

rungsantrages schon konkret rechnen mußte. Hierauf weist

**Rn. 106**

die Klägerin unter Bezugnahme auf die zitierte Literatur zu

**Rn. 107**

Recht hin.

**Rn. 108**

Entgegen der Ansicht der Beklagten ist die Gewährung des

**Rn. 109**

Versicherungsschutzes auch nicht gemäß § 26 Abs. 1 Satz 2

**Rn. 110**

ARB 94 ausgeschlossen. In der Prozeßführung beim Arbeitsge-

**Rn. 111**

rich in Bonn sowie nunmehr beim Landesarbeitsgericht in

**Rn. 112**

Bonn liegt keine Wahrnehmung rechtlicher Interessen im Zu-

**Rn. 113**

sammenhang mit einer selbständigen Tätigkeit. Der Rechts-

**Rn. 114**

streit hat seine Grundlage vielmehr in dem per 1. Februar

**Rn. 115**

1996 mit der Firma X begründeten Arbeitsverhältnis. Der

**Rn. 116**

ausschließliche Streitpunkt der Parteien liegt in der un-

**Rn. 117**

terschiedlichen Beurteilung darüber, ob Pflichten aus dem

**Rn. 118**

bestehenden Beschäftigungsverhältnis durch die Nebentätig-

**Rn. 119**

keit des Zeugen verletzt wurden oder nicht. Auch der später

**Rn. 120**

erweiternd geltend gemachte Weiterbeschäftigungsanspruch

**Rn. 121**

sowie die Zahlungsforderungen werden erkennbar aus dem An-

**Rn. 122**

stellungsvertrag vom 2. Februar 1996 hergeleitet.

**Rn. 123**

Nach alledem kann für die vorliegende Entscheidung dahin-

**Rn. 124**

stehen, ob die Klägerin aus dem - von der Beklagten nicht

**Rn. 125**

in Abrede gestellten - Umstand, daß die Beklagte für den

**Rn. 126**

vom Zeugen X schon im Jahre 1995 unter dem Aktenzei-

**Rn. 127**

chen 2 Ca 3226/06, Arbeitsgericht Bonn, geführten Rechts-

**Rn. 128**

streits gegen die Firma XX Dek-

**Rn. 129**

kungsschutz gewährt hat, einen hinreichenden Vertrauenstat-

**Rn. 130**

bestand auch für die Annahme einer Freistellung von den Ko-

**Rn. 131**

sten des im Tenor bezeichneten Rechtsstreits gesetzt hat

**Rn. 132**

oder nicht.

**Rn. 133**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO, die Entschei-

**Rn. 134**

dung über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf §§ 709 und

**Rn. 135**

108 ZPO.

**Rn. 136**

Streitwert:

**Rn. 137**

1. bis zum 15.10.1998 6.000,-- DM,

**Rn. 138**

2. danach 10.000,-- DM.

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Zitiervorschlag: Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.12.1998 – 21 C 16571/97, ECLI:DE:AGD:1998:1208.21C16571.97.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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