nu:legal · recht.nulegal.eu

# Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 19.09.1995 – 54 C 21193/94

ECLI:DE:AGD:1995:0919.54C21193.94.00

## Tenor

hat das Amtsgericht Düsseldorf

auf die mündliche Verhandlung vom 5. September 1995

durch den Richter am Amtsgericht X

für R e c h t erkannt:

Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin

1.162,-- DM nebst 4 % Zinsen seit dem 22.09.1994

zu zahlen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen die Klägerin

zu 4/5, die Beklagte zu 1/5.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d :

**Rn. 2**

Die Klägerin unternahm zusammen mit dem Zedenten

**Rn. 3**

X in der Zeit vom 24.07. bis 21.08.1994 eine

**Rn. 4**

von der Beklagten veranstaltete Flugpauschalreise in

**Rn. 5**

das Hotel "X" nahe X/XX.

**Rn. 6**

Der Reisepreis betrug insgesamt 4.648,-- DM.

**Rn. 7**

Mit der vorliegenden Klage nimmt die Klägerin (hinsicht-

**Rn. 8**

lich des Zedenten X aus abgetretenem Recht) die

**Rn. 9**

Beklagte auf Minderung des Reisepreises sowie auf Scha-

**Rn. 10**

denersatz in Anspruch.

**Rn. 11**

Sie trägt vor, daß die Reiseleistung der Beklagten in

**Rn. 12**

vielen Punkten mangelhaft gewesen sei. Wegen der Bean-

**Rn. 13**

standungen im einzelnen wird auf die Schriftsätze der

**Rn. 14**

Klägerin Bezug genommen.

**Rn. 15**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 16**

die Beklagte zu verurteilen, an sie 5.938,80 DM

**Rn. 17**

nebst 4 % Zinsen seit dem 22.09.1994 zu zahlen.

**Rn. 18**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 19**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 20**

Sie bestreitet die von der Klägerin behaupteten Mängel

**Rn. 21**

und trägt vor, daß sie die ihr aus dem Reisevertrag ob-

**Rn. 22**

liegenden Verpflichtungen ordnungsgemäß erfüllt hätte.

**Rn. 23**

Wegen des übrigen Parteivorbringens wird auf den Aktenin-

**Rn. 24**

halt Bezug genommen.

**Rn. 25**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

**Rn. 26**

Die Klage ist hinsichtlich eines Betrages von 1.162,-- DM

**Rn. 27**

begründet, im übrigen unbegründet.

**Rn. 28**

Die Klägerin hat gemäß § 651 d BGB gegen die Beklagte

**Rn. 29**

einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises, da der

**Rn. 30**

Aufenthalt der Klägerin und des Zedenten X in

**Rn. 31**

dem gebuchten Hotel "X" teilweise mangelhaft

**Rn. 32**

im Sinne des § 651 c BGB gewesen ist.

**Rn. 33**

Ein Reisemangel bestand darin, daß, was die Klägerin

**Rn. 34**

durch Vorlage einer Fotografie nachgewiesen hat, hinter

**Rn. 35**

der in ihrem Zimmer befindlichen Nachttischkonsole

**Rn. 36**

fingerdicke Kabel ungeschützt aus der Wand heraustraten.

**Rn. 37**

Soweit die Klägerin darüber hinaus unter Hinweis darauf,

**Rn. 38**

daß die Beklagte das Hotel in ihrem Reisekatalog mit

**Rn. 39**

5 Sternen versehen hat, den mangelnden Komfort des Hotel-

**Rn. 40**

zimmers rügt, ist diese Rüge unberechtigt. Es gibt kei-

**Rn. 41**

nen allgemeinen Grundsatz, daß ein Hotelzimmer der ange-

**Rn. 42**

gegenen Kategorie mehr Einrichtungsgegenstände als - wie

**Rn. 43**

vorhanden - Betten, Nachttischschränke, Kleiderschrank

**Rn. 44**

sowie Sitzgelegenheiten für 2 Personen hat. Auch stellt

**Rn. 45**

es keinen Mangel dar, daß die Betten aus einem Metall-

**Rn. 46**

gestell ohne Federungsmöglichkeit bestanden, da der

**Rn. 47**

Schlafkomfort ausschließlich von der Qualität der auf-

**Rn. 48**

gebrachten Matzratzen abhängt. Daß diese mangelhaft ge-

**Rn. 49**

wesen seien, hat die Klägerin nicht hinreichend substan-

**Rn. 50**

tiiert vorgetragen.

**Rn. 51**

Daß sich im Umfeld des Hotels aufhaltende Hühnervieh

**Rn. 52**

stellt keinen Reisemangel dar, da der Reisende bei einer

**Rn. 53**

Reise in die X mit solchen Umständen rechnen muß

**Rn. 54**

und damit auch das Auftreten morgendlichen Hahnenschreis

**Rn. 55**

bei der Buchung billigend in Kauf nimmt.

**Rn. 56**

Eine Lärmbelästigung der Klägerin und ihres Begleiters

**Rn. 57**

durch morgendliche Techno-Musik ist nicht hinreichend

**Rn. 58**

dargetan, da die Beschreibung, daß die Musikanlage

**Rn. 59**

"in entsprechender Lautstärke" bedient worden sei, kei-

**Rn. 60**

ne Rückschlüsse darauf zuläßt, wie laut die Musik gewe-

**Rn. 61**

sen ist.

**Rn. 62**

Entsprechendes gilt für die Behauptung der Klägerin zu

**Rn. 63**

dem Komplex Baustellenlärm. Da die Klägerin keine An-

**Rn. 64**

gaben darüber gemacht hat, in welcher Entfernung sich

**Rn. 65**

die Baustelle zum Hotelzimmer der Klägerin befunden

**Rn. 66**

hat, sind keine zuverlässigen Rückschlüsse darauf mög-

**Rn. 67**

lich, in welchem Maße ein von der Baustelle ausgehender

**Rn. 68**

Baulärm die Klägerin und ihrem Begleiter hätte tangieren

**Rn. 69**

können.

**Rn. 71**

Auch die Angaben der Klägerin zur Qualität des im Hotel

**Rn. 72**

verabreichten Essens reichen zur Begründung eines min-

**Rn. 73**

derungsanspruches nicht aus. Dabei ist zu berücksichtigten,

**Rn. 74**

daß für die Beurteilung eines Speisemangels nur objektive

**Rn. 75**

Kriterien herangezogen werden können, so daß etwa die

**Rn. 76**

Bezeichnung des Bratenfleisches als fad oder die Bezeich-

**Rn. 77**

nung der Melonen als wässrig untauglich sind, da sie le-

**Rn. 78**

diglich subjektive Empfindungen wiedergeben. Der Umstand,

**Rn. 79**

daß es jeweils freitags den gleichen gegrillten Fisch

**Rn. 80**

gegeben hat, stellt keinen ins Gewicht fallenden Reise-

**Rn. 81**

mangel dar; hinsichtlich der Bezeichnung des Fisches als

**Rn. 82**

fett und schlecht schmeckend gilt das Vorerwähnte. Die

**Rn. 83**

weitere Aufzählung, daß zähe Steaks, trockene und hart

**Rn. 84**

gegrillte Leber, Salate aus Resteverwertung und fette

**Rn. 85**

und unbekömmliche Speisen an der Tagesordnung waren, ist

**Rn. 86**

sowohl hinsichtlich der Qualifizierung des Essens als

**Rn. 87**

auch der Häufigkeit der Auftischung dieser Speisen un-

**Rn. 88**

substantiiert.

**Rn. 89**

Als erheblichen Mangel sieht das Gericht allerdings den

**Rn. 90**

von der Beklagten nicht bestrittenen Umstand an, daß

**Rn. 91**

sich in dem Hotel überwiegend sogenannte Billig-Touristen

**Rn. 92**

aus X, XX, XXX und XXXX aufhielten, wel-

**Rn. 93**

che sich insbesondere während der Mahlzeiten entsprechend

**Rn. 94**

verhielten. Wenn diese Gäste abends am Tisch in Unterhem-

**Rn. 95**

den saßen und das Essen in sich hineinschlagen, dann

**Rn. 96**

wird dadurch das Ambiente, welches der Reisegast bei der

**Rn. 97**

Buchung in einem 5-Sterne-Hotel erwarten kann, ganz we-

**Rn. 98**

sentlich gestört. Es kann nicht verkannt werden, daß

**Rn. 99**

dadurch der gesamte Erholungswert einer Reise beeinträch-

**Rn. 100**

tigt wird, was zur Folge hat, daß insoweit der Klägerin

**Rn. 101**

ein Minderungsanspruch zuzubilligen ist.

**Rn. 102**

Die Bezeichnung des Service als katastrophal ist unsub-

**Rn. 103**

stantiiert und damit rechtlich unbeachtlich.

**Rn. 104**

Auch stellt es keinen minderungsbegründenden Mangel dar,

**Rn. 105**

daß es den Hotelgästen untersagt war, Getränke, Lebens-

**Rn. 106**

mittel und Obst außerhalb der Anlage käuflich zu erwer-

**Rn. 107**

ben und in die Anlage zu bringen. Insoweit hat die Klä-

**Rn. 108**

gerin auch nicht vorgetragen, daß es ihr nicht möglich

**Rn. 109**

gewesen wäre, die genannten Lebensmittel vom Hotelper-

**Rn. 110**

sonal unbemerkt in ihr Hotelzimmer zu bringen.

**Rn. 111**

Soweit es im Hotel nach dem unwidersprochen gebliebenen

**Rn. 112**

Vortrag der Klägerin keine abendlichen Shows gegeben

**Rn. 113**

hat, ist dies ein Reisemangel, da die Darbietung nächt-

**Rn. 114**

licher Shows im Reisekatalog zugesichert worden ist.

**Rn. 115**

Demgegenüber stellt sich die Behauptung der Klägerin,

**Rn. 116**

daß Animationsprogramm sei dilettantisch und langweilig

**Rn. 117**

gewesen, als nicht hinreichend substantiierte und zudem

**Rn. 118**

persönlich eingefärbte Bewertung dar.

**Rn. 119**

Schließlich waren auch die Angaben der Klägerin zum

**Rn. 120**

Zustand des Wassers und des Strandes nur bedingt ge-

**Rn. 121**

eignet einen Reisemangel zu begründen. Denn die Klä-

**Rn. 122**

gerin hat nicht hinreichend substantiiert dargetan, in

**Rn. 123**

welcher Häufigkeit durch den aus Süden wehenden Wind

**Rn. 124**

Müll an den Strand gespült worden ist, so daß sich ei-

**Rn. 125**

ne konkrete Beeinträchtigtung der Klägerin und ihres

**Rn. 126**

Begleiters nicht mit hinreichender Bestimmtheit fest-

**Rn. 127**

stellen läßt. Auch führt der bloße Umstand, daß die

**Rn. 128**

deutsche Leitung der Tauchschule in der letzten Wo-

**Rn. 129**

che nicht mehr an Ort und Stelle war, zu keiner er-

**Rn. 130**

kennbaren Beeinträchtigung einer eventuellen Tauch-

**Rn. 131**

tätigkeit der Klägerin und ihres Begleiters.

**Rn. 132**

Unter Berücksichtigung aller Umstände hält das Gericht

**Rn. 133**

eine Minderung des Reisepreises in Höhe von 25 % für

**Rn. 134**

angemessen, so daß der Klage in Höhe eines Betrages

**Rn. 135**

von 1.162,-- DM unter Abweisung im übrigen stattzu-

**Rn. 136**

geben war.

**Rn. 137**

Eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubs-

**Rn. 138**

zeit im Sinne des § 651 f BGB steht der Klägerin nicht

**Rn. 139**

zu, da ein solcher Anspruch nach ständiger Rechtspre-

**Rn. 140**

chung eine Mangelhaftigkeit der Reiseleistung der Be-

**Rn. 141**

klagten voraussetzen würde, die einen mindestens 50 %igen

**Rn. 142**

Minderungsanspruch rechtfertigen würde. Dies ist aber

**Rn. 143**

vorliegend, wie dargelegt, nicht gegeben.

**Rn. 144**

Nach allem war daher wie geschehen zu entscheiden.

**Rn. 145**

Der Zinsanspruch rechtfertigt sich aus §§ 288 und 286 BGB.

**Rn. 146**

Die Nebenentscheidungen folgen aus §§ 91, 708 Nr. 11,

**Rn. 147**

711 ZPO.

**Rn. 148**

Streitwert: 5.938,-- DM.

---

Zitiervorschlag: Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 19.09.1995 – 54 C 21193/94, ECLI:DE:AGD:1995:0919.54C21193.94.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-duesseldorf/1995-09-19/54-c-21193-94

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
