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# Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 24.01.1990 – 29 C 10453/89

ECLI:DE:AGD:1990:0124.29C10453.89.00

## Tenor

hat das Amtsgericht Düsseldorf

auf die mündliche Verhandlung vom 15. November 1989

durch die Richterin X für R e c h t erkannt:

Die Klage wird abgewiesen.

Der Klägerin fallen die Kosten des

Rechtsstreits zur Last.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Die Klägerin darf die Vollstreckung durch

Sicherheitsleistung in Höhe von 500,-- DM

abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der

Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

Die jeweiligen Sicherheiten dürfen auch durch eine

selbstschuldnerische Bürgschaft einer in der Bundes-

republik oder Westberlin ansässigen Großbank oder

Sparkasse geleistet werden.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin ist als Halterin des PKW X, Erst-

**Rn. 3**

zulassung 1976, Fahrgestell Nr. 90236, mit dem amtlichen Kenn-

**Rn. 4**

zeichen X durch Versicherungsvertrag vom 30.9.1986 bei

**Rn. 5**

der Beklagten kraftfahrtversichert. Hierzu gehört auch eine

**Rn. 6**

Kfz-Diebstahlversicherung. Das Fahrzeug wurde in der Nacht

**Rn. 7**

vom 24.1. auf den 25.1.1989 zwischen 22 und 2.00 Uhr vor der

**Rn. 8**

Gaststätte X auf der X Straße in X von

**Rn. 9**

Unbekannten entwendet. Dort hatte ihn der Ehemann der Klägerin

**Rn. 10**

zum Zwecke des Gaststättenbesuchs abgestellt.

**Rn. 11**

Den PKW-Schlüssel hatte der Ehemann der Klägerin in die

**Rn. 12**

Tasche seiner Lederjacke gesteckt und diese an die Garderobe

**Rn. 13**

gehängt.

**Rn. 14**

Die Klägerin behauptet, vom Platz ihres Ehemannes aus sei

**Rn. 15**

die Jacke die gesamte Zeit über gut sichtbar gewesen.

**Rn. 16**

Die Gaststätte sei an diesem Abend nur sehr spärlich besucht

**Rn. 17**

gewesen, weshalb der Blick auf die Jacke die ganze Zeit über

**Rn. 18**

vollkommen frei gewesen sei. Ihr Ehemann habe die Jacke die

**Rn. 19**

ganze Zeit über im Auge behalten. Die Jacke und der Schlüssel

**Rn. 20**

seien sodann während eines ganz kurzen unbeaufsichtigten Moments

**Rn. 21**

gestohlen worden.

**Rn. 22**

Das von der Staatsanwaltschaft X eingeleitete Ermittlungs-

**Rn. 23**

verfahren wurde durch Verfügung vom 13.2.1989 eingestellt,

**Rn. 24**

weil der Täter nicht ermittelt werden konnte. Die Klägerin

**Rn. 25**

zeigte der Beklagten den Schaden am 25.1.1989 an; die Beklagte

**Rn. 26**

lehnte die Regulierung mit Schreiben vom 15.5.1989 ab.

**Rn. 27**

Die Klägerin beziffert ihren Schaden auf 2.500,-- DM

**Rn. 28**

(s. Berechnung Blatt 5 ff d.A.).

**Rn. 29**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 30**

die Beklagte zu verurteilen, an sie

**Rn. 31**

2.500,-- DM nebst 4 % Zinsen seit dem 12.7.1989

**Rn. 32**

zu zahlen.

**Rn. 33**

Die Beklagte bittet um

**Rn. 34**

Klageabweisung.

**Rn. 35**

Sie vertritt die Auffassung, dass der Versicherungsfall von

**Rn. 36**

einem Repräsentanten der Klägerin grob fahrlässig herbeige-

**Rn. 37**

führt worden sei, was zu ihrer Leistungsfreiheit führe.

**Rn. 38**

Zum einen sei der Ehemann der Klägerin seit Erwerb des

**Rn. 39**

Fahrzeugs im September 1986 bis zu dessen Diebstahl der

**Rn. 40**

alleinige Benutzer gewesen, so daß er Repräsentant der Klägerin

**Rn. 41**

sei und sie sich also dessen Verhalten zurechnen lassen müsse.

**Rn. 42**

Grobes Verhalten ergebe sich zum einen daraus, dass der Ehemann

**Rn. 43**

der Klägerin schon angesichts der in der Gaststätte statt-

**Rn. 44**

findenden Unterhaltungen nicht die ganze Zeit seine Jacke fixiert

**Rn. 45**

haben könne, zumal sich neben der Garderobe ein Spielauto-

**Rn. 46**

mat befinde, an dem zur fraglichen Zeit ständig Leute gewesen

**Rn. 47**

seien. Im übrigen habe der Ehemann der Klägerin an diesem

**Rn. 48**

Abend in ganz erheblichem Maß dem Alkohol zugesprochen

**Rn. 49**

und sich auch zeitweise am Billardtisch aufgehalten. Zu-

**Rn. 50**

mindest in der letzten Zeit seines Gaststättenbesuchs habe

**Rn. 51**

er seine Jacke infolge Alkoholgenusses nicht mehr im Auge

**Rn. 52**

behalten können.

**Rn. 53**

Wegen der Einzelheiten des Vortrags der Parteien wird auf den

**Rn. 54**

Inhalt der von ihnen eingereichten vorbereitenden Schriftsätze

**Rn. 55**

nebst Anlagen verwiesen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 57**

Die Klage ist unbegründet.

**Rn. 58**

Die Klägerin kann von der Beklagten nicht Ersatz des Schadens

**Rn. 59**

verlangen, weil die Beklagte nach § 61 VVG von ihrer Pflicht

**Rn. 60**

zur Leistung frei ist.

**Rn. 61**

Der Ehemann der Klägerin ist deren Repräsentant im versicherungs-

**Rn. 62**

rechtlichen Verhältnis zur Beklagten. In der Fahrzeugver-

**Rn. 63**

sicherung ist Repräsentant des Versicherungsnehmers, wer

**Rn. 64**

an seiner Stelle Halter und Wartung des versicherten Kfz

**Rn. 65**

übernimmt.; die Befugnis, für den Versicherungsnehmer

**Rn. 66**

rechtsgeschäftlich zu handeln, ist nicht erforderlich

**Rn. 67**

(BGH –Versicherungsrecht 69, 1068). Konkretisiert bedeutet

**Rn. 68**

dies, dass bei einer Kfz-Kaskoversicherung der Ehemann des

**Rn. 69**

Versicherungsnehmers dann als dessen Repräsentant anzusehen ist,

**Rn. 70**

wenn er das versicherte Fahrzeug ständig fährt, im Besitz

**Rn. 71**

der Papiere und sämtlicher Schlüssel ist und jeden Fahrzeug-

**Rn. 72**

schaden wirtschaftlich trägt (OLG Karlsruhe Versicherungs-

**Rn. 73**

recht 76,58).

**Rn. 74**

Diese Voraussetzungen liegen hier vor.

**Rn. 75**

Aus der Vernehmungsniederschrift des Ehemannes der Klägerin

**Rn. 76**

geht hervor, dass für den PKW nur ein Schlüssel existierte;

**Rn. 77**

der zweite, seinerzeit mitverkaufte Schlüssel war im Jahre

**Rn. 78**

1986 verlorengegangen. Der Ehemann der Klägerin war also zum

**Rn. 79**

Diebstahlzeitpunkt alleiniger Schlüsselinhaber des Fahrzeugs.

**Rn. 80**

Die Klägerin kann auch nicht bestreiten, dass ihr Mann den

**Rn. 81**

Schaden wirtschaftlich trägt. Sie selbst bringt vor, die

**Rn. 82**

Unterhaltung des Fahrzeugs vom Haushaltsgeld abzuzweigen.

**Rn. 83**

Dies bedeutet i. ü. nicht nur, dass ihr Ehemann den Verlust wirtschaftlich

**Rn. 84**

trägt; wirtschaftlich trug er auch den Unterhalt des Fahrzeugs,

**Rn. 85**

mag dies auch ein durchlaufender Posten "im Haushaltsgeld" der Klägerin

**Rn. 86**

gewesen sein.

**Rn. 87**

Der Ehemann der Klägerin sprach im übrigen bei der poli-

**Rn. 88**

zeilichen Vernehmung von "meinem PKW", den "auch meine Frau"

**Rn. 89**

benutzt. Aus diesen Formulierungen geht hervor, dass der

**Rn. 90**

Ehemann der Klägerin das Fahrzeug als seines betrachtet,

**Rn. 91**

was von der Kostentragung durch ihn untermauert wird.

**Rn. 92**

Da der Ehemann der Klägerin den Diebstahl grob fahrlässig

**Rn. 93**

ermöglicht hat, besteht Leistungsfreiheit der Beklagten.

**Rn. 94**

Grob fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche

**Rn. 95**

Sorgfalt gröblich, in hohem Maße, außer Acht lässt und nicht

**Rn. 96**

das beachtet, was unter den gegebenen Umständen jedem ein-

**Rn. 97**

leuchten müsste (vgl. Prölss/Martin, Anm. 12 zu § 6 VVG).

**Rn. 98**

Grob fahrlässig handelt also, wer unbekümmert und leichtfertig

**Rn. 99**

agiert. Dabei ist das Verhalten des Versicherungsnehmers

**Rn. 100**

- bzw. seines Repräsentanten - in seiner Gesamtheit zu betrachten,

**Rn. 101**

so dass das Zusammentreffen von – für sich genommen – tolerier-

**Rn. 102**

baren Umständen den qualifizierten Vorwurf begründen kann.

**Rn. 103**

Aus der polizeilichen Aussage des Ehemannes der Klägerin geht

**Rn. 104**

hervor, daß er zum Ende des Gaststättenbesuchs so alkoho-

**Rn. 105**

lisiert war, daß er nicht klar denken konnte. Selbst wenn man

**Rn. 106**

zu Gunsten der Klägerin unterstellt, daß ihr Ehemann

**Rn. 107**

die Jacke während der gesamten Zeit im Blick hatte, so wurde

**Rn. 108**

diese Beobachtung mit zunehmender Alkoholisierung zunehmend

**Rn. 109**

unzuverlässiger; ein Betrunkener in einer Gaststätte kann

**Rn. 110**

seine Aufmerksamkeit nicht mehr in dem Maße seiner Jacke

**Rn. 111**

schenken wie ein Nüchterner. Dies zeigt sich auch daran, daß

**Rn. 112**

der Ehemann der Klägerin zunächst auf der Straße auf das

**Rn. 113**

Taxi wartete, ohne seine Jacke anzuhaben. Er ging dann zurück

**Rn. 114**

und stellte erst beim neuerlichen Hineingehen in die Gast-

**Rn. 115**

wirtschaft fest, dass die Jacke insgesamt abhanden gekommen

**Rn. 116**

war.

**Rn. 117**

Das Verhalten des Ehemannes der Klägerin ist auch subjektiv

**Rn. 118**

vorwerfbar. Ausweislich der polizeilichen Aussage handelte

**Rn. 119**

es sich bei den in der Jacke befindlichen Schlüssel um

**Rn. 120**

einen Haustürschlüssel und um einen PKW-Schlüssel und mit-

**Rn. 121**

hin nicht um einen schweren Schlüsselbund; man hätte diese

**Rn. 122**

Schlüssel deshalb genau so gut in die Hosentasche stecken

**Rn. 123**

können. Der Ehemann der Klägerin hat die Schlüssel in einer

**Rn. 124**

Lederjacke deponiert, obwohl Lederjacken an Garderoben eher

**Rn. 125**

gestohlen zu werden pflegen als andere Bekleidungsstücke.

**Rn. 126**

Spätestens zu dem Zeitpunkt, als der Ehemann der Klägerin

**Rn. 127**

im Hinblick auf seine fortschreitende Alkoholisierung noch

**Rn. 128**

realisieren konnte, daß er bald seiner Sinne nicht mehr voll-

**Rn. 129**

ständig mächtig sein würde, hätte er den Wagenschlüssel an

**Rn. 130**

sich nehmen müssen.

**Rn. 131**

Da die Klägerin in diesem Rechtsstreit unterlegen ist,

**Rn. 132**

hat sie gemäß § 91 Abs. 1 ZPO dessen Kosten zu tragen.

**Rn. 133**

Die übrigen prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf

**Rn. 134**

den §§ 708 Nr. 11, 711 Satz 1, 108 Abs. 1 ZPO.

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Zitiervorschlag: Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 24.01.1990 – 29 C 10453/89, ECLI:DE:AGD:1990:0124.29C10453.89.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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